14. Juli 2020 nmz – HörBar – täglich dabei und abgeört
Lorenz Kellhuber Trio: Samadhi (2019)

Lorenz Kellhuber Trio: Samadhi (2019)

Wenn schon, denn schon. Musikalisches Risiko ist ohne Anternative. Im Zentrum dieser Aufnahme steht eine 51-minütige Improvisation. Das Trio mit Lorenz Kellhuber, Felix Henkelhausen und Moritz Baumgärtner lässt es geschehen. Live im Theater Regensburg im Dezember 2018 aufgenommen, kann man und muss man sich dem Klangfunkenflug überlassen. Ohne Eintauchen wird es nichts werden, doch seine Ohren und sein Gehirn muss man dazu nicht abgeben. Diese sind gefordert, mithörend mitzuimprovisieren. Beiläufig geht hier gar nichts. Dieses Jazztrio macht es einem alles andere als leicht dabei. Ohne extremes Hochdrehen von Virtuositätsgeplänkel treiben

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Frank Niehusmann / Hainer Wörmann – Kabel

Frank Niehusmann / Hainer Wörmann – Kabel

Eine Musik, bei der man nicht mehr ruhig sitzen kann, eine Herausforderung an das Nichtfassbare. Nicht nur, dass da die Klänge häufig in einer Zersplitterung herumblitzen, die gleichwohl bei allen von Kabel 1 bis 6 durchzifferten Stücken ein intern (homogenes)  Geräuschfeld aufbauen (das heißt schlicht, man kann zwischen den Tracks unterscheiden!). Die Kabel-Tracks sind von einer akustischen Intensität, zwischen Gewalt und Leere, dass man hörend weit weg sein dürfte von Gedanken ewiger musikalischer Kontemplation. Man kann den Klängen nicht trauen! Wenn denn dann mal ein Rauschband wie in Kabel 6

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Michael Formanek – Elusion Quartet: Time like This (2018)

Sich durchkreuzende Spiele, die gleichwohl eine atmosphärische Seligkeit verheißen. So geht es los. Es folgen expressivere Passagen wie im Duo aus Bass und Schlagzeug auf Track zwei. Langsam ergänzt sich Musik zum Quartett. Ein Zauberwerk aus zunächst folgen frei fließenden Einzelbewegungen, die sich dann wie von selbst verbinden – und wieder auseinanderströmen. Melodisch und rhythmisch außerordentlich komplex und doch zugleich nicht verwirrend. Bezaubernd luftig und intensiv dicht. Faszinierend wie sich das auch von CD mitteilt. Michael Formanek: Time like This Intakt Records Michael Formanek: Double Bass Tony Malaby: Tenor and

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Swiss Jazz Orchestra: Swiss Jazz Orchestra & Guillermo Klein (2019)

13 Tracks mit wunderbar ausbalancierten Arrangements. Nicht knallig, sondern subtil gestrickte Stücke, die einen einfach mitnehmen. Zuweilen kammermusikalisch zurückgenommen, durchsichtig und frei von billigen Überrumpelungseffekten aus dem Handbuch musikgeschichtlicher Erfolgsverfahren. Dabei erreicht man gleichwohl eine Komplexität in den Sätzen, die wundersam wirken. Dazu und darein fügen sich dann exzellente Soli der Einzelmusikerinnen. Klasse! Swiss Jazz Orchestra: Swiss Jazz Orchestra & Guillermo Klein Sunnyside Records Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von open.spotify.com zu laden. Inhalt laden

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Ben Monder: Day After Day (2019)

Was für eine schöne Platte das! Wenn Ben Monder sich durch die Musikgeschichte, nicht nur des Jazz, bewegt, tupft er zupfend wunderbare Linien und Farben in die Ohren seiner Zuhörendenschaft. Selbst Messiaens „O Sacrum Convivium” klingt bezaubernd süß – wie hingegossen. Dass er auch den „Goldfinger” kann, belegt er auf der zweiten CD, die im Trio eingespielt wurde, die insgesamt ein bisschen schwächer ausfällt. Gerne gehört. Ben Monder: Day After Day / 2 CDs Sunnyside Records Ben Monder: electric & acoutic guitar Matt Brewer: electric & acoutic bass Ted Poor:

