30. November 2020 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Lento religioso – Amsterdam Sinfonietta / Candida Thompson

Lento religioso – Amsterdam Sinfonietta / Candida Thompson

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Das Motto der CD ist Programm. Entliehen ist es dem dritten Satz der Symphonischen Serenade op. 39 (1947/48) von Erich Wolfgang Korngold, doch erstreckt es sich emotional über alle sieben Tracks, die sich so zu einem großen Charakterbild zusammenfügen. Dramaturgisch schlüssig ist dabei die Kombination von Arrangements und Einrichtungen einzelner Sätze sowie originalen Partituren für Streichorchester: auf der einen Seite Alban Bergs Sonate op. 1 und Wagners Vorspiel zu Tristan und Isolde, auf der zweiten das Adagio aus Anton Bruckners Streichquintett, auf der dritten endlich neben Korngolds eindringlichem Satz ein

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Brahms: Sinfonien – Wiener Symphoniker / Philippe Jordan

Brahms: Sinfonien – Wiener Symphoniker / Philippe Jordan

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Philippe Jordan und die Wiener Symphoniker haben in den letzten Jahren mit ihrer schrittweise erschienenen Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien überzeugt – klanglich ausgewogen und präsent, interpretatorisch gleichermaßen den Traditionen verbunden wie auch frisch im Zugriff. Nun also Brahms. Die Box überrascht (wie vor einiger Zeit auch bei Daniel Barenboim) mit der Entschlossenheit, jede der vier Sinfonien auf eine CD zu bannen, obwohl zumindest Nr. 3 und 4 zu koppeln gewesen wären. Zugleich wurde auf das bei solch einer Gelegenheit oft übliche sinfonische „Supplement“ verzichtet: kein Auffüllen der Spielzeit mit den Haydn-Variationen

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Rott: Orchestral Works – Gürzenich Orchester Köln / Ward

Rott: Orchestral Works – Gürzenich Orchester Köln / Ward

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Was wäre nur aus Hans Rott geworden, wenn schon im Jahr 1880 ein Rauchverbot bei der Eisenbahn bestanden hätte? So jedenfalls hinderte er im Verfolgungswahn mit vorgehaltenem Revolver einen Mitreisenden daran, sich eine Zigarre anzustecken: Brahms hätte Dynamit im Waggon deponiert … Psychisch vollkommen zerrüttet, verblieb Rott für die letzten Jahre seines kurzen Lebens (1858–1884) in der Niederösterreichischen Landes-Irrenanstalt in Wien. Erst mit der sensationellen Uraufführung seiner Sinfonie E-Dur in Cincinnati, über 100 Jahren nach ihrer Vollendung, erwachte wieder die Aufmerksamkeit auf einen Komponisten, über den sich sein ehemaliger Kommilitone

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Schreker: Complete Orchestral Works Vol. 1 – Bochumer Symphoniker / Steven Sloane

Schreker: Complete Orchestral Works Vol. 1 – Bochumer Symphoniker / Steven Sloane

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Die Musik von Franz Schreker ist im Plattenschrank wahrlich keine Rarität mehr – auch wenn einige Aufnahmen schon lange wieder vergriffen sind. Dass Schre­ker dennoch für viele „Professionals“ wie Liebhaber noch immer ein unbeschrie­benes Blatt darstellt, ist Folge vielfältiger historischer Konstellationen. Da wäre zunächst das frühzeitige Stören und dann Abschneiden seiner Karriere durch die Nationalsozialisten sowie sein nur kurz darauf folgender Tod, die das Œuvre in Vergessenheit geraten ließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Schrekers faszinierend flirrende spätromantische Klangsprache lange Zeit als überkommen, sie passte schlichtweg nicht in die vorherrschende

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Mayseder: Kammermusik Vol. 4 – Wiener Mayseder Ensemble

Mayseder: Kammermusik Vol. 4 – Wiener Mayseder Ensemble

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #018 – Kammermusik

Nur selten einmal tritt ein Komponist der vermeintlich zweiten Reihe so klar profiliert aus dem Schatten der großen Meister wie Joseph Mayseder (1789–1863). Zu verdanken ist dies dem anhaltenden Engagement und der Spurensuche von Raimund Lissy (seit 1991 Mitglied der Wiener Philharmoniker), der auch eine inzwischen auf sieben CDs angewachsene Reihe mit Einspielungen beim Label Gramola initiiert hat. Mayseder, der auf der Violine zu seiner Zeit eine der tragenden Säulen des Wiener Musiklebens bildete, war als Schöpfer versierter Kammermusik allerdings lange in Vergessenheit geraten – dabei zählt er zu jenen

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Joseph Elsner / Chamber Music – Trio Margaux and Guests

Joseph Elsner: Chamber Music – Trio Margaux and Guests

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #018 – Kammermusik

In jeder Chopin-Biographie findet sich der Name von Joseph Elsner (1769–1854) an prominenter Stelle. Eine hörende Verständigung über seine musikalische Sprache aber hat bis heute kaum stattgefunden, selbst sein 250. Geburtstag wurde im vergangenen Jahr hierzulande nahezu gänzlich übersehen. Wer aber den Schritt von Chopin zurückgeht, um die Musik seines Lehrer kennenzulernen, der wird verblüfft sein und rasch verstehen, wo die Quellen des späteren Meisters liegen. Denn offenbar wurde auch außerhalb von Italien, Frankreich und Wien in Lemberg und Warschau hervorragende Musik geschrieben, die nicht nur bestehen kann, sondern auch

