20. September 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Mysliveček / Violinkonzerte

Mysliveček / Violinkonzerte

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #041 – Galanterien

Er war ein Star in seiner Zeit. Spät zur Komposition gekommen (sein Vater stand der Prager Müllergilde vor), übersprang Josef Mysliveček (1737–1781) nach sei­nem eigenen Meisterbrief gleich einige Entwicklungs- und Karrierestufen, um im Alter von 30 Jahren mit einer ersten Opern-Partituren in Italien zu punkten. Die folgenden knapp 14 Jahren sind zunächst voller Ruhm und Ehre, doch konnte er die Gunst des Publikums nicht halten – vielleicht auch, weil Mysliveček kränkelte und sich von gesellschaftlichen Verpflichtungen fern hielt. Wieder ein Opfer der leeren und falschen Konventionen möchte man ausrufen! Leopold

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Schultze / Trattamento dell'Harmonia

Schultze / Trattamento dell’Harmonia

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #041 – Galanterien

Kaum schöner kann man sich wohl eine «Harmonie-Behandlung» vorstellen, als dies Martin Christian Schultze in seinem Trattamento dell’Harmonia getan hat – ein Komponist, über den nichts weiter bekannt ist als das, was das Titelblatt des 1733 in Paris erschienenen Drucks hergibt und der Mercure de France im März des Jahres bestätigt: «M. Schultze, de Berlin». Doch gehörte er wirklich zu der großen Musikerfamilie, die im 18. und frühen 19. Jahrhundert an der Spree wirkte? Dem als Opus 2 bezeichneten Trattamento gingen bereits zwei Jahre zuvor als «op. 1» sechs Sonaten für Traversflöte

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Fasch / Claviermusik

Fasch / Claviermusik

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #041 – Galanterien

Seine Büste steht recht prominent vor dem Berliner Maxim Gorki Theater. Doch so wie heute auf den ersten Blick nichts mehr an diesem 1827 eingeweihten Bau an die dort einst beheimatete Sing-Akademie erinnert (seit fast 70 Jahren werden dort zeitgenössische unterhaltende Schauspiele dargeboten), so bringt man mit der für die Bach-Rezeption so wichtigen Institution im ersten Moment wohl eher den Namen von Carl Friedrich Zelter in Verbindung – nicht aber den des wirklichen Gründers von 1791, nämlich den von Carl Friedrich Christian Fasch (1736–1800). Ohne diese Tat wäre Fasch, Sohn

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Steirische Cembalokonzerte

Steirische Cembalokonzerte

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #041 – Galanterien

Wer erinnert sich nicht an jene Aufnahmen «frühklassischer» Musik, die schon nach nur wenigen Takten deutlich werden ließen, was die Interpreten über den Stellenwert der eingespielten Werke dachten. Lange schon gehört diese Zeit des 20. Jahrhunderts der Vergangenheit an. Und doch ist es nicht allein eine Frage der Aufführungspraxis, sondern auch der inneren Herangehensweise. Nur wenn Zugang und Perspektive stimmen, kann Schönes, Besonderes gelingen. So auch hier bei Cembalokonzerten aus dem steirischen Raum und einem Repertoire, das die Zeiten eher zufällig überdauert hat. Als 1941 auf Schloss Wurmberg (unweit des

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Beethoven 7 / Teodor Currentzis

Beethoven 7 / Teodor Currentzis

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #039 – Sinfonisches

Currentzis polarisiert. Wer sich dabei noch immer am rein äußerlichen Auftreten stört, der hat die letzten Jahrzehnte verschlafen: sowohl hinsichtlich der Freiheit, die der «Betrieb» längst gewährt, der klar hervortretenden Marketingstrategien, als auch des Rechts auf «Gleichberechtigung». Viel interessanter ist es, sich an seinen Interpretationen zu reiben. Denn Currentzis wandelt auf einem wahrlich hochgefährlichen schmalen Grat: auf der einen Seite der genialische Zugriff, das klare Zeichnen und technisch perfektionistische Hervorholen der innersten Architektur einer Partitur und ihrer musikalischen Ausdruckstiefe, auf der anderen Seite der alles verschlingende Abgrund, der sich bei

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Danish String Quartet – Prism II

Danish String Quartet – Prism II

War für ein Prisma. Was für ein Fächer an Musik. Was tut sich hier für eine Musikwelt nur auf. Diese Konstellation aus Musikwerken, an deren Anfang eine Fuge (von Bach) steht und an deren Ende ebenfalls eine Fuge (von Beethoven) steht. Bei markieren Grenzfrequenzen des gebündelten Lichtstrahls aus vier Streichinstrumenten. Größere Werke zur Entfaltung zu bringen als die hier angezeigten von Bach, Schnittke und Beethoven ist kaum denkbar. Prismatisch sind die Werke auch in sich selbst. Das dritte Streichquartett von Alfred Schnittke aus dem Jahr 1983 steht für eine musikalische

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Beethoven – Lachner / Hanna Shybayeva

