23. September 2020 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
75 ans Orchestre de Chambre de Lausanne

75 ans Orchestre de Chambre de Lausanne

Teil von 3 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Wie die Zeit vergeht! Bereits 2017 feierte das Orchestre de Chambre de Lausan­ne sein 75-jähriges Bestehen. In der Stadt ein nicht wegzudenkender Pfeiler (im Konzertsaal wie auch im Orchestergraben) ist es auch außerhalb der frankopho­nen Schweiz ein wichtiger Teil des Musiklebens geworden – nicht allein durch seine Tourneen und Gastauftritte, sondern auch auf Tonträgern durch die noch immer denkwürdige Gesamteinspielung der Opern Joseph Haydns unter Antal Doráti oder der vielfach ausgezeichneten von Mozarts Klavierkonzerten mit und unter Christian Zacharias. Tatsächlich ist der mit 40 Musikern besetz­te Klangkör­per seit Beginn von

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Solo – Emmanuel Pahud

Solo – Emmanuel Pahud

Teil 2 von 6 in Michael Kubes HörBar #015 – Miniaturen

Recht bescheiden mit „Solo“ überschrieben, bietet diese Doppel-CD gleichsam eine klingende Enzyklopädie der Musik für Flöte allein: Angelpunkt sind die 12 Fantasien von Georg Philipp Telemann (um 1730), die zum älteren Kernreper­toire jedes Flötisten gehören. Dazu werden hier alternierend 14 Werke des 20. und frühen 21. Jahrhundert gesellt, beginnend mit Air (1995) von Toru Take­mitsu über Kompositionen von Sigfrid Karg-Elert, Jörg Widmann, Robert Helps, Arthur Honegger, Matthias Pintscher, Pierre-Octave Ferroud, Carl Nielsen, Luciano Berio, Arvo Pärt bis hin zu Edgard Varèse (in der Reihenfolge der Tracks); wer in dieser Aufzählung Debussys

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Kindermann: Opitianischer Orpheus – Siedlacek / Kobow / United Continuo Ensemble

Kindermann: Opitianischer Orpheus – Siedlacek / Kobow / United Continuo Ensemble

Teil 6 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik

Was wäre die deutschsprachige Dichtkunst ohne Martin Opitz (1697–1639)? Als zur Zeit des 30-jährigen Kriegs in der Mitte Europas die Städte brannten, Felder und Ställe geplündert wurden, entdeckte er die poetische Strahlkraft der eigenen Sprache. Für Komponisten wie den jung verstorbenen Nürnberger Johann Erasmus Kindermann eröffnete sie aber vollkommen neue Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks. Die 27, immer mit einer knappen instrumentalen Einleitung versehenen Lieder seines Opitianischen Orpheus (1642) legen davon beredtes Zeugnis ab. Jan Kobow ist mit seinen sorgsam deutenden, mitunter fast im Stil eines modernen Liedermachers erzählenden Tenor eine

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Johann Bernhard Bach: Orchestral Suites – Thüringer Bach Collegium

Johann Bernhard Bach: Orchestral Suites – Thüringer Bach Collegium

Teil 5 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik

Überliefert durch Abschriften aus dem Bach’schen Haushalt in Leipzig, haben diese vier Ouvertüren-Suiten viel zu lange im Schatten gelegen. Ihre herrlich ungezwungene Kombination aus französischem und italienischem Stil zeigen den in Eisenach wirkenden Johann Bernhard Bach (1676–1749) als einen höchst einfallsreichen Komponisten im greifbaren Einflussbereich Telemanns und auf der Höhe seiner Zeit. Solistisch besetzt, spielt das Thüringer Bach Collegium die erhaltenen Werke auf höchstem Niveau als ganz große Musik. Mit durchdachter Agilität und Artikulation sowie einem sehr angenehmen direkten Klang ein großartiges Hörvergnügen. Kleiner Schönheitsfehler: In der gedruckten Track-Liste fehlen

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Geminiani. Quinta essentia – Concerto Köln

Geminiani: Quinta essentia – Concerto Köln

Teil 4 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik

Ob Pink wohl die Lieblingsfarbe von Francesco Geminiani war? Das Artwork dieser CD lässt jedenfalls diese Vermutung aufkommen. Und wer vertrautermaßen Angaben zu den eingespielten Kompositionen auf dem Backcover sucht, wird diese zwar finden – allerdings mit manieristischen Schnörkeln eines selbstgefälligen Fonts versehen. Die Auswahl der eingespielten Werke jedenfalls soll als quinta essentia, als Quintessenz, verstanden werden. Dabei handelt es sich um eine freie Auswahl von insgesamt acht Kompositionen aus Opus 2, 3, 4, 5 und 7 in frühen originalen oder auch späteren überarbeiteten Fassungen. Dieses leider bis heute ein

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Couperin: Concerts Royaux – Les talens lyriques / Rousset

Couperin: Concerts Royaux – Les talens lyriques / Rousset

Teil 3 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik

Freiheiten ohne Ende unter den Augen des absolutistischen Louis XIV. Denn mit seinen Concerts Royaux (1722) hat François Couperin eine Sammlung von vier Werken geschrieben und drucken lassen, die sich in der Oberstimme erfreulich flexibel besetzen und aufführen lassen (Violine, Traversflöte, Oboe – alternierend oder auch simultan). Von Solisten des Ensembles Les talens lyriques tatsächlich als Kammermusik gespielt und risikofreudig direkt aufgenommen, drängt sich die hohe Kunst französischer Barockmusik hier geradezu auf. Keine Musik, die bloß untermalt, sondern die sich selbstbewusst in Szene setzt. François Couperin. Concerts Royaux Les talens

