25. Juli 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Marko Nikodijevic

Marko Nikodijevic

Er gehört zu den spannendsten Stimmen unter den Zeitgenossen. Und sie ist trotz exponierter Förderungen und eines intensiven kompositorischen Ausdrucks nur schwer auszumachen. Denn sucht man nach Informationen über Marko Nikodijevic (*1980), so greift man selbst im «allwissenden» Internet zwar nicht ins Leere, wohl aber in einen Nebel – wenn selbst beim Verlag die biographischen Notizen 2013/14 enden. Ähnlich ist es im Booklet dieser Produktion aus dem «Podium Gegenwart» des Deutschen Musikrats, wo viel über frühere Kompositionen sinniert wird (die aber nicht eingespielt wurden) und nach den umfassenden Werkbeschreibungen (und

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Enno Poppe – Fleisch / Prozession

Enno Poppe – Fleisch / Prozession

Dass «zeitgenössische» Musik immer auch zurückschaut, aufgreift und weiterdenkt, sollte jedem klar und verständlich sein. Selbst dort, wo dies nicht explizit geschieht, ist es eher als eine Reaktion auf «etwas» zu erklären (wie etwa der Serialismus der Nachkriegszeit). Bach setzte sich mit dem «stile antico» auseinander, Mozart wiederum mit den Fugen Bachs, Max Reger mit beiden. Die Musik und ihre Geschichte lebt geradezu von diesen Bezügen und aktuellen kreativen Anverwandlungen. Auch bei Enno Poppe (*1969) lässt sich diese aufdrängende Konstruktion zwanglos weiterdenken: Seine Komposition Fleisch (2017) knüpft mit der Satzfolge

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Kenneth Fuchs – Orchestral Works

Kenneth Fuchs – Orchestral Works

Wohl selten einmal war die Beschreibung «zeitgenössisch» mit einer so großen Vielfalt verbunden wie heute. Noch vor einigen Jahrzehnten bedeutete «zeitgenössisch» schlicht «avantgardistisch». Doch die Reihen haben sich gelichtet, eindeutige Richtungen sind nicht mehr auszumachen. Das Verbindende ist nur noch die einem Werktitel nachfolgende Jahreszahl, die auf die Entstehung der Partitur verweist, wo die Opuszählung nahezu vollständig verschwunden ist. Sie half einst bei der Differenzierung von Kompositionen im Gattungskontext (Sinfonien, Sonaten, Quartette, Trios, Lieder…). Wo diese Ordnungen aber nicht mehr vorhanden sind, ziehen individuelle Titel ein – wie auch bei

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Jacob Mühlrad – Swedish Radio Choir

Jacob Mühlrad – Swedish Radio Choir

Ein faszinierendes Album – sowohl was die Kompositionen als auch die interpretatorische Realisation angeht. Denn der Schwedische Rundfunkchor zählt nicht erst seit Eric Ericson zu den weltweit «besten» Vokalensembles – marktschreierische Kategorien, die ich aus Überzeugung großräumig meide, die aber in diesem Fall vollauf gerechtfertigt, wenn nicht sogar notwendig sind. Denn wie hier die fließenden Klänge von Jacob Mühlrad (*1991) umgesetzt werden, ist schlichtweg sensationell. Ein homogener Klang, der den ewigen Fluss der Stimmen durch die Zeit rinnen lässt, und eine Intonation, die schlichtweg punktgenau «sitzt». Anders als übrigens die

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Rautavaara & Aho

Rautavaara & Aho

Ein rundum fantastisches Album mit einer ganzen Reihe von Entdeckungen für das Chor-Repertoire. Das beginnt schon im ersten Track mit Die erste Elegie (1993) von Einojuhani Rautavaara (1928–2016) – ein überaus ausdrucksstarkes Werk, das in seiner Faktur ein wenig an Mendelssohn-Psalmvertonungen erinnert. Ohnehin zählt Rautavaara für mich zu einem der ganz großen (nicht nur finnischen) Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der leider noch immer den Status «Geheimtipp» besitzt. Die Gründe dafür sind vielfältig und sicherlich auch in seinem ganz eigenen Weg begründet. Trotz einer ganzen Reihe verschiedener technisch-stilistischer

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Santa Ratniece – Latvian Radio Choir

Santa Ratniece – Latvian Radio Choir

Nicht erst seit dem legendären Eric Ericson gibt es in Skandinavien und im Baltikum eine exzellente Chorkultur. Und doch war Ericson fraglos der Promotor eines spezifisch reinen und klaren Klangs; die enge Zusammenarbeit mit György Ligeti im Zusammenhang bei der Einstudierung des Requiem (1963) in Stockholm setzte zudem neue Maßstäbe. Seither hat sich die Chormusik verändert – sie ist vor allem sphärischer geworden. So auch bei der vor allem in der «Szene» bekannten, aus Lettland stammenden Komponistin Santa Ratniece (*1977), die Klänge zwischen Körper und Seele entfaltet – dabei aber

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Barbican Quartet

Barbican Quartet

Was für ein Understatement! Ein Booklet ohne Künstlerbiographie, ohne einen Verweis auf eine entsprechende Website. Man könnte Nachlässigkeit vermuten, doch nach dem Gewinn des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs 2022 ist das Barbican Quartet in der «Szene» dann doch zu bekannt. Vielleicht ist aber auch ein Wechsel der Perspektive angebracht: Hier wird nicht auf dem Papier mit einer großartigen Entwicklung gepunktet, sondern allein durch die Musik. Und wer sich von dem Album und den Interpretationen gefangen nehmen lässt, der wird sowieso nach mehr Informationen suchen (und fündig werden). Erstaunlich ist bei diesem zweiten

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Novo Quartet

Novo Quartet

«Hej!» – Was für eine sympathische Ansprache im Booklet, bei der man sich gleich eingeladen fühlt. Und tatsächlich ist der Text nicht nur freundlich formuliert, sondern auch persönlich. Denn die vier Quartettist:innen sagen es (typisch dänisch) direkt. Sie erzählen vom eigenen Weg, von der dänischen Landschaft, von ihrer ersten Begegnung mit zeitgenössischer Musik – die eben nicht (mehr) die von Schostakowitsch ist. Aber auch von Hygge und Lego ist die Rede. So unverstellt, wie sich der Text liest, so unverstellt sind auch der Klang und die Interpretation des NOVO Quartet

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open music Ensemble & Guests – Residual Light

open music Ensemble & Guests – Residual Light

Ich hatte beim Durchhören des gesamten Konvoluts viel Freude und Genuss an der Vielfalt der Ideen und ihrer jeweiligen Umsetzung durch das open music Ensemble und seine Gäste. Etwas davon herauszuheben, fällt einem schwer, denn all diese Klangergebnisse sind durch ihre Einzigartigkeit im Feld von Komposition, Interpretation und Improvisation gekennzeichnet.

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