14. Mai 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Franz Schubert: Sakontala (Kammerphilharmonie Bremen, Frieder Bernius)

Franz Schubert: Sakontala (Kammerphilharmonie Bremen, Frieder Bernius)

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #027 – Oper (19. Jhd.)

Franz Schubert ist trotz vielfacher Bemühungen als Bühnenkomponist noch immer ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Sind schon seine abgeschlossenen oder auch nur seine vollständig erhaltenen Opern und Singspiele kaum dem Namen nach bekannt – etwa die überaus witzigen Freunde von Salamanka, der gewichtige Dreiakter Alfonso und Estrella oder gar der hochdramatische, einen Höhepunkt des Schaffens darstellende Fierabras. Aufgeführt wurde von diesen knapp einem Dutzend Partituren schon zu Schuberts Lebzeiten kaum etwas. Zu unglücklich erschien den Zeitgenossen die Wahl der Libretti, zu tief geriet Schubert in den Strudel zwischen deutscher romantischer Oper

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Carl Maria von Weber: Euryanthe (Constantin Trinks)

Carl Maria von Weber: Euryanthe (Trinks, ORF Radio-Symphonieorchester Wien)

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #027 – Oper (19. Jhd.)

Der vom „Freischütz“ geworfene Schatten ist lang – und er reicht bis heute. Umso erfreulicher ist das Engagement des Theaters an der Wien für Carl Maria von Webers „weitere“ Partituren. Dennoch überrascht das hörbar unterschiedliche Niveau der beiden bisher auf CD vorliegenden Live-Mitschnitte: Auf der einen Seite ein unglücklich besetzter, musikalisch seltsam behäbiger „Peter Schmoll“, wie man ihn wohl auch in den 1970er Jahren hätte hören können; sein originaler Spielwitz ist somit noch immer zu entdecken. Auf der anderen Seite nun eine „Euryanthe“, bei der man kaum glaubt, dasselbe Orchester

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Hans Werner Henze: Der Prinz von Homburg

Hans Werner Henze: Der Prinz von Homburg

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

Nur selten inszeniert und kaum eingespielt gilt Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg aus dem Jahre 1960 vielen noch immer als Geheimtipp. Denn das Werk ist ein wenig unbequem. Erst passte Heinrich von Kleists Drama nicht in das Weltbild des strengen «Preußentums», dann wurde es im Dritten Reich vereinnahmt, um später nur zögerlich wieder auf die Bühnen zu kommen. Der Anti-Held, der nach einem Urteil des Kriegsgerichts seinen kurz bevorstehenden Tod fürchten muss, mag sicherlich nicht gleich als Ideal gesehen worden sein – zumal die Brandenburger nach erfolgter Begnadigung

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Detlev Glanert: Oceane

Detlev Glanert: Oceane

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

Selten nur wurde eine Opern-Uraufführung in den letzten Jahren so einhellig umjubelt. Auch die (Wieder-)Begegnung mit der Berliner Uraufführung von Detlev Glanerts Oceane (2016–2018) macht rasch klar, was an diesem Werk so begeistert hat, denn es handelt sich um ein emotional berührendes Seelendrama, gewaltig mitreißend und leise nachhörend. Zudem erscheint der von Theodor Fontane adaptierte Plot nicht unnötig transzendiert, sondern erfahrbar gemacht – und zeigt damit den weithin unterschätzten norddeutschen Poeten nicht als Biedermann des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sondern als radikalen Vordenker. Oceane von Parceval, die dem Meer entsprang und

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Malcolm Arnold: The Dancing Master

Malcolm Arnold: The Dancing Master

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

«too bawdy for family audiences» – zu schlüpfrig für Familienpublikum. Diese knappen Worte reichten aus, dass sich im Jahre 1952 die BBC von dieser ursprünglich für das Fernsehen bestimmten Oper zurückzog. Heute kann man sich über dieses Urteil angesichts des spritzig-witzigen, mitunter auch doppeldeutigen Librettos von The Dancing Master nur wundern – oder mit Blick auf das enge Sittenkorsett jener Zeit eben auch nicht. Allerdings: glückliche Zeit, als vor 70 Jahren überhaupt noch längere musikalische Werke für den gar nicht so weit verbreiteten Flimmerkasten in Auftrag gegeben wurden! Mit dem

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Luigi Dallapiccola: Il Prigioniero

