13. Juni 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Imants Kalniņš: Complete Symphonies

Imants Kalniņš: Complete Symphonies

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #033 – Sinfonisches

Imants Kalniņš (geb. 1941) ist ein Wanderer zwischen den Welten. Klassisch an der Lettischen Musikakademie ausgebildet, schrieb er insgesamt sieben Sinfonien, Kantaten und Chorwerke – aber auch die Rockoper Ei, jūs tur! (Hey, ihr da!, 1971), ein Rockoratorium Kā jūra, kā zeme, kā debess (Wie das Meer, wie die Erde, wie der Himmel, 1984) sowie zahlreiche Songs. Wer als Purist mit den klassischen Werken des populären Grenzgängers Andrew Lloyd Webber hadert, sollte dennoch die Musik von Kalniņš nicht zu schnell auf die Seite legen. Zu einem vergleichbaren internationalen Erfolg hat

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Heisig / Klare (2020)

Heisig / Klare (2020)

Aber wie geht denn das denn. Phonola gestanzt und Saxophon Improvisationen darüber. Da gibt es die Bezüge zurück in die Welt Conlon Nancarrows, der seinem Klavier über die programmierten Rollen Klänge und Spielstrukturen abverlangte, die bisher wohl niemand so wagte. Gut, das ist eben programmiert. Da ist Null Luft für Interventionen. Mit der Phonola ist das ein bisschen anders. Die wird vor die Tastatur gesetzt und der Musiker hat immer noch gewisse Möglichkeiten der Einflussnahme. Tempo, Pedal. Das hört man! Mit dem Altsaxophonisten Jan Klare kommt man so ins Gespräch.

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Hannes Seidl / Daniel Kötter: Stadt (Land Fluss) - A Radio-Play (2021)

Hannes Seidl / Daniel Kötter: Stadt (Land Fluss) – A Radio-Play (2021)

A Radio-Play, altdeutsch, ein Hörspiel. Wie ein kluger Radioautor in den 60er Jahren bereits bemerkte, ein doppelter Imperativ als Kompositum. Hör‘! plus Spiel‘! Kann sein, dass man sich bewusst für die englische Form entschieden hat, das mehr in den Theaterbereich lugt – und das, obwohl das Theater hier gerade als Performance der Klänge und Worte zusammentrifft. Spielen wir also das Spiel? Davon zuerst das Spiel: Stadt Land Fluss. Aber keine Bange, es gibt hier nicht ein eitles Wissensquiz in neuen Klängen. Sondern, basierend auf den Musik-Theaterstücken, die Hannes Seidl mit

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Danielpour: Passion of Yeshua

Danielpour: Passion of Yeshua

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #030 – Passionen

Schon lange hat sich die Perspektive auf die im Neuen Testament überlieferte Passionsgeschichte verändert: Die kanonischen Texte der Evangelien erscheinen im 21. Jahrhundert in einem anderen Licht, etwa mit Blick auf die unterrepräsentierte Rolle der weiblichen Protagonisten oder einen latenten Antisemitismus. Richard Danielpour (*1956) begegnet dem in seiner «Passion of Yeshua» durch ein zweisprachiges Libretto – Hebräisch für den Tanach und Englisch (in zwei divergierenden Übersetzungen) für die Abschnitte aus den Evangelien – und macht in seinem einführenden Essay deutlich, wie lange und intensiv er eine angemessene musikalische Antwort auf

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Franz Schubert / Kotcheff: Streichquartette – Alinde Quartett

Franz Schubert / Kotcheff: Streichquartette – Alinde Quartett

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #026 – Streichquartette

Muss es sein? Kaum ist „BTHVN 2020“ vorbei (es sei denn, man holt alles 2021 nach), folgt auch schon wieder 2027. Das junge Alinde Quartett hat eine ganz andere Idee: Mit Blick auf das noch weiter entfernte Schubert-Jahr 2028 hat es als erste Streichquartett-Formation einen neuen Zyklus in Angriff genommen. Und das sei schon jetzt gesagt: Die insgesamt sechs projektierten Folgen werden es in sich haben: Bereits das erste Album ist alles andere als beiläufig, sondern mit Blick auf das Ende hin angelegt. Es startet mit dem ersten, etwas verquer

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Douglas Weiland: Streichquartette 4 & 5 – The Melbourne Quartet

Douglas Weiland: Streichquartette 4 & 5 – The Melbourne Quartet

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #026 – Streichquartette

Keine andere Gattung ist in den vergangenen 250 Jahren so lebendig geblieben wie das Streichquartett. Trotz einer strengen Ästhetik, die kompositorische Erfahrung, schöpferischen Ernst, fortwährende Originalität und engen Bezug zur eigenen Geschichte verlangt, hat es jede Epoche, jeden Stilwechsel gefahrlos überstanden – man könnte sogar sagen: Gerade weil das Streichquartett in seiner Intimität und klanglichen Geschlossenheit das „Nackende der Tonkunst“ (C.M. von Weber) darstellt, wirft es den Komponisten auf die inneren Kräfte der musikalischen Gestaltung zurück. Es geht immer ums Ganze. So auch bei den beiden Streichquartetten Nr. 4 op.

