4. Mai 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Shortcuts – Antonio Ballista

Shortcuts – Antonio Ballista

Ein Doppelalbum, das durch drei Jahrhunderte der Musikgeschichte geht und dabei eine ganze Menge an Kleinigkeiten «abräumt». Die erste Hälfte der insgesamt 50 Stücke wurde aus dem 18. und 19. Jahrhundert gewonnen, die übrigen stammen aus dem 20., wenn nicht gar 21. Jahrhundert (die genauen Entstehungsdaten der Miniaturen werden nicht mitgeteilt). Warum aber eine solche Produktion? Früher wurden mit derartigen Stückchen noch auf den Klassik-Sendern des öffentlichen Rundfunks die übrig gebliebenen Sendeminuten vor den Nachrichten gefüllt… Wie kaum anders zu erwarten spielt sich Antonio Ballista ordentlich durch die Minuten, ohne

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #186 – Miniaturen
Weiterlesen
Reinventions – Orchestra di Padova

Reinventions – Orchestra di Padova

Obwohl bereits 2022 aufgenommen, erscheint dieses Album nun pünktlich zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze (1926–2012). In den drei Werken mag man auf den ersten Blick vielleicht Marginales sehen. Doch zeigen die Partituren nach Werken von Giovanni Battista Vitali, Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach eine Seite von Henze, die allzu leicht übersehen wird – seine Liebe zur «Alten Musik». Was hier unter dem Motto Reinventions zusammengefasst wurde, folgt allerdings unterschiedlichen kompositorischen Strategien: Mozarts Orgelsonaten wurden in eine zyklische Folge gebracht und neu instrumentiert, CPE Bachs Chromatische

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #185 – Arrangement & Co.
Weiterlesen
New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

Unter dem Begriff «Arrangement» lassen sich viele unterschiedliche Methoden der Bearbeitung subsumieren, so dass auch etwas zusammenkommen kann, das nicht unbedingt zusammen gehört. Instrumentation, Paraphrase, Transkription und Reduktion – sowie hie und da einmal eine «Re-Invention». Es sollte daher immer auf das Detail geschaut werden, um sicher zu sein, was in der Partitur wirklich passiert: ob etwas gewonnen wird oder doch das Original substanziellen Verlust erleidet. Sicher ist nur, dass jedes, wirklich jedes Arrangement einen näher an das Original heranführt – nicht wenn man sich zurücklehnt, sondern wenn man das

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #185 – Arrangement & Co.
Weiterlesen
Werbung
Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts durch Otto Jahns grundlegende Mozart-Biografie bekannt wurde, wie sich das Salzburger Genie über den in ganz Europa präsenten musikalischen Tausendsassa mokierte, verschwand auch das letzte von Georg Joseph Voglers Werken alsbald aus dem standardisierten Repertoire – nämlich seine dritte und letzte Sinfonie C-Dur, die mit ihrem kontrapunktisch angelegten Finale wohl als Replik auf Mozarts Jupiter-Sinfonie (KV 551) zu verstehen ist, am Ende dann aber doch die spielerische Dichte und Konzentration des Originals nicht annähernd erreicht. Auch wenn sich der Ruhm des Abbé Vogler (1749–1814), der

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #178 – V… (diverse)
Weiterlesen
Vanhal – Sinfonien

Vanhal – Sinfonien

Erstaunlich – oder? Die meisten Eigennamen finden sich in der ersten Hälfte des Alphabets; und nimmt man «S», «Sch» sowie «St» aus, reduziert sich die Präsenz der zweiten Hälfte nochmals erheblich. In Zeiten digitaler Nachschlagewerke und Datenbanken ist diese Erkenntnis wahrscheinlich längst aus dem allgemeinen Wissen verschwunden. Wer sich aber noch an die alten und gut sortierten LP- und CD-Läden erinnert, der weiß, was ich in dieser Woche mit V (diverse) meine. Nach Verdi und Vivaldi kam nämlich auch schon dieser neugierig machende Reiter, hinter dem sich die wahre Vielfalt

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #178 – V… (diverse)
Weiterlesen
Müthel – Music for Harpsichord

Müthel – Music for Harpsichord

«Seine Arbeiten sind so voller neuen Gedanken, so voller Geschmack, Anmuth und Kunstfertigkeit, daß ich mich nicht scheuen würde, sie unter die grössesten Produkte unsrer Zeit zu rechnen. So ausserordentlich das Genie und die Kunst dieses Tonkünstlers sind, so ist er doch in Deutschland nicht sehr bekannt…» Als Charles Burney diese Bemerkungen niederschrieb, stand Johann Gottfried Müthel (1728–1788) schon seit Jahren in Diensten des Barons Otto von Hermann von Vietinghoff in Riga – einer Stadt, die Burney nicht besuchte («ob er gleich an einem Orte sieht, der unter russische Bothmässigkeit

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #177 – Übergänge
Weiterlesen
Weckbacher – Quartetti