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Paris-Moscou – Trio Goldberg

Paris-Moscou – Trio Goldberg

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #018 – Kammermusik

Bereits mit seiner letzten CD unter dem Titel De L’Ombre à La Lumière hat das Trio Goldberg begeistert. Mit Paris-Moscou wird nun der eingeschlagene Weg konsequent fortgesetzt, programmatisch wie künstlerisch. Bereits die glückliche Zusammenstellung der Werke lässt aufhorchen, denn es werden mit Paris und Moskau (Françaix und Tanejew) nicht zwei Pole markiert, sondern Ausgangspunkte einer langen Wegstrecke, die über Haydn, Schubert, Krása, Kodály und Enescu führt. Erstaunlich ist, wie sich hier die doch sehr unterschiedlichen Tonsprachen ergänzen – und vielfach auch den „richtigen“ tonalen Anschluss haben. So handelt es sich

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Weber / Krommer – Eric Hoeprich / London Haydn Quartet

Weber / Krommer – Eric Hoeprich / London Haydn Quartet

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #018 – Kammermusik

Neben den Klarinettenquintetten von Mozart, Brahms und Reger, die in wundervoller kompositorischer Beziehung zueinander stehen, hat wohl nur das Quintett von Carl Maria von Weber den Weg ins Repertoire gefunden. Trotzdem konnte es nie dieselbe Aufmerksamkeit für sich beanspruchen – weil es eben doch um einiges konzertanter und weit weniger kammermusikalisch gedacht ist (Weber schrieb nie ein Streichquartett). Dass dies ästhetisch keinen Makel darstellt, sondern hier die Besetzung lediglich von einer anderen Warte aus gedacht wurde (auch mit Blick auf Heinrich Baermann, für den das Werk entstand), ist in der

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L’Opéra de Paris 1900–1960 – Une Histoire Sonore

L’Opéra de Paris 1900–1960 – Une Histoire Sonore

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Was für ein Fest – und noch dazu: nach guter französischer Tradition ein Fest in vier Akten. Da wäre zunächst die Institution der Pariser Oper mit ihrer diese Gattung maßgeblich mitbestimmenden Geschichte, dann das auf klassisch-romantischer Basis beruhende, kontinuierlich entwickelte und wo nötig frankophonisierte Repertoire, ferner die über Jahrzehnte gewachsene Phalanx von meist guten, oft auch herausragenden Sängerinnen und Sängern, und schließlich die aus all dem resultierende Einspielung auf einem Medium, das eine mechanische Aufnahme für die Zeitgenossen und die Nachwelt speichert. Für diese 10 CDs umfassende Dokumentation wurden aufwendig

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National Theatre Belgrade – Seven Great Russian Operas from 1955

National Theatre Belgrade – Seven Great Russian Operas from 1955

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Auslaufende Urheberrechte machen es möglich, dass Stück für Stück Schätze aus der Vergangenheit gehoben werden. Denn die (historische) Diskographie eines Künstlers, Ensembles, Orchesters oder Opernhauses ist das eine, die Einspielungen heute auch tatsächlich wieder verfügbar zu haben das andere. Zugleich stellt sich die Frage, wie die alten Bänder oder Platten digitalisiert und akustisch aufbereitet wurden. So kann eine alte Aufnahme nach diesem Prozess je nach Verfahren durchaus sehr unterschiedlich klingen: von einer unglaublichen Frischzellenkur bis hin zur anhaltenden Perspektivlosigkeit im mageren Mono. In diesem Sinne ist Günter Hänssler und seinem

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One Century of Music – Orchestre de la Suisse Romande

One Century of Music – Orchestre de la Suisse Romande

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Aus den Radioprogrammen wie vom Plattenteller ist der Name des Orchesters nicht wegzudenken. Mehr noch handelt es sich bei dem Orchestre de la Suisse Romande um das musikalische Aushängeschild der Romandie. Das macht leicht vergessen, dass sowohl die Gründung wie auch die nachfolgenden Jahre von Unsicherheiten begleitet waren. Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs andernorts um die politische Richtung gekämpft wurde und die Spanische Grippe ihre Opfer forderte, präsentierte sich am 30. November 1918 das Orchester erstmals in der Genfer Victor Hall und zwei Tage später im Théâtre de

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Philharmonia Orchestra. Birth of a Legend

Philharmonia Orchestra. Birth of a Legend

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #017 – Dokumentationen

Was waren das für Zeiten, als sich ein Schallplatten-Label ein eigenes Orchester leisten konnte. Denn das von dem Produzenten Walter Legge 1945 ge­gründete Philharmonia Orchestra wirkte in seinen ersten 20 Jahren vor allem (aber nicht nur) als Studio-Orchester für den offenbar unersättlichen und höchst ertrag­reichen Klassik-Markt. Erst als 1964 die EMI ausstieg, sahen sich die Musiker gezwun­gen, durch Umfirmierung den Klangkörper zu erhalten. Einen Querschnitt aus diesen ersten zwei Dekaden bietet die vorliegende Box – nun von Warner als Nachlassverwerter des einstigen Kult-Labels. Die Archive sind (das haben in den letzten

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