28. Januar 2023 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Torkewitz – NY Ensembles

Torkewitz – NY Ensembles

Chris(tian) Torkewitz, Musiker aus Deutschland, der seit einiger Zeit in New York beheimatet ist, wandelt zwischen den Welten von Jazz und «Neuer Musik». Hier ist er quasi nicht nur beidseitig engagiert, sondern in diesem Fall auch mit divers großen Ensembles vom Streichquartett bis zur «klassischen» BigBand zu hören. Gleich beim ersten Stück seiner Chamber Suite, «Vista», ist sofort klar, wer ihm in seiner kompositorischen Arbeit als Vordenker und Vorkomponist das Klangbild prägt: Ein durch Leonard Bernstein gequirlter Igor Strawinsky dürfte es sein. Es klingt nach «Geschichte vom Soldaten» im Sacre-Style,

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Florian Weiss Woodoism – Refugium

Florian Weiss Woodoism – Refugium

Eine Platte mit magischer Tiefe. Wenn mich nicht alles täuscht, geht diese gärende Musik im gesamten Klangbild in Richtung des alten „Art Ensembles Of Chicago“ – was natürlich an der Besetzung einerseits (minus 1 Trompete und Saxophon, dafür plus 1 Posaune) liegt und ihr auch geschuldet ist. Vielleicht übertrieben. Aber es war dies tatsächlich das spontane Hörgefühl. Und damit ist auch die Vielfalt der Gestaltungswege der einzelnen Tracks von suppiggemüsig bis zum sorgfältig geschnitten Brot angesprochen. Das ist es aber genau, was diese Magie im Tonfall erzeugt, die übernational, transnational,

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Andrea Grossi Blend 3 – Lubok

Andrea Grossi Blend 3 – Lubok

«Let’s go home, Fëkla Kuzminišna! What the hell kind of music is this? I threw my money away. They look like dogs howling in front of a dead man… But can we compare our Van’ka?! When he plays the balalajka, it gives you goosebumps!» Das Trio mit Manuel Caliumi: alto sax, Michele Bonifati: electric guitar und Andrea Grossi: double bass, compositions baut hier eine grundwarme und expressionistische Improvisationswelt auf. « Blend 3 is an organism made up of three different but similar personalities» liest man da auf dem Waschzettel und

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Jazzodrom – Movements from the basement

Jazzodrom – Movements from the basement

Nachdem Michael Kube das neue Jahr mit einem «Happy New Year» eröffnet hat, möchte ich nicht den Trauerkloß spielen, sondern packe bei der Gelegenheit mal CDs aus älteren von der Redaktion in Regensburg gelieferten Kartons aus. So wie diese Scheibe mit «Movements from des Basement» des österreichischen Quintetts «Jazzodrom». Selten hört man nämlich eine derart virtuose Groovemusic in genauso durch Akzentverschiebungen gedrechselten Chorussen und Themen. Ein Riesenspaß, wie das Quintett in den harmonischen Fortschreitungen Klang um Klang fällt und bei allem Stolper- und Soulpotential einen wirbelwindigen Funksprint nach dem anderen

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Chants Grégoriens – Saint-Benoît-du-Lac

HörBar — Best Of 2022

Die am häufigsten im Jahr 2022 abgerufenden Rezensionen in unserer HörBar waren: 1. Chants Grégoriens – Saint-Benoît-du-Lac 2. Matthias Engelke: Zeitfrei 3. Keith Jarrett – Bordeaux Concert 4 bis 10 Bruckner 7 / Roth rand – Peripherie Eres Holz – Touching Universes Les inAttendus Moritz Fasbender: RABBITS (EP) Hard Boiled Wonderland | Music Resistance Baier / Wehrmann: Connected    

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Haage | Drift – Wings

Haage | Drift – Wings

«Wings» ist das mittlerweile dritte Album des Johannes Haage-Trios. Auf 12 Tracks erkundet das Trio mit dem Gitarristen Johannes Haage, Matthias Pichler am Bass und Joe Smith am Schlagzeug eine durchaus eigene Welt blühender Improvisationskunst Gleicher unter Gleichen. Die Komposition stammen aus den Federn von Haage und Smith. Die Musik fließt in nicht gerade aufgeregter Weise durch alle Stück hindurch ohne dabei in selbstlaufende Plätschern zu verfallen. Große Sprünge sollte man besser nicht erwarten, aber musikalische Überraschungen und Eingebungen auch nicht unterschätzen. Die auf diese Weise hergestellte Musik lässt genügend