Luigi Dallapiccola: Il Prigioniero

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

Nach zwei Folgen mit Orchesterwerken und einer Pause von einem Jahrzehnt überrascht das britische Label Chandos mit einer Oper von Luigi Dallapiccola (1904–1975). Wirkliches Neuland wird dabei freilich nicht betreten. Denn von dem Einakter Il Prigioniero (1944–1948) liegen schon wenigstens vier andere Produktionen aus den Jahren 1967 (Ettore Gracis), 1974 (Antal Doráti), 1995 (Esa-Pekka Salonen) und 2016 (Dirk Kaftan) vor. Warum also diese Einspielung einer Partitur, die nach der Uraufführung oft gespielt wurde, heute aber auf der Bühne eher zur Rarität geworden ist? Oder darf man nun auch Neuaufnahmen von

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Péter Eötvös: Senza Sangue

Péter Eötvös: Senza Sangue

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

Die Frage, welchen Einakter man an einem Opernabend Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg zur Seite stellen könnte, hat eine schlüssige Antwort mehr erhalten. Bei dem gesuchten Gegenstück handelt es sich um Péter Eötvös’ im Jahre 2015 uraufgeführtes Drama Senza Sangue (Ohne Blut) – in der unrevidierten Version mit identischer Bártok-Besetzung (jedoch ohne Orgel), mit sieben Szenen und einer wiederkehrenden motivischen Zweiton-Reverenz. Im Gegensatz zum Blaubart zeigt sich allerdings ein wenig Licht am Ende des Tunnels – die Möglichkeit jedenfalls dafür. Zudem ist bei Eötvös die «Sage nicht alt», sondern spielt

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L’Opéra de Paris 1900–1960 – Une Histoire Sonore

L’Opéra de Paris 1900–1960 – Une Histoire Sonore

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Was für ein Fest – und noch dazu: nach guter französischer Tradition ein Fest in vier Akten. Da wäre zunächst die Institution der Pariser Oper mit ihrer diese Gattung maßgeblich mitbestimmenden Geschichte, dann das auf klassisch-romantischer Basis beruhende, kontinuierlich entwickelte und wo nötig frankophonisierte Repertoire, ferner die über Jahrzehnte gewachsene Phalanx von meist guten, oft auch herausragenden Sängerinnen und Sängern, und schließlich die aus all dem resultierende Einspielung auf einem Medium, das eine mechanische Aufnahme für die Zeitgenossen und die Nachwelt speichert. Für diese 10 CDs umfassende Dokumentation wurden aufwendig

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National Theatre Belgrade – Seven Great Russian Operas from 1955

National Theatre Belgrade – Seven Great Russian Operas from 1955

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Auslaufende Urheberrechte machen es möglich, dass Stück für Stück Schätze aus der Vergangenheit gehoben werden. Denn die (historische) Diskographie eines Künstlers, Ensembles, Orchesters oder Opernhauses ist das eine, die Einspielungen heute auch tatsächlich wieder verfügbar zu haben das andere. Zugleich stellt sich die Frage, wie die alten Bänder oder Platten digitalisiert und akustisch aufbereitet wurden. So kann eine alte Aufnahme nach diesem Prozess je nach Verfahren durchaus sehr unterschiedlich klingen: von einer unglaublichen Frischzellenkur bis hin zur anhaltenden Perspektivlosigkeit im mageren Mono. In diesem Sinne ist Günter Hänssler und seinem

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Ludwig van Beethoven: Leonore (1805) – René Jacobs, Freiburger Barockorchester …

Ludwig van Beethoven: Leonore (1805) – René Jacobs, Freiburger Barockorchester …

René Jacobs ist immer für eine wohlbegründete Überraschung gut, und so haben er und sein Label Harmonia Mundi schon vor Beginn des Jubeljahres ein beachtliches Beethoven-Ass aus dem Ärmel gezogen: Eine Einspielung der „Leonore“ von 1805, der ersten Fassung jener Oper also, die Beethoven zunächst vier Monate nach der wenig erfolgreichen Uraufführung in einer gekürzten Version und schließlich 1814 als „Fidelio“ gänzlich umgearbeitet vorlegte. Jacobs betrachtet seine Aufnahme nicht als Ausgrabung einer Rarität für Spezialisten. Vielmehr ist für ihn – das begründet er im Text zu der schön in Buchform

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Antonio Vivaldi: Dorilla in Tempe RV 709 (2014/17)

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Es gibt tatsächlich Gesamteinspielungen, die nicht klotzen oder in abgefeierten Archiven graben, sondern in erstaunlicher Ruhe Schritt für Schritt und damit in gleichbleibend herausragender Qualität und aufführungspraktisch auf Höhe der Zeit voranschreiten. Einer dieser raren Glücksfälle am umkämpften Tonträgermarkt (besser wohl: der aktuell einzige) ist fraglos die vom französi­schen Label Naïve produzierte Vivaldi Edition. Sie kann auch in der 55. Folge noch immer überraschen – hier mit der Oper Dorilla in Tempe von 1726, eingespielt in der letzten Fassung von 1734 mit nicht weniger als acht von Vivaldi selbst eingelegten

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