Weckbacher – Quartetti

Musik mit vielen Fragezeichen. Wer war Lorenzo Weckbacher? Ist er wirklich in Berlin / Potsdam zu verorten? Warum lassen sich derzeit keine weiteren Quellen über ihn nachweisen? Handelt es sich tatsächlich um Kompositionen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – oder ist alles ein gelungener Fake? Ein Konvolut mit seinen Werken auf mehr als 370 Seiten liegt singulär in Antwerpen und ist seit 1972 als «anonyme Schenkung» nachweisbar, doch wohl mit Hinweisen auf eine Existenz bereits zwischen den Weltkriegen. Am preußischen Hof war Lorenzo Weckbacher jedenfalls nicht beschäftigt –

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #177 – Übergänge
Weiterlesen
de Saint-Georges – Quartette

de Saint-Georges – Quartette

Er war zweifellos eine illustre Persönlichkeit, bei der die Musik nur einen Aspekt unter vielen darstellte – wenn auch für eine gewisse Zeit den bedeutendsten. Geboren auf Haiti, erhielt Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges (1745–1799) in Paris zunächst erstklassigen Unterricht im Fechten und Reiten, dann auch auf der Violine und im Komponieren. 1773 folgte er Gossec in der Leitung der Concerts des Amateurs; nach deren Auflösung leitete er ab 1783 die Concert de la Loge Olympique. Während der Revolution hielt er sich in England auf, wo er seinen Lebensunterhalt durch

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #177 – Übergänge
Weiterlesen
Mysliveček – Keyboard Works

Mysliveček – Keyboard Works

Manchmal fügen sich die Dinge einfach zusammen. Warum also nicht mit der Hörbar-Folge #177 in die 1770er Jahre eintauchen und dabei eine Zeit des Übergangs beleuchten? Denn diese Zeit ist vielfach aufregender als die Musik manch eines «barocken» Meisters oder der periodisch regulierten «Wiener Klassik». Mit dem Übergang sind meist Komponisten verbunden, deren Namen noch am Ende des 20. Jahrhunderts als «Kleinmeister» bezeichnet wurden. Inzwischen hat sich glücklicherweise der Blick verändert. Denn sie hatten auf sehr eigene Weise Neues zu sagen. Die steigende Beliebtheit der Musik von CPE und JC

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #177 – Übergänge
Weiterlesen
Mozart – Complete Wind Music

Mozart – Complete Wind Music

Große Besetzungen und einfache Duos, bedeutende Kompositionen und kleine Gelegenheitsarbeiten, Bekanntes und Rares. Diese kleine Box mit sieben CDs bietet eine Fülle von Perspektiven auf all das, was «Harmoniemusik» sein kann. Von der Gran Partita mit einer Spielzeit von knapp 50 Minuten über «normale» Divertimenti bis hin zu Fragmenten mit nur wenigen Takten Umfang. Doch was heißt schon «normal», denkt man etwa an die Serenade c-Moll KV 388 mit ihrem dramatisch-dunklen Tonfall und einem kontrapunktisch als Kanon durchgearbeiteten Menuett. Die Gesamtsicht zeigt aber auch, wie sehr Mozart das Bassetthorn mit

This entry is part 2 of 5 in the series HörBar #176 – Harmoniemusik
Weiterlesen
Edition Hofkapelle – Harmoniemusik

Edition Hofkapelle – Harmoniemusik

Um das Jahr 1800 war Harmoniemusik einfach «in». Wer sich als Adeliger keine geordnete Hofkapelle leisten konnte, der griff gerne auf ein Bläseroktett (oft mit einem verstärkenden Kontrabass) zurück. Aber auch der höhere Adel schätzte den unterhaltsamen Tonfall, der sich sofort bei Outdoor-Events oder auch bei Tisch gut machte. Im Haydn-Haus Eisenstadt ist dazu ein originaler, handwerklich gut gearbeiteter, klappbarer(!) Notenständer «per tutti» zu besichtigen. Mich selbst fasziniert die Besetzung mit paarweisen Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten schon Jahrzehnten – doch nicht durch Mozarts Werke, sondern durch Joseph Haydns durchgehend

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #176 – Harmoniemusik
Weiterlesen
Calcutta – 1789

Calcutta – 1789

Selbst auf alte Schlagertexte kann man sich nicht mehr verlassen. Kalkutta heißt schon lange nicht mehr so (sondern seit 25 Jahren Kolkata), und am Ganges hat die Metropole im Osten Indiens nie gelegen. Was sich aber hinter dem Motto des Albums verbirgt, das ist am Ende weitaus faszinierender als viele der eingespielten Stücke und Werke. Denn das einstige Zentrum der Britischen Ostindien-Kompanie zog nicht nur Waren und Händler an, sondern entwickelte im 18. Jahrhundert auch ein respektables Musikleben. Zentrale Figur war dabei William Hamilton Bird (genaue Lebensdaten unbekannt), der nach

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #175 – Anno Domini
Weiterlesen