6. November 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Auch die Cover zu den CD-Einspielungen mit Musik von Tālivaldis Ķeniņš (1919–2008) folgen dem Lauf der Jahreszeiten – hier mit einem Ausschnitt aus dem gold-braunen Gemälde Autumn (ca. 1928) von Vilhelms Purvītis (1872–1945). In Lettland setzt der Herbst früher ein als in unseren Breiten – und die kalte Luft aus Nord und Ost entzieht der Natur rasch das letzte Grün. Alle drei baltischen Staaten haben trotz ihrer Größe im europäischen Kontext schon lange eine eigene Musikkultur mit herausragenden Komponisten ausgebildet, die es noch immer zu entdecken gilt. So auch Tālivaldis

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #196 – Bäume im Herbst
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Josef Schelb

Josef Schelb

Sein Name war in Karlsruhe und Baden-Baden bekannt, inzwischen aber gehört Josef Schelb (1894-1977) zu den großen Unbekannten seiner Generation – einer Generation, die in doppelter Weise von den beiden Weltkriegen und den damit verbundenen Ab- und Aufbrüchen geprägt war. Schelb, der seit 1924 eine Professur für Klavier an der Musikhochschule Karlsruhe inne hatte, ging 1933 nicht ins Exil, biederte sich aber offenbar auch nicht an. Nach 1945 ging er einen eigenen Weg zwischen einem romantisch angehauchten Neoklassizismus und einer eigenen Lesart des Expressionismus. Seine Partituren teilen das Schicksal mit

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #195 – Sch… (diverse)
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Joachim Schweppe

Joachim Schweppe

Ein Komponist vollkommen unter dem Radar. Denn wer kennt schon Joachim Schweppe (1926–1999)? In Kiel geboren, in Hamburg aufgewachsen. Schon vor dem WK2 hatte er sich der Musik verschrieben, danach mit einem Studium. In Hamburg gehörte zur weithin unbekannten Gruppe «Steinhagenhaus», es folgte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker und das sichere «Abtauchen» im allsonntäglichen Gemeindedienst in Wandsbek, als die gleichaltrige Avantgarde an den Grundfesten der Musik rüttelte. Umso bemerkenswerter ist die Neuentdeckung seines Schaffens (der Begriff «Wiederentdeckung» verbietet sich). Und es stellt sich die Frage, wie ein so profunder Komponist in

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Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Das Cover ist eine Sommerpoesie aus dem Baltikum. Das Gemälde stammt von dem lettischen Maler Aleksandrs Romans (1878–1911), der für seine förmliche Ausbildung allerdings die Akademie in St. Petersburg besuchen musste. Nach einigen freischaffenden Jahren kehrte er 1910 in seine Heimatstadt Jelgava (Mitau) zurück. Dort leitete er eine Kunstschule für junge Mädchen und verstarb mit einem im Vergleich nur überschaubaren Œuvre viel zu früh. Aus dem Jahr 1910 stammt auch das Bild Ainava ar jātnieku (Landschaft mit Reiter), das heute im Lettischen Nationalen Kunstmuseum (Riga) zu sehen ist. Man muss

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Frank Martin – Daniele Ruggieri

Frank Martin – Daniele Ruggieri

Wer sich ernsthaft mit der Musik der vielsprachigen Schweiz beschäftigt, kommt an Frank Martin (1890–1974) nicht vorbei. Und das, obwohl sich seine Werke in Europa und darüber hinaus nie wirklich durchgesetzt haben. So blieb er ein ewiger «Geheimtipp» und auch seine Schüler fanden sich nie in der ersten Reihe (wobei diese «Reihe» einmal zu revidieren wäre). Welche Weite sein Repertoire indes hat, zeigt dieses bei Brilliant Classics erschienene Album. Die Werke mit vokalem Anteil wurden bereits 2010 und 2014 mitgeschnitten, die rein instrumentalen Sätze aber erst 2023 eingespielt. Im Gegensatz

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #191 – Flöte
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Rautavaara & Aho

