2. Oktober 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Xenakis - Electroacoustic Works

Xenakis – Electroacoustic Works

«Erstmals liegt nun Xenakis’ elektroakustisches Gesamtwerk auf Tonträger vor. Jahrelange Quellenstudien und vergleichende Recherchen ermöglichten in Zusammenarbeit mit dem Tonmeister Martin Wurmnest kritisch reflektierte Stereo-Mixe, die von Rashad Becker entsprechend gemastered wurden und die neben dem Aspekt der Quellentreue den Hörer in den Mittelpunkt stellen: Xenakis‘ Musik kann man genießen.» Kann man! Da denkt man zunächst, was gibt es denn hier noch zu machen. Viele der Stücke sind doch schon mal veröffentlicht worden. Zugegeben: Für mich wären die Unterschiede zwischen den alten und den neuen Versionen sicher kaum wahrnehmbar. Was

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Khadija Zeynalova: Heinrich and Leyla

Khadija Zeynalova: Heinrich and Leyla

Ein Stück Programmmusik: „Heinrich and Leyla“ spielt programmatisch im zweiten Weltkrieg und thematisiert eine Liebegeschichte unter Bedingungen des Terrors. «Das Hauptthema dieses dramatischen Werks ist eine große Liebesbeziehung zwischen Heinrich, deutscher Abstammung und Leyla, aserbaidschanischer Abstammung. Die Ereignisse im Werk spielen sich 1942 in der aserbaidschanischen Stadt Annenfeld (heute Schämkir) ab.» Die Komposition beruht auf dem gleichnamigen Roman von Amir Pahlavan. Das ist berührend, traurig, bitter. Zum Verzweifeln. Wie Menschen unter dem Diktat terroristischer Ambitionen (hier von Hitler und Stalin) in dieser zerworfenen Welt der puren Boshaftigkeit keinen Raum mehr

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rand – Peripherie

rand – Peripherie

Es gibt solche und solche. In der Selbstbeschreibung ihres Soundworks geben der Pianist und der Producer Dr. Nojoke ohne Witz an, diese Musik könnte Fans von «Nils Frahm, Alva Noto & Ryuichi Sakamoto, Bing  Ruth, Erased Tapes …» interessieren. Stichworte sind «Ambient, Glitch, Modern Classical Music und Clicks & Cuts». Wer oberflächlich in die Platte reinhört, erkennt all das wieder. Eine weitgehend ruhig dahin zerfließende Musik aus Klavierklängen umschwirrt von allerlei «Electronica». Oder umgekehrt, wenn die Klavierklänge darin eingebettet sind. Das ist in allererster Linie eine genussvolle Angelegenheit und stimmig

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Eres Holz – Touching Universes

Eres Holz – Touching Universes

«MACH – so steht es in der Partitur des Orgelstücks – sei ‹eine Art Einladung, das zu machen, was nicht trivial ist›», schreibt Ingo Dorfmüller in seinen Line-Notes zu dieser Portrait-Doppel-CD des Komponisten Eres Holz, die bei NEOS kürzlich veröffentlicht worden ist. Vier mal MACH auf CD 1 mit Stücken für Orgel, Akkordeon, Harfe und Violoncello. Eine «Art Einladung, das zu machen, was nicht trivial ist»: Das ist so höflich gesagt, wie es auch gemeint ist. Es zeugt zugleich vom Bekenntnis, der Trivialität Grenzen zu setzen. Sowohl interpretatorisch wie kompositorisch.

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SteDaJoDa: Schwebend

SteDaJoDa: Schwebend

Und gleich wieder so eine Schraubwerkstattmusik mit zwei Kontrabässen, Schlagzeug und Gitarre. Ein Quartett murkelt und werkelt mit, wie man es nennt, erweiterten Spieltechniken in dieser hochentzündlichen Instrumentalkombination sechs Stücke zu wirklich teils wilden, teils sich luftig verflüchtigendem Klanggebilden. Eine Musikmaschine wird da in Gang gehalten im guten alten Horchhin-Stil. Dabei kommt in der Tat etwas sehr Eigenes, Einzigartiges heraus. Gold machen sie damit zwar nicht und selbst das stattdessen erzeugte musikalische Porzellan wirkt eher wie nach einem Polterabend – aber doch erkennt man die teils feine Bemalung im Haufen

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Day & Taxi: Run, The Darkness Will Come!

