21. März 2019 nmz – HörBar – täglich dabei und abgeört
Sun Dew: This Secret Cay (EP)

Sun Dew: This Secret Cay (EP)

Eine EP der Combo um Héloïse Lefebvre und Paul Audoynaud, die mit ihrer ersten Veröffentlichung die Latte musikalischen Gewebes und Gewabere sehr hoch gehängt hat. Daran setzen Sun Dew mit ihrem ersten Stück an, das der EP den Namen verliehen hat. Ein fast symphonisches Stimmungsbild, das man gleichwohl schon mehr in Richtung (Art-)Rock (ab-)schieben möchte. Leider erreichen die nachfolgenden Tracks nicht dieses ausgefeilte Arrangement/Kompositions-Niveau. Sie verlieren sich etwas, wirken nicht mehr so selbstredende, sondern „gewollt“. Tritonüsse sind auch nicht immer der musikalischen Wahrheit letzter Schluss. Am schlüssigsten wirkt da noch

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Benedikt Koch Quintet: True In No Possible World

Benedikt Koch Quintet: True In No Possible World

So schön können Dissonanzen gesetzt sein. So schön wie zu Beginn des ersten Tracks im Klavier solo-Part. Benedikt Koch schöpft aus diesem musikalischen Nucleus eine musikalische Fahrt in dichtere und weitere Klangbilder. Impressionistisch geht es dabei zu, grundreif wie im zweiten Track nach dem die Platte benannt wurde. Die bizarren Unisono-Linien der Bläser wirken dabei keinesfalls überkünstelt, sondern fein gedrechselt. Das Ganze köchelt auf kleiner Flamme und entfaltet so ein eigenes musikalische Aroma. Die Geschmacksknospen gleiten, im Duft schillernd. Keine herben Noten. Selbst die Dissonanzen klagen nicht, sondern knospen. Selbst

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Travis, Fripp: Between The Silence (3 CD)

Theo Travis, Robert Fripp: Between The Silence (3 CD)

Drei Live-Konzerte aus den Jahren 2009 und 2010. Blasinstrument(e) und E-Gitarre(n) schwirren durch zwei Kirchenräume und ein Spiegelzelt: Musik, die mit der Akustik spielt, zwischendrin leises Regenrauschen, das in Wirklichkeit Publikumsapplaus ist. Man erwarte jetzt nicht ein dichtgefügtes, zur Substanz destilliertes Musikerzeugnis, eher das Gegenteil, was, wenn man ehrlich ist, auf das gleich hineinausläuft. Es ist ein ästhetisches Missverständnis, wenn Knappheit und Weite gegeneinandergerechnet werden. Wenn Einsteins Relativitätstheorie stimmt, dann ist Zeit gerade ja keine fixe Größe. Für den einen vergeht bei den Stücken von Travis die Zeit wie im

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Chris Gall: Room Of Silence (Piano Solo)

Chris Gall: Room Of Silence (Piano Solo)

Düsterdiebüster. Ein Raum der Stille ist aber auch wirklich schnell gefüllt. Dazu reicht auch ein ein mezzopiano-gespieltes Piano in der Ecke eines Aufnahmestudios. Silence ist aber nicht nur ein physikalische Begriff von Stille, sondern auch ein psychologischer – danach kann die Verdrängung des gewöhnlichen Tongemisches ausreichen. Freilich funktioniert es weniger, wenn das eine nur das andere ersetzt. Beim Spiel von Chris Gall schwankt man da hörend. Zwischen dem Läppischen, dem zarten Klanghauch, dem molligen Wohlton und dem bedeutungsvollen Piepsen (im übertragenen Sinn). Schön wirds, wo Gall mit einer grazilen Simplizität

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Rainer Böhm: Hýdōr (Piano Works XII)

Rainer Böhm: Hýdōr (Piano Works XII)

Karges Klavierspiel bedeutet nicht Unterkomplexität oder Einfallslosigkeit. Ganz sicher bei Rainer Böhm sowieso nicht. Unter Hýdōr sind 13 maximal 6-Minüter. Gleich die beiden Studies zu Beginn, tun wohl, sind in ihrer Struktur sofort aufschließbar, so dass man sich auf der Stelle mit der improvisatorischen Arbeit auseinandersetzen kann. Toll gemacht. Das gilt über den Rest der Platte ebenso, wenngleich die Kompliziertheit der Ideenentwicklung verschiedene Niveaus erreicht. Wo alles so offengelegt wird, spürt man dann genau so Abstufungen bei weniger tragenden Ideen wie in „Badi Bada“. So gewinnt man aber auf der