Rautavaara & Aho

Ein rundum fantastisches Album mit einer ganzen Reihe von Entdeckungen für das Chor-Repertoire. Das beginnt schon im ersten Track mit Die erste Elegie (1993) von Einojuhani Rautavaara (1928–2016) – ein überaus ausdrucksstarkes Werk, das in seiner Faktur ein wenig an Mendelssohn-Psalmvertonungen erinnert. Ohnehin zählt Rautavaara für mich zu einem der ganz großen (nicht nur finnischen) Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der leider noch immer den Status «Geheimtipp» besitzt. Die Gründe dafür sind vielfältig und sicherlich auch in seinem ganz eigenen Weg begründet. Trotz einer ganzen Reihe verschiedener technisch-stilistischer

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John Cage – Choral Works

John Cage – Choral Works

James Pritchett stellt in seinem knapp gefassten , aber dennoch einen guten Einstieg vermittelnden Booklet-Essay gleich zu Beginn die entscheidende Frage: Gehen «Cage» und »Chormusik» überhaupt zusammen? Pritchett denkt dabei vor allem von Cages Unwohlsein gegenüber Traditionen und seine späte Entscheidung, überhaupt etwas für Chor zu schreiben. Sicherlich eine naheliegende Perspektive, und doch eröffnet gerade dieses vorzügliche Album mit dem lettischen Rundfunkchor noch eine andere Sichtweise. Das betrifft zunächst die Hymns and Variations (1979) für zwölf Stimmen. Ausgangspunkt sind zwei alte Hymnen aus dem New-England Psalm-Singer von 1770, aus deren

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Svend S. Schultz – Efterklange

Svend S. Schultz – Efterklange

Nicht nur in Schweden und im Baltikum besteht eine ausgewiesene Chorkultur. Gleiches gilt für Dänemark – und man ist geradezu verblüfft über die hohe Professionalität kleiner und großer «Laienchöre». Mit dazu beigetragen haben auch die von Svend S. Schultz (1913–1998) gesetzten Impulse. Seit 1949 war er für drei Jahrzehnte als Dirigent fest mit dem Radiochor verbunden, setzte neue Maßstäbe hinsichtlich Klang und Artikulation und schuf eine ganze Reihe eigener Chorkompositionen sowie Bearbeitungen dänischer Lieder, für die er bekannt wurde (von seinen zahlreichen Instrumentalwerken sind hingegen nur wenige im Druck erschienen

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Animato Quartet

Animato Quartet

Streichquartettformationen gleichen guten Weinen. Sie benötigen für höchste Qualität nicht nur einen guten Ausbau, sondern auch genügend Ruhe zur Reife. Denn während zahlreiche Stars und Sternchen am leuchtenden Klavierhimmel eher einem jungen Sauser ähneln und im Hör-Teleskop rasch verglühen, ist wohl jedem Ensemble bewusst, welch steinigen Weg es bei der Gründung unweigerlich vor sich hat. Da müssen die vier musikalischen Individuen zugunsten eines gemeinsamen Klangs zurücktreten, und doch ist das Quartett ohne die technische Fertigkeit jedes Einzelnen nichts. Oft gehen so viele Jahre ins Land, bis man sich einzelnen Werken

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #189 – Streichquartette
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Novo Quartet

Novo Quartet

«Hej!» – Was für eine sympathische Ansprache im Booklet, bei der man sich gleich eingeladen fühlt. Und tatsächlich ist der Text nicht nur freundlich formuliert, sondern auch persönlich. Denn die vier Quartettist:innen sagen es (typisch dänisch) direkt. Sie erzählen vom eigenen Weg, von der dänischen Landschaft, von ihrer ersten Begegnung mit zeitgenössischer Musik – die eben nicht (mehr) die von Schostakowitsch ist. Aber auch von Hygge und Lego ist die Rede. So unverstellt, wie sich der Text liest, so unverstellt sind auch der Klang und die Interpretation des NOVO Quartet

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Hans Winterberg – Klaviersonaten

Hans Winterberg – Klaviersonaten

Er gehört zu den ungehörten Komponisten des 20. Jahrhunderts – und wird erst seit kurzem mit seinem bedeutenden Œuvre entdeckt. Hans Winterberg (1901–1991) gehört zu jenen, die sich nicht einfach verorten lassen. Und vielleicht war das auch der Grund, warum es um ihn still geblieben ist. Andererseits fordert einen seine Musik, denn sie fasst bei dem in Prag geborenen vieles aus West und Ost zusammen – irgendwo zwischen Paris und Prag, dem Kreis um Schönberg und Zemlinsky sowie einer tiefer sitzenden eigenen Melancholie. Alles Zutaten, die weder auf der breiten

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #188 – W… (diverse)
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