2. Juli 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Rautavaara & Aho

Rautavaara & Aho

Ein rundum fantastisches Album mit einer ganzen Reihe von Entdeckungen für das Chor-Repertoire. Das beginnt schon im ersten Track mit Die erste Elegie (1993) von Einojuhani Rautavaara (1928–2016) – ein überaus ausdrucksstarkes Werk, das in seiner Faktur ein wenig an Mendelssohn-Psalmvertonungen erinnert. Ohnehin zählt Rautavaara für mich zu einem der ganz großen (nicht nur finnischen) Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der leider noch immer den Status «Geheimtipp» besitzt. Die Gründe dafür sind vielfältig und sicherlich auch in seinem ganz eigenen Weg begründet. Trotz einer ganzen Reihe verschiedener technisch-stilistischer

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John Cage – Choral Works

John Cage – Choral Works

James Pritchett stellt in seinem knapp gefassten , aber dennoch einen guten Einstieg vermittelnden Booklet-Essay gleich zu Beginn die entscheidende Frage: Gehen «Cage» und »Chormusik» überhaupt zusammen? Pritchett denkt dabei vor allem von Cages Unwohlsein gegenüber Traditionen und seine späte Entscheidung, überhaupt etwas für Chor zu schreiben. Sicherlich eine naheliegende Perspektive, und doch eröffnet gerade dieses vorzügliche Album mit dem lettischen Rundfunkchor noch eine andere Sichtweise. Das betrifft zunächst die Hymns and Variations (1979) für zwölf Stimmen. Ausgangspunkt sind zwei alte Hymnen aus dem New-England Psalm-Singer von 1770, aus deren

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Svend S. Schultz – Efterklange

Svend S. Schultz – Efterklange

Nicht nur in Schweden und im Baltikum besteht eine ausgewiesene Chorkultur. Gleiches gilt für Dänemark – und man ist geradezu verblüfft über die hohe Professionalität kleiner und großer «Laienchöre». Mit dazu beigetragen haben auch die von Svend S. Schultz (1913–1998) gesetzten Impulse. Seit 1949 war er für drei Jahrzehnte als Dirigent fest mit dem Radiochor verbunden, setzte neue Maßstäbe hinsichtlich Klang und Artikulation und schuf eine ganze Reihe eigener Chorkompositionen sowie Bearbeitungen dänischer Lieder, für die er bekannt wurde (von seinen zahlreichen Instrumentalwerken sind hingegen nur wenige im Druck erschienen

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Animato Quartet

Animato Quartet

Streichquartettformationen gleichen guten Weinen. Sie benötigen für höchste Qualität nicht nur einen guten Ausbau, sondern auch genügend Ruhe zur Reife. Denn während zahlreiche Stars und Sternchen am leuchtenden Klavierhimmel eher einem jungen Sauser ähneln und im Hör-Teleskop rasch verglühen, ist wohl jedem Ensemble bewusst, welch steinigen Weg es bei der Gründung unweigerlich vor sich hat. Da müssen die vier musikalischen Individuen zugunsten eines gemeinsamen Klangs zurücktreten, und doch ist das Quartett ohne die technische Fertigkeit jedes Einzelnen nichts. Oft gehen so viele Jahre ins Land, bis man sich einzelnen Werken

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Novo Quartet

Novo Quartet

«Hej!» – Was für eine sympathische Ansprache im Booklet, bei der man sich gleich eingeladen fühlt. Und tatsächlich ist der Text nicht nur freundlich formuliert, sondern auch persönlich. Denn die vier Quartettist:innen sagen es (typisch dänisch) direkt. Sie erzählen vom eigenen Weg, von der dänischen Landschaft, von ihrer ersten Begegnung mit zeitgenössischer Musik – die eben nicht (mehr) die von Schostakowitsch ist. Aber auch von Hygge und Lego ist die Rede. So unverstellt, wie sich der Text liest, so unverstellt sind auch der Klang und die Interpretation des NOVO Quartet

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Hans Winterberg – Klaviersonaten

Hans Winterberg – Klaviersonaten

Er gehört zu den ungehörten Komponisten des 20. Jahrhunderts – und wird erst seit kurzem mit seinem bedeutenden Œuvre entdeckt. Hans Winterberg (1901–1991) gehört zu jenen, die sich nicht einfach verorten lassen. Und vielleicht war das auch der Grund, warum es um ihn still geblieben ist. Andererseits fordert einen seine Musik, denn sie fasst bei dem in Prag geborenen vieles aus West und Ost zusammen – irgendwo zwischen Paris und Prag, dem Kreis um Schönberg und Zemlinsky sowie einer tiefer sitzenden eigenen Melancholie. Alles Zutaten, die weder auf der breiten