Beethoven – Lachner / Hanna Shybayeva

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #036 – Transkriptionen

Das Programm dieser CD ist alles andere als spektakulär. Denn wer angesichts der kammermusikalischen Version von Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 vielleicht an eine zeitgenössische Bearbeitung dachte, wird enttäuscht sein, dass diese aus dem Jahr 1881 stammt – als Teil einer ganzen Serie, mit der der in Stuttgart wirkende Klavierpädagoge Sigmund Lebert seinen Eleven «klassisches» Repertoire aufführungspraktisch näher bringen wollte. Welche Motivation heute hinter einer Gesamteinspielung dieser für die Unterrichtspraxis angefertigten Version steckt, bliebt offen; eher habe ich den Eindruck gewonnen, die Einspielung würde das umfangreiche Vorwort der Druckausgabe (vgl.

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Haydn / Ivan Ilić

Haydn: Sinfonien / Ivan Ilić

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #036 – Transkriptionen

Musik wurde schon immer bearbeitet oder einfach gangbar gemacht. Dies betrifft vor allem die Zeit des sich etablierenden Klein- bis Großbürgertums, das auch selbst in der Guten Stube oder im Salon musizierte; ob aus gesellschaftlicher Verpflichtung heraus oder aus eigenem Interesse. Mit dem Siegeszug des Klaviers wurde es dann einfacher, sich größere Gattungen und Besetzungen «ins Haus» zu holen – in Form von Klavierauszügen (so bekanntlich die einschlägige Bezeichnung bei Opern) oder von Transkriptionen (etwa von Sinfonien, Streichquartetten etc.). Die Intention konnte dabei schwanken zwischen der idealtypischen Abbildung der Partitur

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Haydn op. 76 / The London Haydn Quartet

Haydn op. 76 / The London Haydn Quartet

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #035 – Schiff ahoi

Beethoven und Schubert hatten davon nur eine ungefähre Vorstellung, von Mozart ist nichts überliefert, Haydn aber berichtet selbst Anfang 1790 in einem Brief über seinen Respekt vor dem Meer und der Seekrankheit, als er den Ärmelkanal zwischen Calais und Dover überquerte: «wehrend der ganzen überfahrt bliebe ich oben auf den schif um das ungeheure Thier das Meer satsam zu betrachten, solange es windstill war, förchtete ich mich nicht, zulezt aber, da der immer stärckere wind ausbrach und ich die heranschlagende ungestimme hohe wellen sahe, überfiel mich eine kleine angst, und

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Beethoven 7 – Prometheus / FBO – van der Goltz

Beethoven 7 – Prometheus / FBO – von der Goltz

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #033 – Sinfonisches

Fast könnte man von einem rezeptionsgeschichtlichen Glücksfall sprechen. Denn sowohl das Jubeljahr 2020 wie auch die vielfach zum «Nachholen» angedachte Verlängerung 2021 sind für Beethoven und seine Werke ausgefallen. Hand aufs Herz: Bereits die nur angekündigte Omnipräsenz hatte die Befürchtung bestätigt, dass zumeist wieder einmal allzu gewöhnliche Programme entworfen worden waren – einmal abgesehen von all den ganzen oder halben Zyklen, den herausragenden singulären Events oder auch dem Tonträgermarkt. Wirkliche Überraschungen waren selbst hier nur selten anzutreffen. Doch während mehrere Labels mit ihrem redlich erarbeiteten, glücklich vererbten oder bloß angekauften

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Beethoven 1–9 / Liszt

Beethoven 1–9 / Liszt

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #029 – Sinfonien am Klavier

Sie sind ein Markstein in der Geschichte der Klaviermusik und dennoch selten im Konzert zu hören. Denn warum sollte man die Transkription einer Beethoven-Sinfonie aufs Programm setzen, wenn doch die meisten der neun Kompositionen regelmäßig im Orchester-Original erklingen? Franz Liszt hatte die von ihm erstellten «Partitions de Piano» freilich zu einer Zeit erstellt, in der nicht in jeder größeren Stadt ein Orchester zur Verfügung stand und es somit kaum Möglichkeiten der klanglichen Reproduktion gab. Zugleich war es sein Anspruch, möglichst nah am Original zu bleiben – am Ende freilich eine

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Beethoven 9 / Liszt

Beethoven 9 / Liszt

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #029 – Sinfonien am Klavier

Würde die «Hörbar» Sterne vergeben – diese Einspielung hätte alle erreichbaren verdient. Denn hier passt einfach alles: von der Interpretation und den verwendeten Instrumenten über die Akustik bis hin zur Präsentation der CD mit einem Booklet, das mit einem Interview über die Hintergründe der Produktion aufklärt, über die Schwierigkeiten der Einstudierung, die Umsetzung der Einspielung bis hin zu den physischen Kräften, die ein solches Projekt fordert. So viel Transparenz ist selten, und sie liest sich fraglos sympathisch. Transparent ist aber auch die Aufnahme, die im Berliner Teldex-Studio entstand. Die beiden

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