30. November 2020 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Max Nagl Trio: Moped [2020]

Max Nagl Trio: Moped [2020]

Krachblitz – Raballaditrummrumm. KREISCH! Was für Hymnen an musikalische Exzessologien. Da bleibt kein Auge trocken, kein Ohr naß und einem die Spucke weg. Hübsche kleine Stückchen, Spückchen. Da nimmt die Musik eine Fahrt auf, dass Zwei-, Drei- und Viertakter kollabieren und die Bremsseile zum reißen. Ungebremst und durchgebrannt. Viel Spaß dabei, laut hören. Jazzpogotanzen im Sitzbad und zwischendrinne sich in eine Ecke zurückziehen. Das Trio rennt sich wild und wund. Schön, knallschlabbrig, pathetischplumperquadratisch im Platsch-i-versum. Darf man alles eigentlich nur in Anführungszeichen sagen, wäre sonst zu ernst. Nein wirklich, so

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Hendrika Entzian: Marble [2020]

Hendrika Entzian: Marble [2020]

Alles gut, soweit. Die Big Band schreitet durch Berge und Täler von Arrangements. Alles sitzt, alles gut soweit die Ohren hören. Die Mischung von Soloparts im Klangbett der großen Band ist zweifellos allseits und immer tadellos. Ja. Und dabei beginnt das zunächst kleine, dann große Warten. Ist das alles? Kommt da noch was drauf oder drunter? Hinter? Vor? Bevor man sich gerade an einer Stelle beginnt, zu wundern, ist alles wieder tadellos, einwandfrei. Man steht auf einer Autobahnbrücke und unter einem rauschen die Fahrzeuge geheimnisvoll wie auf unsichtbaren Schienen durch.

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Dan Weiss Trio Plus 1: Utica Box [2019]

Dan Weiss Trio Plus 1: Utica Box [2019]

Das Trio/Quartett um den Schlagzeuger Dan Weiss macht eine Musik, die geradezu bodenlos zu sein scheint. Utica Box besteht aus drei deutlichen langen Tracks mit 17, 11 und 16 Minuten. Dazwischen sind drei deutlich mittellange Stücke gesetzt von um die sechs Minuten und ein kurzes von deutlich knapp zwei Minuten. Da kann deutlich viel passieren. Und das tut es auch deutlich dann, wenn man das Gefühl hat, dass wenig passiert, aber nicht wenig genug, dass man sich in eine manisch-repetitive Ecke des Hörens zurückziehen kann und „etwas“ passieren, und das

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Windisch Quartett: Chaos (2020)

Windisch Quartett: Chaos (2020)

„Chaos, Pain, Wohin, Zulassen, Easter, Leere, Freude am Zahnrad, Gräit, Wassolldas.“ Die Titel der Tracks und damit unverkennbar Jazz aus den letzten Jahren aus Deutschland. Track-Titel, die reizen, daraus in einem höheren Sinn Lyrik zu machen. Oder Musik. In einem höheren Sinn Lyrik sind die Stücke selbst dann auch. Chaos selbst ist derartig unchaotisch, dass es einem um die Ohren fliegt. Dafür reichen heute Mittel wie bestnotierte Homophonie und krummen Zählzeiten. Pain – Schmerz oder Brot? Irrlichtert. Wohin probiert die Kunst repetitiver Permutation in Dauern und Tonhöhen – bevor es

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Gerwin Eisenhauer: 2019

Gerwin Eisenhauer: 2019 [2020]

Oh, no. No, ohh. Was ist da in den Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer nur für ein Blitz gefahren. Ein Potzblitz, eiderdaus? Natürlich ist es mutig, verwegen, vielleicht auch nur vernünftig, in der heutigen Zeit ein Album zu machen, das nur auf CD, Vinyl oder Tape (Kassette) jeweils in einer Auflage von 200 Stück. Keine Downloads, kein Streaming! Aber die Tracks lassen einen manchmal doch verwirrt zurück. Track 2 „breathe slowly sabine“ heißt da einer, der aus dem Geist der Künstlichkeit kommt, musikalisch leider dürftig gebaut, geradezu wie in einem motivischen Fleischwolf