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Alban Berg Quartett – Complete Recordings

Alban Berg Quartett – Complete Recordings

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #023 – Geschenkboxen

37 Jahre bestand das legendäre Alban Berg Quartett, das mit seinen Interpretationen selbst ein Stück Gattungsgeschichte geschrieben hat. Auch wenn die Formation (anders als andere) nur wenige neue Partituren zur Uraufführung brachte, so hatte sie sich nie ausschließlich dem klassisch-romantischen Repertoire verschrieben (auch hier: anders als andere). Überdies finden sich Produktionen, die über ihre angestammte Domäne hinausgehen: Walzer von Strauß I und II sowie Lanner, teilweise in Arrangements der Zweiten Wiener Schule (eingespielt 1992), und Tango Sensations mit Werken von Astor Piazzolla & Co. (2003). Als sich das Quartett 2007

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Detlev Glanert: Oceane

Detlev Glanert: Oceane

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

Selten nur wurde eine Opern-Uraufführung in den letzten Jahren so einhellig umjubelt. Auch die (Wieder-)Begegnung mit der Berliner Uraufführung von Detlev Glanerts Oceane (2016–2018) macht rasch klar, was an diesem Werk so begeistert hat, denn es handelt sich um ein emotional berührendes Seelendrama, gewaltig mitreißend und leise nachhörend. Zudem erscheint der von Theodor Fontane adaptierte Plot nicht unnötig transzendiert, sondern erfahrbar gemacht – und zeigt damit den weithin unterschätzten norddeutschen Poeten nicht als Biedermann des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sondern als radikalen Vordenker. Oceane von Parceval, die dem Meer entsprang und

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Péter Eötvös: Senza Sangue

Péter Eötvös: Senza Sangue

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #022 – Oper 20./21. Jahrhundert

Die Frage, welchen Einakter man an einem Opernabend Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg zur Seite stellen könnte, hat eine schlüssige Antwort mehr erhalten. Bei dem gesuchten Gegenstück handelt es sich um Péter Eötvös’ im Jahre 2015 uraufgeführtes Drama Senza Sangue (Ohne Blut) – in der unrevidierten Version mit identischer Bártok-Besetzung (jedoch ohne Orgel), mit sieben Szenen und einer wiederkehrenden motivischen Zweiton-Reverenz. Im Gegensatz zum Blaubart zeigt sich allerdings ein wenig Licht am Ende des Tunnels – die Möglichkeit jedenfalls dafür. Zudem ist bei Eötvös die «Sage nicht alt», sondern spielt

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Adès: Concerto, Totentanz – Gerstein / Bosten Symphony Orchestra / Adès

Adès: Concerto, Totentanz – Gerstein / Bosten Symphony Orchestra / Adès

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #021 – Zeitgenössisches

Es ist ein gutes Zeichen, wenn ein Komponist auch als Instrumentalist und Dirigent präsent ist. Die Musikgeschichte hat mit dieser Konstellation bis zur Klassische Moderne beste Erfahrungen gesammelt: von Brahms und Mahler über Bartók und Hindemith bis Strawinsky. Auch wenn in keinem Fall eine auktoriale Aufführungstradition begründet wurde (so einst die ausdrückliche Motivation von Max Reger), waren die Komponisten doch die besten Promoter des eigenen Schaffens. Zwischenzeitlich ein wenig aus der Mode gekommen, finden sich solche Doppelfunktionen derweil wieder häufiger. Thomas Adès ist dabei einer der prominentesten Akteure – und

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Abrahamsen, Pesso, Strasnoy: Piano Concertos – Alexandre Tharaud

Abrahamsen, Pesson, Strasnoy: Piano Concertos – Alexandre Tharaud

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #021 – Zeitgenössisches

Was für eine spannende Produktion! Alexandre Tharaud zeigt sich nicht nur als versierter, sondern auch als höchst inspirierter Interpret von zeitgenössischer Musik. Zudem hat das Label Erato so viel Vertrauen in die Zugkraft des Pianisten, dass es diese CD mit Live-Mitschnitten überhaupt herausgebracht hat: drei Werke von drei Komponisten, drei Orchester mit drei Dirigenten – ein Pianist. Doch sollte das Album nicht als bloße Dokumentation verstanden werden oder gar als weiterer Beleg für die künstlerische Breite und Potenz von Tharaud. Die Partituren belegen vielmehr, welche Perspektiven die Gattung „Konzert“ wie

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Tarkiainen – Lapland Chamber Orchestra / John Storgårds

Tarkiainen – Lapland Chamber Orchestra / John Storgårds

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #021 – Zeitgenössisches

Exotismen haben schon in früheren Jahrhunderten fasziniert. Heute ist mit dem neuen, fremdartig anmutenden «input» zugleich die Gefahr verbunden, dass in einer immer kleiner werdenden Welt die Chancen für das «Andere» schwinden, dass kulturelle Minoritäten wie auch Sprachen und Dialekte in absehbarer Zeit bestenfalls assimiliert werden, wenn weder regionale Selbstbehauptung noch intensive Pflege Schutz gewähren. Insofern hat es der hohe Norden auf den ersten Blick noch gut – doch auch hier hat der Wandel längst begonnen. Insofern wirkt der Liederzyklus The Earth, Spring’s Daughter der finnischen Komponistin Outi Tarkiainen wie

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