28. Januar 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Ian Krouse

Ian Krouse | Orchestral Works

Unter Gitarristen ist Ian Krouse (geb. 1956) möglicherweise bekannter als in anderen musikalischen Kontexten. Einige Aufmerksamkeit erlangte er mit der Einspielung seines Armenian Requiem op. 66 (2015); nun ist wiederum bei Naxos und innerhalb der Serie «American Classics» ein Album mit Orchesterwerken von ihm erschienen – wobei zwei Sätze der Sinfonie bereits unabhängig als Werke für sinfonisches Blasorchester entstanden waren; die beiden Streichersinfonien gehen auf Gitarrenquartette zurück. Letztere sind mit Sicherheit und Abstand die interessantesten Werke: das eine (ohne Violinen dunkel getönt) greift einen jüdischen Gesang auf, das andere reiht

Teil 1 von 4 in Michael Kubes HörBar #051 – Sinfonisches
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Tchiba: klang collection

Tchiba: klang collection

Badooum! Der den meisten von uns eher als souveräner Pianist bekannte Martin Tchiba geht mit diese CD unter die Potentiometer-Skalierer, unter die Tüftler, die am Klangrad drehen. Badoooum! In drei Teile zerfällt hier sein Werk: places, dedications und images. Er selbst schreibt zum Gesamtkomplex der CD: «klang collection ist meine musikalische Aufarbeitung der Corona-Zeit. Reflektiert werden vielfältige Klänge, Dinge, Orte, die mir 2020 und 2021 wichtig waren, die auf der Agenda gestanden hätten, aber aufgrund der Situation „unerhört“ blieben, ergänzt durch starke Reminiszenzen an die „Zeit davor“.» Da ist es

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Franz Schubert / Heinz Holliger

Franz Schubert / Heinz Holliger

Mit diesem Album erreicht ein fünfteiliger Zyklus sein Ziel. Dabei haben es Heinz Holliger und das Kammerorchester Basel nicht allein auf die Sinfonien von Franz Schubert abgesehen, sondern wenigstens auch zwei Ouvertüren berücksichtigt (Fierabras und Zauberharfe). Vollständig ist damit das sinfonische Schaffen freilich längst nicht abgebildet – zumindest die reiferen Konzert-Ouvertüren hätten dazugehört, aber diese werden (wie so oft) offenbar einer Gattung scheinbar zweiten Ranges zugerechnet. Dafür bietet das finale Album dieser Reihe eine seltsame Mischung aus authentischem, gangbar gemachtem und bearbeitetem Schubert, die uns in Musik gebannte Vergänglichkeit vor

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #045 – Sinfonisches
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Stefan Goldmann: Live at Philharmonie Berlin

Stefan Goldmann: Live at Philharmonie Berlin

Das Live dürfte manchen Hörenden etwas ulkig vorkommen, kennt man dergleichen doch so gut es geht vom Studio her, nämlich elektronisch erzeugte Klänge. Hier zudem von einer Person allein. Was ist da live? Wozu bedarf es des Publikums. Umgekehrt ist es kein Thema, das Publikum bedarf der Klänge, es geht ja nicht ohne. Dass das alles in der Berliner Philharmonie passiert, zeigt jetzt aber genau was? Dass diese Art elektronischer Live-Musik im Tempel der Hochkultur angekommen ist? Oder nur Platz gefunden hat? Die Platte wirbt ja mit beiden Elementen schon

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Daniel Riegler – Fanfare III

records & other stuff: Fanfare – rocket sciene – HOHNOR

Ein neues Label mit dem Namen aus Österreich „records & other stuff“ widmet sich in seinen ersten drei Veröffentlichungen dem Musikensemble „Studio Dan“. Kein Wunder, denn es ist das Label des Ensembles. Studio Dan gehört zu den Formationen flinker Musiker:innen, die – laut Eigenbeschreibung – spielend „an den Grenzen und Rändern verschiedener Subgenres zeitgenössischer Musik (Improvisation, neue Musik, Jazz und Art Rock)“ herumoperieren. So kann man es jedenfalls im Presseinfobeiblatt lesen. Stimmts? Die drei CDs Fanfare III, HOHNOR und Rocket Science #1 #5 #8 spannen das Feld erstmals auf und

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Shoko Kuroe: Snow

Shoko Kuroe: Snow

Sommer, Sonne, Sonnenschein. Eine gute Zeit für Gedanken an Schnee. Angeblich gibt es Kulturen, die sehr viele Worte für Schnee haben. Diese CD der Pianistin Shoko Kuroe zeigt, dass wir auch viele Töne für Schnee haben – allein schon auf dem Klavier. Und niemand wird wohl ermessen können, wie viele Töne es für Schnee noch jenseits des Klaviers gibt und wie viele Schnee-Klänge, die nicht titel- oder assoziationsgebend geworden sind. Einen kleinen Ausschnitt bringt diese Zusammenstellung der Pianistin und doch einen Fächer aus Zeit, Klang und Empfindung. Kalt wird einem

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Danish String Quartet – Prism II

