12. Mai 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Shortcuts – Antonio Ballista

Shortcuts – Antonio Ballista

Ein Doppelalbum, das durch drei Jahrhunderte der Musikgeschichte geht und dabei eine ganze Menge an Kleinigkeiten «abräumt». Die erste Hälfte der insgesamt 50 Stücke wurde aus dem 18. und 19. Jahrhundert gewonnen, die übrigen stammen aus dem 20., wenn nicht gar 21. Jahrhundert (die genauen Entstehungsdaten der Miniaturen werden nicht mitgeteilt). Warum aber eine solche Produktion? Früher wurden mit derartigen Stückchen noch auf den Klassik-Sendern des öffentlichen Rundfunks die übrig gebliebenen Sendeminuten vor den Nachrichten gefüllt… Wie kaum anders zu erwarten spielt sich Antonio Ballista ordentlich durch die Minuten, ohne

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #186 – Miniaturen
Weiterlesen
Hugues Borsarello – Miniatures

Hugues Borsarello – Miniatures

Der Titel des Albums täuscht ein wenig über die Werkauswahl hinweg. Denn statt «Miniatures» hätte es besser «Anchores» heißen sollen. Beide Begriffe schließen sich ja keineswegs aus – nur einmal habe ich bisher im Konzertsaal eine Zugabe von einer Viertelstunde gehört (aber das war auch unter sehr speziellen und alle bewegenden Umständen). Eine Miniatur solle jedoch mehr konzentrierter sein, zur Konzentration anregen und vielleicht auch etwas kondensieren, ähnlich wie in einer Consormé. Hier indes sind nahezu all jene Stücke versammelt, die man früher vielleicht einmal hier und da hörte –

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #186 – Miniaturen
Weiterlesen
Stolen Music – Linus Piano Trio

Stolen Music – Linus Piano Trio

Leicht hat es sich das Linus Piano Trio mit diesem Album nicht gemacht. Die geht auch als dem eigenen Booklet-Essay hervor mit Reflexionen zum Verhältnis von Original und Bearbeitung sowie Überlegungen zur Veränderung von Besetzungen. Dabei erstaunt, dass jede nachrückende jüngere Generation immer wieder dieselben Entdeckungen macht: In diesem Fall ist es die aus dem Jahre 1932 stammende, von Eduard Steuermann angefertigte Bearbeitung von Schönbergs Verklärter Nacht, bei der aus einem Streichsextett ein Klaviertrio wurde. Sie lag allerdings schon bei Gründung des Linus Piano Trio (2007) in mehreren, exponierten Einspielungen

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #185 – Arrangement & Co.
Weiterlesen
Werbung
Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Ein Album, das an die guten alten Zeiten bei der Deutschen Grammophon erinnert, als nicht nur die Standards des Repertoires und absehbare Kassen-Knüller produziert wurden, sondern auch manch abseits des Weges liegendes Werk. Nachdem Rudolf Buchbinder bereits Beethovens Diabelli-Variationen eingespielt und nochmals erweitert hat, sind es nun die vier Hefte mit Transkriptionen, die Max Reger von Brahms-Liedern angefertigt hat. Eigentlich eine Gelegenheitsarbeit aus den Jahren 1905/06 und 1912, mit der Reger allerdings eine ganz andere Form der Virtuosität aufzeigen wollte – nämlich die Kunst, am Klavier instrumental zu singen, wie

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #185 – Arrangement & Co.
Weiterlesen
Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Wagner ohne Worte. Diese Idee wurde bereits in mehreren Arrangements beim Ring umgesetzt. Dort sind es die sinfonischen Höhepunkte, die die vier langen Abende auf eine Stunde schrumpfen lassen. Das vorliegende Album setzt den Effekten eine Paraphrase über Tristan und Isolde entgegen – intim und kammermusikalisch. Gleichzeitig wird deutlich: Wenn Partituren gut arrangiert sind, tragen sie auch rein instrumental. Das Wehen und Weben der unendlichen Melodien erscheint darin sogar noch konzentrierter und klarer in der Struktur. Und noch eines wird bei dieser Paraphrase deutlich: Wie nah Schönbergs Verklärte Nacht Wagners

This entry is part 2 of 5 in the series HörBar #185 – Arrangement & Co.
Weiterlesen
Mathilde Kralik von Meyrswalden

Mathilde Kralik von Meyrswalden

Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seit Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857–1944) ihre großformatige Sinfonie vollendet hat. Und weitere fünf Jahre sind seit der Uraufführung am 18. September 2021 im Brucknerhaus Linz ins Land gezogen, bis nun endlich ein Mitschnitt erscheint. War es auf der einen Seite das nahezu komplette Vergessen der Komponistin und ihres bis dahin ungedruckten Werkes, so hätte die Aufnahme auf der anderen Seite durchaus auch früher einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Denn das von Silvia Spinnato geleitete Female Symphonic Orchestra Austria (FSOA) muss sich