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William Walton – Kammermusik

William Walton – Kammermusik

Eine überraschende Kombination von zwei sehr unterschiedlichen Werken bietet dies Album. Mehr aber noch gibt diese Produktion einen starken Vorgeschmack auf das, was uns allen in den kommenden Jahren bevorstehen könnte. Während viele Solisten, Ensembles und Orchester noch Wert auf ein aussagekräftiges Booklet legen, kommt das italienische Ensemble Kinari mit sehr wenigen Worten auf der inneren Klappe aus: zwei Sätze zum Ensemble (und ohne weiterführenden Link) und vier Sätze zum Programm. Wer sich mit «klassischer Musik» bei Spotify versorgt, wird nichts vermissen. Wer «physisch» unterwegs ist, wird sich verwundert die

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Modern Horn Trios

Modern Horn Trios

Mit dem Adjektiv «modern» ist das so eine Sache. Nicht nur, dass sich moderne Moden irgendwann wiederholen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie man von heute aus ein weiter zurückliegendes «Modern» definiert. Denn letztlich ist dies allein eine Frage der ästhetischen Haltung des jeweiligen Rezipienten. Und da wirkt dann der Titel dieses Albums doch etwas seltsam und verunglückt. Sind Charles Koechlin und Hermann Schroeder (1904–1984) mit ihren Horntrios aus den Jahren 1920 und 1967 wirklch so «modern» wie Hans Abrahamsen, John Cage oder György Ligeti, deren Partituren trotz weitgehender zeitlicher

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #187 – Horn & Hörner
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Horn Trios

Horn Trios

Eigentlich könnte die kleine Gruppe der Trios für Violine, Horn und Klavier zur Gattung «Klaviertrio» gezählt werden – wenn da nicht die Besetzung selbst und die damit verbundene spezifische Faktur wären. Denn das Horn drängt sich, ohne dass es durchgehend führen würde, klanglich als markanter Gegenpart in den Vordergrund, verlangt aber als Instrument mittlerer Lage eine Behandlung, die eben kein Violoncello substituiert. Der Bass verbleibt damit in der Regel in der linken Hand am Klavier. Kein Wunder also, dass dieses Album nicht das erste und einzige ist, das die Bezeichnung

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Shortcuts – Antonio Ballista

Shortcuts – Antonio Ballista

Ein Doppelalbum, das durch drei Jahrhunderte der Musikgeschichte geht und dabei eine ganze Menge an Kleinigkeiten «abräumt». Die erste Hälfte der insgesamt 50 Stücke wurde aus dem 18. und 19. Jahrhundert gewonnen, die übrigen stammen aus dem 20., wenn nicht gar 21. Jahrhundert (die genauen Entstehungsdaten der Miniaturen werden nicht mitgeteilt). Warum aber eine solche Produktion? Früher wurden mit derartigen Stückchen noch auf den Klassik-Sendern des öffentlichen Rundfunks die übrig gebliebenen Sendeminuten vor den Nachrichten gefüllt… Wie kaum anders zu erwarten spielt sich Antonio Ballista ordentlich durch die Minuten, ohne

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Reinventions – Orchestra di Padova

Reinventions – Orchestra di Padova

Obwohl bereits 2022 aufgenommen, erscheint dieses Album nun pünktlich zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze (1926–2012). In den drei Werken mag man auf den ersten Blick vielleicht Marginales sehen. Doch zeigen die Partituren nach Werken von Giovanni Battista Vitali, Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach eine Seite von Henze, die allzu leicht übersehen wird – seine Liebe zur «Alten Musik». Was hier unter dem Motto Reinventions zusammengefasst wurde, folgt allerdings unterschiedlichen kompositorischen Strategien: Mozarts Orgelsonaten wurden in eine zyklische Folge gebracht und neu instrumentiert, CPE Bachs Chromatische

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Yorgo Sicilianos

Yorgo Sicilianos

An dieser Produktion zeigt sich einmal mehr, dass Komponisten nicht immer die besten Führsprecher ihres Œuvres sind. Zwar bezieht man sich gerne auf auktoriale Äußerungen (wie auch im Booklet dieser Produktion), doch bleibt auch nicht minder oft die Frage nach dem Abstand, der Selbstreflexion und der hermeneutischen Deutung. Yorgos Sicilianos (1920–2005), einer der wichtigsten Vertreter der griechischen Musik des 20. Jahrhunderts, macht da keine Ausnahme. Seine Kommentare zu den hier eingespielten Werken sind seltsam rudimentär oder in der Formulierung geradezu pastos – und bleiben vieles schuldig. Der Produktion ist das

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #183 – Sinfonisches
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