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Lars Danielsson – Paolo Fresu: Summerwind

Lars Danielsson – Paolo Fresu: Summerwind

Duos von Violoncello/Kontrabaß und Flügelhorn/Trompete sind so sehr häufig nicht in der Welt des Jazz. Wenn hier zwei ACT- und Jazz-Größen zusammenfinden, ist eines absehbar: Kalt lassen wird das niemand. Die einen sprechen an auf Danielssons sülzig gewürzten Holzsound und dünnen aber effektiven Arrangements, die anderen lieben die hochkultivierte Blastechnik von Paolo Fresu. Eine Mischung, die elegante, feingliedrige Musik erzeugen kann – und es auch tut. Gewiss, die gezupften Akkordbrechungen im Cello sind auf die Dauer auch schon mal, sagen wir mal, wenig innovativ – ein bisschen wie Alberti-Bass-Jazz. Vielleicht

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Keith Jarrett: La Fenice

Keith Jarrett: La Fenice [2006]

Man weiß nicht so genau, was noch in den Archiven von ECM schlummern mag, aber da scheint es ja in Sachen Jarrett kaum ein Ende zu geben. Nun also eine Aufnahme aus dem „Gran Teatro La Fenice“ in Venedig. Man schreibt das Jahr 2006. Und Keith Jarrett schreibt eine weitere Improvisation. Von den langen improvisatorischen Gleisen der 70er bis 90er Jahre hat er sich längst entfernt. Sein Soloabend ist dokumentiert auf zwei CDs und besteht aus acht „Parts“ und vier Standards; insgesamt 97 Minuten. Wie schon in anderen Solo-Aufnahmen nach

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John Coltrane: Both Directions At Once: The Lost Album

John Coltrane: Both Directions At Once – The Lost Album

Von einem anderen Kontrast kündet der Titel „Both Directions At Once: The Lost Album”, das 1963 sorgfältig produziert, dann vergessen wurde und sich nur durch den Zufall erhalten hat, da sich eine Mono-Kopie in Familienbesitz befand. Gemeint ist der Versuch von Coltranes Plattenfirma Impulse! zweigleisig zu fahren, einerseits wagemutige, in die Zukunft weisende Coltrane-Werke zu veröffentlichen, andererseits Alben die ein breiteres Publikum ansprechen konnten wie „Ballads“ oder das Album mit dem Sänger Johnny Hartman, das zufällig am nächsten Tag produziert wurde. In dieser Trouvaille erleben wir beides: Songs wie „Nature

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Miles Davis: Ascenseur pour l’échafaud

Miles Davis: Ascenseur pour l’échafaud

Wie Jeanne Moreau durch das nächtliche Paris irrt, den Geliebten sucht, der für sie zum Mörder wurde, wie sie hofft und bangt, Selbstgespräche führt, das hat sich ins kollektive Unbewusste eingegraben, das machte sie zum Star – doch vermutlich hätte man diese Szenen des Films „Fahrstuhl zum Schafott“ längst vergessen, hätte nicht Miles Davis dazu Musik geschaffen, die an die Nieren geht, auch wenn man die Bilder nicht sieht. Louis Malle, der Regisseur von „Ascenseur pour l’échafaud“ erinnert sich: „Was er machte, war einfach verblüffend. Er verwandelte den Film. Ich

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Miles Davis & John Coltrane: Bootleg Series 6: The Final Tour

Miles Davis & John Coltrane: Bootleg Series 6: The Final Tour

Als Miles Davis 1960 nach Europa kam, hatte er endlich seine eigenen Musiker dabei – ein Zeichen, dass er nunmehr ein internationaler Star war. Doch eher missmutig absolvierte John Coltrane 1960 diese Tournee mit dem Trompeter und mürrisch klingt er bisweilen auch auf seinen letzten Auftritten als Sideman; danach trennten sich ihre Wege (sieht man von einem Studioalbum des Jahres 1961 ab). Ob er wütend ist, fragt ihn ein schwedischer Deejay in einem Interview, das sich als Zugabe auf „The Final Tour“, Vol. 6 der „Bootleg Series”, findet, das die

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