Danish String Quartet – Prism II

War für ein Prisma. Was für ein Fächer an Musik. Was tut sich hier für eine Musikwelt nur auf. Diese Konstellation aus Musikwerken, an deren Anfang eine Fuge (von Bach) steht und an deren Ende ebenfalls eine Fuge (von Beethoven) steht. Bei markieren Grenzfrequenzen des gebündelten Lichtstrahls aus vier Streichinstrumenten. Größere Werke zur Entfaltung zu bringen als die hier angezeigten von Bach, Schnittke und Beethoven ist kaum denkbar. Prismatisch sind die Werke auch in sich selbst. Das dritte Streichquartett von Alfred Schnittke aus dem Jahr 1983 steht für eine musikalische

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Hiyoli Togawa / Songs of Solitude

Hiyoli Togawa / Songs of Solitude

Wie Einsamkeit klingen kann, vermittelt Hiyoli Togawa mit ihrer Viola auf diesem ebenso beeindruckenden wie singulären Album. Als im Frühjahr 2020 die Straßen plötzlich leer wurden, kam ihr die Idee, weltweit Komponist:innen um ein aktuelles Stück zu bitten, mit dem die seltsame Zeit des Stillstands kommentiert werden sollte. Entstanden sind auf diese Weise elf zeitgenössische Werke, die alle einen jeweils eigenen Weg gehen: inspiriert durch ein japanisches Volkslied (Hosokawa), beim stillen Hineinhorchen in das Instrument selbst (Federico Gar­dell), mit gesungener Begleitung (Kalevi Aho) oder bis hin zum neunstimmigen, im Multitrack-Verfahren

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #038 – Musik im Lockdown
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Bjørn Charles Dreyer: Time and Mass

Bjørn Charles Dreyer: Time and Mass

Eine CD, bei der Stille hörbar wird. Auch wenn es für mich immer ein Problem darstellt, wenn eine künstlerische Äußerung als höchst persönliche Seelen­therapie ihres Schöpfers offenbart wird (ist in einem solchen Fall die kritische Auseinandersetzung nicht von Anfang an moralisch-ethisch kompromittiert?), so drängt sich hier nichts auf. Im Gegenteil: Bjørn Charles Dreyer tastet sich mit E-Gitarre oder Piano vorsichtig voran, klanglich unterstützt von einzelnen Musikern und dem Sinfonieorchester aus dem norwegischen Kristiansand. Sinfonisch wird es allerdings an keiner Stelle – eher sind es einzelne und zudem elektronisch verfremdete Klänge,

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten
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Clara Iannotta: Moult

Clara Iannotta

Die beim Label KAIROS erscheinende Serie mit Komponisten-Portraits ist weit mehr als ein repräsentatives Aushängeschild der Ernst von Siemens Musikstif­tung. Es handelt sich eher um eine ästhetisch unvoreingenommene klingende Dokumentation zeitgenössischer Musik. Sie ermöglicht damit einen weiterfüh­renden Diskurs auch abseits einzelner Festivals oder Studioproduktionen, die allzu schnell im Archiv verschwinden. Sie ist Teil eines Vermittlungsprozesses, der die vielfach komplex notierten klangliche Vorstellungen auch abseits einer realisierenden Live-Aufführung erfahrbar macht – und noch dazu in wiederhol­barer Weise, so dass sich die einzelnen Werke auch nachhören lassen. Die so entstehende Vertrautheit mit

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten
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Occurrence

Occurrence – ISO Project Vol. 3

Mit dieser CD schließt ein kleiner, doch konzeptionell wie musikalisch sensationeller Zyklus ab: drei CDs mit nicht weniger als 14 Werken von elf isländischen Komponist:innen, gespielt vom Isländischen Sinfonieorchester, erschienen im Rhythmus von zwei Jahren. Allein die Titel der Alben zeugen von einer beeindruckenden Planung und Dramaturgie, die anders als viele Eintagsfliegen nicht den schnellen Erfolg sucht, sondern überzeugen will: Recurrence, Concurrence und Occurrence. Hier geht es allein um Qualität, und dies in dreifacher Hinsicht, nämlich kompositorisch, interpretatorisch wie auch aufnahmetechnisch. Jedes Album enthält neben der üblichen CD auch eine

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten
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Christopher Gunning

Christopher Gunning

Dass die Grenzen zwischen den Genres fließend geworden sind, liegt in der Natur einer sich nicht mehr abgrenzenden Ästhetik, die längst die Postmoderne hinter sich gelassen hat. Doch sind die Werke der Grenzgänger wirklich so attraktiv, wie man es sich wünscht? Schon in den 1980er Jahren stolperte Andrew Lloyd-Webber mit seinem persönlich inspirierten Requiem; zudem scheint sich der Abstand zwischen Film-Score und Konzert-Partitur in den letzten Jahrzehnten eher vergrößert zu haben – und dies, obwohl sich ein gewisses «easy listening» breit macht. Kurios: während so manches mehrteilige Kino-Epos musikalisch durch

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten
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