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Greg Reitan: West 6oth (2019)

Hat man auch nicht alle Tage, dass ein Kopfstück einer Jazztrio-CD den Titel „Hindemith“ trägt. Das Stück sitzt und ist auf den Punkt durchdacht. Kraftvoll, rhythmisch und harmonisch en bloc durchgestaltet. Überhaupt: Keine Langeweile kommt auf, weil jeder Track für sich stehen kann, seine eigene Farbigkeit hat, seine eigene musikalische Struktur ausbildet. Und es fließt dabei in ganz selbstverständlich dahin. Selbst der skurille „Hindemith“ schießt davon. Besonders die langsamen Tracks „When You Are Near” und sein solo auf “Four Piano Blues, Movement No. 3” gelingen in zärtlicher Süße und tiefer

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Denny Zeitlin: Remembering Miles (2019)

Eine ganze Scheibe voll mit Neuinterpretationen von Stücken des Trompeters Miles Davis. Transformiert als Standards aufs Klavier solo. Wobei man die Originale schon ein bisschen unter der Verarbeitungstechnik des Pianisten suchen muss – oder darf. Da löst sich die Musik in den Stücken auf, zerstäubt sich in alle musikalische Winde, setzt sich wieder (neu) zusammen. Gewitzt könnte man sagen und die Sache hochhängen: Alles Dekonstruktion. Das stimmt aber nicht. Die Zeitlin-Poetik überformt die Originale und macht aus ihnen eben Eigenes. Das ist wunderbar gespielt. Zeitlinstones für 2019. Denny Zeitlin: Remembering

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CD-Cover

Frederico Albanese: The Twelve (2019)

Im Lande des Halls ist alles möglich. Auch diese in sich kreisende und auf der Stelle tretende Musik. Es ist ja nicht so, dass das alles ohne Kunstfertigkeit geschehen würde. So wie ja auch poliertes Chrom an Autofahrzeugen einen Reiz ausübt. Der aufs Auge, dieser aufs Ohr. Der Dreiklang-Terror ist hier noch ein bisschen gebändigt in einem verlangsamten Wechselnoten-Tornado. Wer da sagt, das alles gehe schon in Ordnung, schließlich ist es ja ein Motion Picture Soundtrack, darf damit gerne leben bis ans Ende der Zeit. Die „Neuen Meister“ von heute

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Rainer Böhm + Norbert Scholly: El Movimiento del Gato Negro [2019]

Erstaunlich gut mischen sich Klavier- und Gitarrenklang beim Zusammenspiel von Rainer Böhm und Norbert Scholly. Klar, beides sind Saiteninstrumente – damit ähnlich, das eine Instrument gehämmert, das andere gezupft. Aber die Gefahr liegt da nur einen fingernagelbreit entfernt. Die Klangfarben können sich beißen. Könnten sie. Tun sie hier nicht. Sie verschmelzen sogar wunderbar wie auf dem unisono beginnenden Hochgeschwindigkeits-Stück Train Game (Track 2). Groß ebenfalls, welche Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten den beiden im Duo offenstehen. Lyrisch-substanziell bei “Unstet” (Track 3), irrend-rhythmisch bei „El Movimento del Gato Negro“ (Track 4), hymnisch bei

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Håkon Kornstad Trio: Im Treibhaus [2019]

Skandinavischer Jazz trifft auf romantische Opern- und Liedliteratur. Ohne Vorhang, ohne Inszenierung, nur mit drei Musikerinnen in der nicht gerade verbreiteten Besetzung aus Blasinstrument, Akkordeon und Kontrabaß. Eine Musi-Besetzung, geeignet auch für ein Tingeln durch Wirtshäuser, Cafés, städtische Transportmittel oder Wohnzimmer. So klingt es dann auch, schmusig, offenporig, warm und geschmeidig. Dabei natürlich virtuos im Detail. Geschmackvoll, wie Kornstad die Arien singt, offensichtlich ausgebildet als ein Opernsinger versteht er sich am Saxophon in jazztypischer Phrasierung. Die Freiheiten, die sich das Trio nimmt, um beispielsweise „Di tu se fedele“ (Verdi) einzuleiten,

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