3. Dezember 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Fanny Mendelssohn / Gaia Sokoli

Fanny Mendelssohn / Gaia Sokoli

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #044 – regards de femmes

Dass Fanny Mendelssohn (1805–1847) eine herausragende Komponistin war, steht seit langem außer Frage. Bedauerlich ist allein, dass sie in ihrem Œuvre nicht alle Gattungen bedachte. Gerade die großen zyklischen Formen der Instrumentalmusik fehlen; das Streichquartett (1834) gibt nur eine Vorahnung auf das, was ohne die gesellschaftlichen Grenzen auf einem eigenen Weg möglich gewesen wäre. Und so bliebt vor allem die Klaviermusik – hier repräsentiert durch drei Sonaten und einen Sonatensatz. Es mag dabei charakteristisch sein, dass die so genannte «Ostersonate» von 1828 noch bis vor wenigen Jahren dem Bruder Felix

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Dora Pejačević / Ekaterina Litvintseva

Dora Pejačević / Ekaterina Litvintseva

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #044 – regards de femmes

Es gab eine Zeit, da wurden auch auf LP zahlreiche Raritäten publiziert. Längst sind diese Einspielungen vom «Schirm» verschwunden bzw. erst gar nicht auf diesem aufgetaucht, denn viele der alten Labels sind schon lange in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Masterbänder und Schallarchive sind oftmals verschollen, und im Zweifel liegen für eine digitale Auswertung die notwendigen Verträge nicht vor. Dann kam die CD – und mit ihr zunächst auch eine gefühlte Repertoireverengung. Bald aber entstanden erneut «Entdeckerlabels». Zu diesen darf man seit einiger Zeit aufgrund der beständigen Katalogerweiterungen auch Brilliant Classics

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Spurensuche / Kyra Steckeweh

Spurensuche / Kyra Steckeweh

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #044 – regards de femmes

Wer von einer «Spurensuche» spricht, denkt vermutlich zunächst an kleine, kaum wahrnehmbare Reste einer näheren oder ferneren Vergangenheit. Diese CD greift weiter. Nicht längst verblasste «Relikte» der Musikgeschichte wurden hier eingespielt, sondern wahre Schwergewichte. Sie sind (um im Bild zu bleiben) schon länger offenkundig und frei zugänglich, nur dass bisher kaum jemand so genau hingeschaut hat. Denn wo viele Komponistinnen (wie auch ihre männlichen Kollegen) sich oft nur mit kleinen Piècen begnügten, da zeigten Sophie Westenholz, Ethel Smyth und Dora Pejačević, dass man auch im Bereich der Sonate reüssieren konnte.

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Grazyna Bacewicz / Joanna Sochacka

Grazyna Bacewicz / Joanna Sochacka

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #044 – regards de femmes

Zu den prominentesten Komponistinnen des 20. Jahrhunderts zählt ohne Frage Grazyna Bacewicz (1909–1969). Und doch findet man ihren Namen eher im CD-Katalog als auf Konzertprogrammen. Die Gründe werden so vielseitig sein wie das Leben selbst, allerdings dürfte der Kalte Krieg mit seinem Eisernen Vorhang eine gewisse Rolle gespielt haben. Später waren es Komponisten einer anderen Generation, die von Polen aus die musikalische Welt mit dann auch gefälligeren Klängen eroberten. Bacewicz, die selbst auf der Violine und dem Klavier zuhause war, schuf ein verblüffend weitläufiges Œuvre mit nicht weniger als sieben

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Regards de femmes / Marie-Catherine Girod

Regards de femmes / Marie-Catherine Girod

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #044 – regards de femmes

Etwas provokant stellt Vincent Agrech gleich zu Beginn seines Essays im Booklet dieser Produktion die wahrlich heikle Frage: „Ist denn die Hälfte der Menschheit immer noch vergessen?“ Freilich weiß er auch zu differenzieren, denn es verhinderten über Jahrhunderte großteils die Umstände, dass Frauen Federhalter und Notenpapier in die Hand nahmen. Charakteristischerweise stammen viele der frühen Ausnahmen aus aristokratischen oder zumindest großbürgerlichen Familien – sie hatten am „besseren Rand“ der fest gefügten gesellschaftlichen Ordnung das Glück, sich künstlerische Unabhängigkeit im Privaten leisten zu können. Erst später stellte sich die Frage nach

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