13. Juni 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Barbican Quartet

Barbican Quartet

Was für ein Understatement! Ein Booklet ohne Künstlerbiographie, ohne einen Verweis auf eine entsprechende Website. Man könnte Nachlässigkeit vermuten, doch nach dem Gewinn des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs 2022 ist das Barbican Quartet in der «Szene» dann doch zu bekannt. Vielleicht ist aber auch ein Wechsel der Perspektive angebracht: Hier wird nicht auf dem Papier mit einer großartigen Entwicklung gepunktet, sondern allein durch die Musik. Und wer sich von dem Album und den Interpretationen gefangen nehmen lässt, der wird sowieso nach mehr Informationen suchen (und fündig werden). Erstaunlich ist bei diesem zweiten

This entry is part 3 of 3 in the series HörBar #189 – Streichquartette
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Butter Quartet

Butter Quartet

Selbst unter den jungen Streichquartett-Formationen ist die historisch informierte Aufführungspraxis nicht so verbreitet, wie man es sich wünschen würde. Dabei geht es nicht allein um die Frage der «richtigen» Saiten und ihrer Stimmhöhe, sondern vor allem um die Artikulation und den daraus resultierenden kammermusikalischen Ton. Denn bei manch einem Werk der Klassiker und frühen Romantiker lässt sich die Faktur auch ins Sinfonische denken – und dies nicht nur beim frühen Schubert (bei ihm selbst ein produktives Missverständnis). In diesem Sinne ist das zweite Album des Butter Quartets aus Den Haag

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Joseph Weigl – Trios

Joseph Weigl – Trios

Eine Rarität in gleich mehrfacher Hinsicht. Zunächst dürfte Joseph Weigl (1766–1846) heute nur noch wenigen als Komponist ein Begriff sein, obwohl sein einst erfolgreiches Singspiel Die Schweizerfamilie hin und wieder wieder aufgeführt wird. Dann wird die ausgesprochen kammermusikalische Besetzung dieser sechs Trios verblüffen: Oboe, Violine und Violoncello. Und schließlich werden auch die Stücke selbst überraschen, die ungedruckt in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert sind. Drei von ihnen sind dreisätzig, drei weitere umfassen vier Sätze, zwei davon schließen gar eine Fuge ein. Es handelt sich um freundliche Musik zur Unterhaltung, die mit

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Witt – Sinfonien

Witt – Sinfonien

Musikalisch ist Friedrich Witt (1770–1836) kein Unbekannter. Wer seinen alten Schallplattenschrank durchforstet, findet womöglich eine Aufnahme seiner Sinfonie C-Dur, die nach einer voreiligen Zuschreibung durch Fritz Stein einmal als Jugendwerk Beethoven gehandelt wurde. Als dann klar war, dass es sich bei der Partitur um keinen echten «Beethoven» handelt, sondern «nur» um einen ordentlichen «Witt», öffneten sich die Türen zur Versenkung. Dabei versteht es der zuletzt in Würzburg wirkende Witt, mit seinen Sinfonien musikalisch bestens zu unterhalten (er schrieb außerdem reichlich Kirchenmusik). Obwohl von ETA Hoffmann mit einer gründlichen und positiven

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Shortcuts – Antonio Ballista

Shortcuts – Antonio Ballista

Ein Doppelalbum, das durch drei Jahrhunderte der Musikgeschichte geht und dabei eine ganze Menge an Kleinigkeiten «abräumt». Die erste Hälfte der insgesamt 50 Stücke wurde aus dem 18. und 19. Jahrhundert gewonnen, die übrigen stammen aus dem 20., wenn nicht gar 21. Jahrhundert (die genauen Entstehungsdaten der Miniaturen werden nicht mitgeteilt). Warum aber eine solche Produktion? Früher wurden mit derartigen Stückchen noch auf den Klassik-Sendern des öffentlichen Rundfunks die übrig gebliebenen Sendeminuten vor den Nachrichten gefüllt… Wie kaum anders zu erwarten spielt sich Antonio Ballista ordentlich durch die Minuten, ohne

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Reinventions – Orchestra di Padova

Reinventions – Orchestra di Padova

Obwohl bereits 2022 aufgenommen, erscheint dieses Album nun pünktlich zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze (1926–2012). In den drei Werken mag man auf den ersten Blick vielleicht Marginales sehen. Doch zeigen die Partituren nach Werken von Giovanni Battista Vitali, Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach eine Seite von Henze, die allzu leicht übersehen wird – seine Liebe zur «Alten Musik». Was hier unter dem Motto Reinventions zusammengefasst wurde, folgt allerdings unterschiedlichen kompositorischen Strategien: Mozarts Orgelsonaten wurden in eine zyklische Folge gebracht und neu instrumentiert, CPE Bachs Chromatische