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Lorenz Kellhuber Trio: Samadhi (2019)

Lorenz Kellhuber Trio: Samadhi (2019)

Wenn schon, denn schon. Musikalisches Risiko ist ohne Anternative. Im Zentrum dieser Aufnahme steht eine 51-minütige Improvisation. Das Trio mit Lorenz Kellhuber, Felix Henkelhausen und Moritz Baumgärtner lässt es geschehen. Live im Theater Regensburg im Dezember 2018 aufgenommen, kann man und muss man sich dem Klangfunkenflug überlassen. Ohne Eintauchen wird es nichts werden, doch seine Ohren und sein Gehirn muss man dazu nicht abgeben. Diese sind gefordert, mithörend mitzuimprovisieren. Beiläufig geht hier gar nichts. Dieses Jazztrio macht es einem alles andere als leicht dabei. Ohne extremes Hochdrehen von Virtuositätsgeplänkel treiben

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Frank Niehusmann / Hainer Wörmann – Kabel

Frank Niehusmann / Hainer Wörmann – Kabel

Eine Musik, bei der man nicht mehr ruhig sitzen kann, eine Herausforderung an das Nichtfassbare. Nicht nur, dass da die Klänge häufig in einer Zersplitterung herumblitzen, die gleichwohl bei allen von Kabel 1 bis 6 durchzifferten Stücken ein intern (homogenes)  Geräuschfeld aufbauen (das heißt schlicht, man kann zwischen den Tracks unterscheiden!). Die Kabel-Tracks sind von einer akustischen Intensität, zwischen Gewalt und Leere, dass man hörend weit weg sein dürfte von Gedanken ewiger musikalischer Kontemplation. Man kann den Klängen nicht trauen! Wenn denn dann mal ein Rauschband wie in Kabel 6

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Michael Formanek – Elusion Quartet: Time like This (2018)

Sich durchkreuzende Spiele, die gleichwohl eine atmosphärische Seligkeit verheißen. So geht es los. Es folgen expressivere Passagen wie im Duo aus Bass und Schlagzeug auf Track zwei. Langsam ergänzt sich Musik zum Quartett. Ein Zauberwerk aus zunächst folgen frei fließenden Einzelbewegungen, die sich dann wie von selbst verbinden – und wieder auseinanderströmen. Melodisch und rhythmisch außerordentlich komplex und doch zugleich nicht verwirrend. Bezaubernd luftig und intensiv dicht. Faszinierend wie sich das auch von CD mitteilt. Michael Formanek: Time like This Intakt Records Michael Formanek: Double Bass Tony Malaby: Tenor and

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Swiss Jazz Orchestra: Swiss Jazz Orchestra & Guillermo Klein (2019)

13 Tracks mit wunderbar ausbalancierten Arrangements. Nicht knallig, sondern subtil gestrickte Stücke, die einen einfach mitnehmen. Zuweilen kammermusikalisch zurückgenommen, durchsichtig und frei von billigen Überrumpelungseffekten aus dem Handbuch musikgeschichtlicher Erfolgsverfahren. Dabei erreicht man gleichwohl eine Komplexität in den Sätzen, die wundersam wirken. Dazu und darein fügen sich dann exzellente Soli der Einzelmusikerinnen. Klasse! Swiss Jazz Orchestra: Swiss Jazz Orchestra & Guillermo Klein Sunnyside Records Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden. Inhalt laden

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Ben Monder: Day After Day (2019)

Was für eine schöne Platte das! Wenn Ben Monder sich durch die Musikgeschichte, nicht nur des Jazz, bewegt, tupft er zupfend wunderbare Linien und Farben in die Ohren seiner Zuhörendenschaft. Selbst Messiaens „O Sacrum Convivium” klingt bezaubernd süß – wie hingegossen. Dass er auch den „Goldfinger” kann, belegt er auf der zweiten CD, die im Trio eingespielt wurde, die insgesamt ein bisschen schwächer ausfällt. Gerne gehört. Ben Monder: Day After Day / 2 CDs Sunnyside Records Ben Monder: electric & acoutic guitar Matt Brewer: electric & acoutic bass Ted Poor:

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