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Enso – Strings & Percussion

Enso – Strings & Percussion

Eine Musik der Geduld, eine Musik der Freundlichkeit. Eine Musik, die wie eine große Einladung an das Hörorgan und seine diese Signale verarbeitenden Nervenzellen zu verstehen ist. Es beginnt mit wenig: Ein tiefer Streicher (Stefan Schönegg am Kontrabass) spielt lange sukzessiv erklingende gestrichene Einzeltöne, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und selbst auf dem Rand der akustischen Wahrnehmbarkeit vibrationslos schwanken, die Tonregion neigt sich zunächst im Wankelschritt abwärts, ehe sie wieder länger steigt. Die Intervalle sind eher klein. Eine wunderschön modulierte Musik mit Schrammen, nicht poliert und lackiert. Erst

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Hotties – #happyorsad

Hotties – #happyorsad

Unglaubliches spielt sich hier ab. Man weiß nicht ganz genau, wie wirklich ernsthaft diese Scheibe der «Hotties» gemein sein soll. Sie verkaufen das Werk mit den acht Titel, das bereits am 17.12.2021 erschienen ist mit den Worten: «Hotties wollen vor allem eins: Spaß! Ihre fetten Grooves, cineastischen Synthesizer Sounds und energiegeladenen Songs machen einfach Laune. Aus dem Dschungel der Musikwelt haben sie sich das herausgepickt, was ihnen am besten gefällt und ein Programm erstellt, zu dem man am liebsten tanzen, davonfliegen und träumen will.» Ein musikalischer Spaß ist es in

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Subconscious Trio – Water Shapes

Subconscious Trio – Water Shapes

Zum Abschluss der Jazzwoche in der HörBar eine weitere Aufnahme vom italienischen Label «Da Vinci Jazz». Ohne großes Federlesen zu veranstalten: Großartig agiert dieses Standard-Jazz-Trio in seinen acht eigenen Kompositionen, die sich sehr deutlich in der besten Tradition dieser Besetzung der letzten 20 Jahre wiederfinden (besondere Anklänge gehen in Richtung Esbjörn Svensson Trio). Das heißt sie haben all das drauf, was heute im Jazztrio so geht, aber es kommt noch etwas hinzu: Die drei Musikerinnen – Monique Chao (piano, vocals, composition), Victoria Kirilova (bass, composition) und Francesca Remigi (drums, composition)

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Mimanée – The Invisible Will Remain

Mimanée – The Invisible Will Remain

Da müsste man sich schon ordentlich bemühen, wollte man bei dieser Besetzung die Musik gegen die Wand fahren. Es gibt fast nichts besser Selbstlaufenderes als Marimba, Bass-Klarinette (plus Saxophone) und Gesang. Das schnurrt und schwirrt auch bei diesem Trio mit einer Leichtigkeit und zugleich in der Tiefe abgründelnden fundamentalen Musik, verwurzelt in subtil gestalteten Kompositionen und Arrangements. Aber selbstlaufend erscheint es nur, weil es tatsächlich so gut musikalisch gearbeitet ist. Die musikalische Korrespondenz zwischen der Bassklarinette von Matthias Stich und dem Gesang von Neele Pfleiderer ist fast durchwegs untrennbar miteinander

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Questo Tempo

Questo Tempo

Eine weitere Produktion vom Label «Da Vinci Jazz», aber mit ganz anderer Klanglichkeit als «Pagine Vere». Die Besetzung deutlich perkussiver (aber mit Melodieinstrumenten wie dem Vibraphon …). Perkussiv muss ja nicht knattern heißen oder grooven oder schlumpfen. Eigentlich gelangt man hörend eher zu der Einsicht, dass die Rhythmus-Abteilung umgekehrt proportional zugleich fehlt – wie das, ich versuche es weiter unten zu erklären. Auch die Toms sind präzise gestimmt auf das musikalische Gesamtbild hin. Und doch: Es pulst die Musik, aber durchaus frei und fesselnd zugleich. Darüber singt Beatrice Arrigoni ebenso

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Teresa Bergman – 33, Single & Broke

Teresa Bergman – 33, Single & Broke

Grenzbereiche in vielerlei Hinsicht betritt das dritte Album der in Berlin lebenden Neuseeländerin Teresa Bergman. Gelabelt wird es mitunter im Genre des Folkpop. Thematisch gehen die Lyrics um das, was der Titel der Platte anzeigt. Das Menschsein mit Mitte, Anfang 30. Vielleicht auch das Frausein. Vielleicht auch das Sein schlechthin. Es widerspiegelt zudem die letzten Jahre angesichts gesellschaftlicher und klimatischer Umbrüche. Eine persönliche und eine aufs unversalistische Chaos zielende Platte. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die der musikalischen Gestaltung. Und die macht mit dem ersten Sologesangston

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