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #183 – Sinfonisches
Weiterlesen
Symphonies in 3 Movements

Symphonies in 3 Movements

Das Konzept dieses Albums erinnert deutlich daran, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Einführung eines vierten Satzes fortan (und für mehr als einhundert Jahre) nahezu verbindlich für die Sinfonie wurde – wobei es sich bei dem vierten Satz um das an dritter Stelle stehende Menuett bzw. Scherzo handelt. Seine Einführung veränderte die gesamte Dramaturgie der aus der Opern-Ouvertüre italienischer Art abgeleiteten Werkgestalt. Dass später im 20. Jahrhundert noch ganz andere Konzepte entstanden (bis hin zur monumentalen Einsätzigkeit), muss nicht extra erwähnt werden – wohl aber die gelegentliche

This entry is part 2 of 5 in the series HörBar #183 – Sinfonisches
Weiterlesen
Mel Bonis – Orchesterwerke

Mel Bonis – Orchesterwerke

Werke für Klavier und Kammermusik. Wieder einmal waren es die «kleinen Formen» (Charakterstücke), eine Violinsonate und ein Klavierquartett, die bis jetzt ein durchaus (falsches) Bild von der französischen Komponistin Mel Bonis (1858–1937) zeichneten. Erst mit diesem Album (natürlich eine cpo-Produktion) treten auch sinfonische Klänge ans Licht – obwohl es sich «nur» um Instrumentationen eigener Werke handelt (die bei denen mit vokalem Anteil). Und dennoch: Diese Musik muss sich weiß Gott nicht hinter den Zeitgenossen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verstecken! Vielmehr erweist sich Mel Bonis als eine Komponistin

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #183 – Sinfonisches
Weiterlesen
Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Ein Album, das man daheim nicht so rasch aus dem Auge verlieren sollte. Denn hier stimmen das Programm, die Interpretation wie auch die klangliche Realisation durch die Tonmeisterei. Oder um nochmals aus einer anderen Perspektive anzusetzen: Ulrich Roman Murtfeld ist ein Pianist, den man live erleben möchte. Sein Spiel zeichnet sich nicht nur durch technische Souveränität aus, sondern auch durch kultivierten Anschlag und charakteristischen Ton – und mehr noch sowie entscheidend: durch ein gestalterisches Vermögen, das sowohl intellektuell den Notentext durchdringt als auch musikalisch atmet. Unter seinen Händen klingt etwa

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #182 – Juvenilia
Weiterlesen
George Enescu – Fine Arts Quartet

George Enescu – Fine Arts Quartet

Noch immer liegt ein Schatten auf dem zweifellos singulären wie hochkarätigen kompositorischen Schaffen von George Enescu (1881–1955), so bedeutend war sein umfangreiches Wirken als Virtuose, Kammermusiker und Pädagoge auf der Violine. Möglicherweise stand einer breiteren Rezeption der Werke aber auch seine geniale Frühreife im Wege: Konnte sich Enescu als Interpret schon in jungen Jahren problemlos die großen Podien der Welt erobern, war er als Komponist lange Jahre auf der Suche nach eigenen Formen, Harmonien und melodischen Verläufen – und dies nicht etwa im Zuge von Experimenten, sondern einer von Werk

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #182 – Juvenilia
Weiterlesen
Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Es scheint fast so, als würde bei diesem Album das Gedenkjahr 2028 schon seine Schatten werfen. Aber: Auch bei anderen Komponisten werden Raritäten und kurze Stücke höchst selten eingespielt. Also doch eine Produktion, die den Katalog frühzeitig vervollständigt? Darauf deuten zumindest einige Ersteinspielungen hin – auch wenn die damit verbundenen Takte eher wenige sind und marginal bleiben. Jedenfalls in dem hier (nicht) gegebenen Kontext. Denn erst wenn man Schuberts frühe (!) Kontrapunkt-Studien in einem größeren Zusammenhang sieht und darstellt, erschließen sich weitere Zusammenhänge. Dass dies bei einer CD-Produktion nicht geleistet

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #182 – Juvenilia
Weiterlesen
Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

An sich eine gute Idee, aus Mendelssohns Jugendwerken nicht nur einige der vielfach eingespielten Streichersinfonien aufzunehmen, sondern auch kleinere Übungen und Ephemera, die doch noch viel mehr über den Unterricht bei Carl Friedrich Zelter und das zur Verfügung stehende ältere Repertoire erzählen. Es sind die auf diesem Album an letzter Stelle stehenden beiden Fugen, die in diesem Sinne die Ohren (und dann auch die Augen) öffnen. Wer das physische Album vor sich hat, sollte für die genauen Nachweise allerdings Spotify bemühen, denn dort werden die Verzeichnisnummern ungewöhnlicherweise umfangreich und korrekt

This entry is part 2 of 5 in the series HörBar #182 – Juvenilia
Weiterlesen