16. January 2019 nmz – HörBar – täglich dabei und abgeört
Ludwig van Beethoven / Wolfgang Mitterer. Nine in One

Ludwig van Beethoven / Wolfgang Mitterer: Nine in One

Teil von 7 in Michael Kubes HörBar #0002 - 2018/12/01

Recomposing kann manchmal auch ganz schön loungig sein. Nicht so bei Wolf­gang Mitterer. Er geht Beethoven-Sinfonien an den Kragen, kürzt, kondensiert, überlagert, schafft neu. Hier kennt einer nicht nur die Anfangstakte, sondern die Partituren im Detail. Das Ergebnis ist eine musikalische Achterbahnfahrt: im Hö­ren, Erkennen, Sortieren und Formieren. Ein Markstein, der viel hippes Zeug aus den letzten Jahren nicht bloß blass, sondern aschfahl aussehen lässt. Beethoven hätte bei dieser rücksichtslosen Dichte dafür gebrannt. Ludwig van Beethoven / Wolfgang Mitterer. Nine in One :: col legno WWE 1CD 20439 (2017)

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Philipp Glass. Symphony No. 11 (2017) :: Bruckner Orchester Linz, Dennis Russell Davies ::

Philipp Glass: Symphony No. 11 (2017)

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #0002 - 2018/12/01

Die Arpeggien und Harmonien sind noch immer dieselben. Vielleicht wirkt auch darum diese Sinfonie wie ein müder Spiegel auf das eigene Werk von einst, so als ob Philipp Glass sich inzwischen kompositorisch mehr selbst rezipieren als entwickeln würde. Glass hat freilich in Dennis Russell Davies einen Dirigenten, der seinen seltsam konse­quenten Weg auch bei diesem Auftragswerk (für Linz, Istanbul, Queensland) mitgeht. Philipp Glass. Symphony No. 11 (2017) :: Bruckner Orchester Linz, Dennis Russell Davies :: Orange Mountain Music OMM 0133 (2017)

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Rolf Riehm: Die schrecklich-gewaltigen Kinder für Koloratursopran & großes Ensemble

Rolf Riehm: Die schrecklich-gewaltigen Kinder für Koloratursopran & großes Ensemble

Die griechische Mythologie ist schon länger ein Gravitationszentrum im künstlerischen Kompass von Rolf Riehm, der Mythos als narratives Möglichkeitsfeld von Erkenntnis. Gediegen bildungsbürgerlich wird das bei Riehm aber nie. „Die schrecklich-gewaltigen Kinder“ (2012), hier in einem bezwingenden Live-Mitschnitt der Frankfurter Uraufführung mit dem Ensemble Modern zu hören, basiert zum Großteil auf der „Theogonie“ von Hesiod, ein Urmythos der Unterdrückung mitsamt daraus resultierendem Vatermord. Riehm hat daraus ein Epos gemacht, das über weite Strecken monodisch von einem aberwitzigen Koloratursopran getragen wird, dessen „Erzählung“ zwischen fragmentarischen Text-Bildern und vokaler Abstraktion schwankt. Der

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Fabio Nieder: Obraz :::

Fabio Nieder: Obraz

Fabio Nieder gehört zu den im besten Sinne eigenwilligen Komponisten, der in keine gängige Schublade passt, auch nicht in die von „Minimalismus“ und „Einfachheit“. Nieders Klangpoesie wird gespeist von ganz unterschiedlichen volksmusikalischen Quellen, insbesondere Südosteuropas. Das Lied ist also – ob mit oder ohne Stimme – ein wesentlicher Impuls, so auch in diesem Portrait, das einen weiten Bogen schlägt von lyrischen Klavierstücken bis zu akusmatischer Musik. Da erfreuen Kleinode pianistischer Reduktion ebenso wie hybride Klangräume in schrägen Mischungen elektronisch angereicherter Vokal- und Perkussionsklänge. (stradivarius) Fabio Nieder: Obraz ::: Aldo Orvieto,

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Marco Stroppa: Kammermusik „Space“

Marco Stroppa: Kammermusik „Space“ | Ensemble KNM Berlin

Forschung und Kunst sind für Marco Stroppa zwei Seiten derselben Medaille, was sich in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem musikalischen Raum und den möglichen Klangdifferenzierungen in ihm niedergeschlagen hat. Die Räume, die Stroppa in dieser „space“ benannten WDR-Produktion entworfen hat, kommen jedoch völlig ohne elektronische Erweiterungen aus, an Differenzierung und Tiefenperspektive mangelt es ihnen trotzdem nicht. Dem äußerst vital und minutiös agierenden Ensemble KNM Berlin verdanken sich hier elektrisierende Kammermusikformate: Die „Hommage à Gy. K.“ für Klarinette, Viola und Klavier (1997–2008) erweist einem Meister musikpoetischer Aphoristik mit konzisen Klangbildern die

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George Crumb:Metamorphoses (Book 1) - Ten Fantasy-Pieces (after celebrated paintings) for Amplified Piano

George Crumb: Metamorphoses (Book 1) – for Amplified Piano | Margaret Leng Tan, Klavier

Mit „Makrokosmos“ hatte George Crumb einen der außergewöhnlichsten Klavierzyklen des 20. Jahrhunderts geschaffen, mehr als 40 Jahre später lässt der 90-jährige Amerikaner die „Metamorphosen“ (2015–17) folgen, zehn „Fantasie-Stücke“ nach Lieblings-Gemälden des Komponisten (zumeist aus der frühen Moderne). Crumbs ganz persönliche „Bilder einer Ausstellung“ setzen dabei viele schon aus dem „Makrokosmos“ geläufige Mittel ein. Das Nächtliche, Unergründliche, ja Schauerliche steht dabei besonders im Fokus und manifestiert sich „mit dunkler Energie“ in tiefsten Registern, gespenstischen Saiten-Glissandi und verstörenden Lauten seitens Margaret Leng Tan. Die „Clowns at Night“ nach Chagall werden auf diese

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