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New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

Unter dem Begriff «Arrangement» lassen sich viele unterschiedliche Methoden der Bearbeitung subsumieren, so dass auch etwas zusammenkommen kann, das nicht unbedingt zusammen gehört. Instrumentation, Paraphrase, Transkription und Reduktion – sowie hie und da einmal eine «Re-Invention». Es sollte daher immer auf das Detail geschaut werden, um sicher zu sein, was in der Partitur wirklich passiert: ob etwas gewonnen wird oder doch das Original substanziellen Verlust erleidet. Sicher ist nur, dass jedes, wirklich jedes Arrangement einen näher an das Original heranführt – nicht wenn man sich zurücklehnt, sondern wenn man das

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Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts durch Otto Jahns grundlegende Mozart-Biografie bekannt wurde, wie sich das Salzburger Genie über den in ganz Europa präsenten musikalischen Tausendsassa mokierte, verschwand auch das letzte von Georg Joseph Voglers Werken alsbald aus dem standardisierten Repertoire – nämlich seine dritte und letzte Sinfonie C-Dur, die mit ihrem kontrapunktisch angelegten Finale wohl als Replik auf Mozarts Jupiter-Sinfonie (KV 551) zu verstehen ist, am Ende dann aber doch die spielerische Dichte und Konzentration des Originals nicht annähernd erreicht. Auch wenn sich der Ruhm des Abbé Vogler (1749–1814), der

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Vanhal – Sinfonien

Vanhal – Sinfonien

Erstaunlich – oder? Die meisten Eigennamen finden sich in der ersten Hälfte des Alphabets; und nimmt man «S», «Sch» sowie «St» aus, reduziert sich die Präsenz der zweiten Hälfte nochmals erheblich. In Zeiten digitaler Nachschlagewerke und Datenbanken ist diese Erkenntnis wahrscheinlich längst aus dem allgemeinen Wissen verschwunden. Wer sich aber noch an die alten und gut sortierten LP- und CD-Läden erinnert, der weiß, was ich in dieser Woche mit V (diverse) meine. Nach Verdi und Vivaldi kam nämlich auch schon dieser neugierig machende Reiter, hinter dem sich die wahre Vielfalt

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Müthel – Music for Harpsichord

Müthel – Music for Harpsichord

«Seine Arbeiten sind so voller neuen Gedanken, so voller Geschmack, Anmuth und Kunstfertigkeit, daß ich mich nicht scheuen würde, sie unter die grössesten Produkte unsrer Zeit zu rechnen. So ausserordentlich das Genie und die Kunst dieses Tonkünstlers sind, so ist er doch in Deutschland nicht sehr bekannt…» Als Charles Burney diese Bemerkungen niederschrieb, stand Johann Gottfried Müthel (1728–1788) schon seit Jahren in Diensten des Barons Otto von Hermann von Vietinghoff in Riga – einer Stadt, die Burney nicht besuchte («ob er gleich an einem Orte sieht, der unter russische Bothmässigkeit

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Weckbacher – Quartetti

Weckbacher – Quartetti

Musik mit vielen Fragezeichen. Wer war Lorenzo Weckbacher? Ist er wirklich in Berlin / Potsdam zu verorten? Warum lassen sich derzeit keine weiteren Quellen über ihn nachweisen? Handelt es sich tatsächlich um Kompositionen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – oder ist alles ein gelungener Fake? Ein Konvolut mit seinen Werken auf mehr als 370 Seiten liegt singulär in Antwerpen und ist seit 1972 als «anonyme Schenkung» nachweisbar, doch wohl mit Hinweisen auf eine Existenz bereits zwischen den Weltkriegen. Am preußischen Hof war Lorenzo Weckbacher jedenfalls nicht beschäftigt –

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de Saint-Georges – Quartette

de Saint-Georges – Quartette

Er war zweifellos eine illustre Persönlichkeit, bei der die Musik nur einen Aspekt unter vielen darstellte – wenn auch für eine gewisse Zeit den bedeutendsten. Geboren auf Haiti, erhielt Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges (1745–1799) in Paris zunächst erstklassigen Unterricht im Fechten und Reiten, dann auch auf der Violine und im Komponieren. 1773 folgte er Gossec in der Leitung der Concerts des Amateurs; nach deren Auflösung leitete er ab 1783 die Concert de la Loge Olympique. Während der Revolution hielt er sich in England auf, wo er seinen Lebensunterhalt durch

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