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Jommelli: Requiem & Miserere – il gardellino / van Heyghen

Jommelli: Requiem & Miserere – il gardellino / van Heyghen

Teil 2 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik

Die Musik zu mehr als zweihundert Opern stammt aus seiner Feder, doch auch an Kirchenmusik hat Niccolò Jommelli ein beträchtliches Œuvre hinterlassen. Als Kapellmeister am württembergischen Hof in Stuttgart hat er Mitte des 18. Jahrhunderts auch diesseits der Alpen Spuren hinterlassen – darunter das Requiem Es-Dur. Es ist 1756 für den Begräbnisgottesdienst von Maria Augusta von Thurn und Taxis, der Mutter von Herzog Carl Eugen, entstanden und erfreute sich in den folgenden Jahrzehnten einer weiten Verbreitung, bis es von Mozarts Totenmesse aus dem Repertoire gedrängt wurde. Stilistisch wie dramatisch liegen

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Arne: The Judgement of Paris – The Brook Street Band / Andrews

Arne: The Judgement of Paris – The Brook Street Band / Andrews

Teil 1 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik

Wer bei den ersten Tönen glaubt, diese Musik schon einmal gehört zu haben, der täuscht sich nicht. Bereits 1973 gehörte die Ouvertüre zu den von der Academy of Ancient Music eingespielten Werken. Alles weitere ist so gut wie unbekannt geblieben – auch der Rest der Partitur, die ohne Rezitative und Chöre 1744 gedruckt wurde. Das originale Material ist vermutlich Opfer der Flammen beim Brand des Covent Garden am 20. September 1808 geworden; die zu hörenden Ergänzungen stammen aus der Edition der Musica Britannica. Hier wie schon öfters zeigt sich, dass

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London. Une histore de la musique de chambre londonienne Vol. 1

London. Une histore de la musique de chambre londonienne Vol. 1

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #009 – 2020/01

Der Titel liest sich ein wenig sperrig und enzyklopädisch. Davon ist aber bei der lebendigen Produktion nichts zu spüren. Im Gegenteil: Spielfreudig und ohne manierierte Attitüde ist etwas von dem Geist einer Zeit zu spüren, in der sich nicht nur das Bürgertum, sondern auch die Musiker zunehmend von den Fürstenhöfen emanzipierten. Werke u.a. von Godfrey Finger, Henry und Daniel Purcell stehen auf dem Programm – interpretiert mit einem eher französischen als kantig italienischen Goût. Die Einführung von Florence Bolton ist lesenswert. London. Une histore de la musique de chambre londonienne

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Chameleon: Werke von Georg Philipp Telemann – New Collegium

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Telemann hat wahrlich viel geschrieben – aber ein Vielschreiber war er keinesfalls. Weit eher könnte man sagen, dass er es auf wunderbare Weise verstand, die unterschiedlichen nationalen Stile seiner Zeit kompositorisch originell zu bedienen und (mehr noch) zu vermischen. Der Titel dieses Albums spielt darauf an: Telemann als ein musikalisches Chamäleon. Doch auch das eingespielte Programm gleicht einer Tarnkappe: Neben zwei vollständigen Sonaten, einem raren Concerto und einem Quartett finden sich viele Einzelsätze mit spezifischen (Klang-)Reizen – von dem niederländischen Ensemble „New Collegium“ wirklich als Kammermusik interpretiert und gespielt. Ein

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Kantaten der Bach-Familie: Werke von Heinrich, Johann Christoph, Johann Michael und Johann Sebastian Bach

Kantaten der Bach-Familie: Werke von Heinrich, Johann Christoph, Johann Michael und Johann Sebastian Bach

Teil von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Der Kenner der Materie darf sich bei der Lektüre des Booklets wundern: Mit keinem Wort wird das so genannte „Altbachische Archiv“ mit seinem Bestand und seiner Überlieferungsgeschichte erwähnt – seltsam. Dabei entstammen alle Werke der älteren Bach-Generation diesem musikgeschichtlichen Schatz (hinzu kommt folgerichtig Bachs frühe Kantate „Christ lag in Todesbanden“ BWV 4). Neuheiten gibt es bei dieser Einspielung also nicht zu entdecken. Auch interpretatorisch dokumentiert sich nur ein hohes Niveau, ohne dass Sänger und Ensemble den Hörer anzurühren vermögen – ganz im Gegensatz übrigens zu der legendären Einspielung von Musica

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Antonio Vivaldi: Dorilla in Tempe RV 709 (2014/17)

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Es gibt tatsächlich Gesamteinspielungen, die nicht klotzen oder in abgefeierten Archiven graben, sondern in erstaunlicher Ruhe Schritt für Schritt und damit in gleichbleibend herausragender Qualität und aufführungspraktisch auf Höhe der Zeit voranschreiten. Einer dieser raren Glücksfälle am umkämpften Tonträgermarkt (besser wohl: der aktuell einzige) ist fraglos die vom französi­schen Label Naïve produzierte Vivaldi Edition. Sie kann auch in der 55. Folge noch immer überraschen – hier mit der Oper Dorilla in Tempe von 1726, eingespielt in der letzten Fassung von 1734 mit nicht weniger als acht von Vivaldi selbst eingelegten

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