DAY & TAXI: Run, The Darkness Will Come!

«Unbeeindruckt von Trends bewegt sich DAY & TAXI autonom und unverkennbar an der Schnittstelle von Komposition und Improvisation. DAY & TAXI spielt zeitgenössische Musik, die sich der Vergangenheit bewusst ist, die Gegenwart wahrnimmt und die Zukunft anvisiert.» Schön gesagt. Die Frage ist aber stimmt das auch? Ja, es stimmt, es ist auch gar nicht bezweifelbar. Denn wie sollte man das auch be- oder widerlegen können. Als Kritiker:in könnte man genauso gut sagen: Nö, das kann ich nicht so wahrnehmen. Was ich höre: Das Trio mit Sax, Bass und Schlagzeug gehört

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Satie – Celloland

Satie – Celloland

Eine Selbstläuferin, so eine CD mit 10 Tracks, die auf Bearbeitungen von Klavierwerken Erik Saties beruhen und die mittlerweile auch in der stillen Raucherecke des musikalischen Pausenhofs niemanden mehr erschüttern. Das Quartett hier macht es sich auch nicht besonders schwer. Es setzt auf die Gymnopedies und die Gnossiennen. Ein Schwan von Camille Saint-Saëns gesellt sich an Position Nr. 3 ohne dabei rot zu werden, allerdings hat er wohl sein Herz verloren. Komplettiert wird das alles mit dem Stück „Portugal“ des Cellisten Burkard Maria Weber. Das alles läuft und läuft und

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Iconoclast – Demolition Of Wisdom

Iconoclast – Demolition Of Wisdom

Auch so eine Platte, die mit großem „Hallo“ startet. Rambazamba mit Schlagwerk und Saxophon(en). Und dann folgen weitere 19 Tracks, die das Versprechen des ersten Stücks immer weniger einlösen. Das Duo Julie Joslyn und Leo Ciesa verspricht eine Welt „of rhythmic invention, chaotic melodies, a fusion of heart and mind. Release yourself from your expectations. Demolition of Wisdom will answer all your questions.“ Nun, ich hätte da noch eine Frage: Warum dauert das erste Stück mit dem Titel „Four Forgotten Minutes“ exakt sechs Minuten? Okay. Die Bilderstürmer sind unterwegs und

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Vismala / Neander – Digital Shaman

Vismala / Neander – Digital Shaman

Sympathische Fusion-Music, die laut Beipackzettel „die musikalischen Grenzen zwischen ROCK, JAZZ, FUNK und WORLD neu“ auslotet. Neu? Neu?? Neu????? Gute Frage, aber beim Ausloten ist immer Platz nach oben, nach unten und zur Seite. „Digital Shaman ist ein Album voller Überraschungen, das dem Fusion– Genre neues Leben einhaucht.“ Wer kann da also Nein dazu sagen? Eben. Ernsthaft: Der Titel allein schon ist ziemlich geil: „Digital Shaman“. Da muss ich jedoch eher an das Art Ensemble Of Chicago der 60er- bis 80er-Jahre denken, denn so geili (sic!) der Titel der Doppel-CD

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Frank Fusion Trio – My Place

Frank Fusion Trio – My Place

Gefällt! Acht Musiker:innen firmieren als Trio. Warum nicht! Denn darüber macht man sich keine großen Gedanken, wenn das Kollektiv den Volume-Regler aufdreht. Da rumpelt es im Gebälk. Man kann nicht genug von dieser überaus frischen Musik bekommen. Eine durchweg reichhaltige Mischung aus Noise in der Tex- und Gradlinigkeit in der Struktur, die nicht selten die „Grenzen“ zur Rockmusik mehr als deutlich überschreitet. Und gleichwohl klingen Powerwerke wie „Crazy Witch“ nicht nach alter aufgewärmter Wurst. Meisterhaft! Ein Track, der wie eine 22-Minuten-Orgie wirkt, aber tatsächlich in unter fünf Minuten die Flimmerhärchen

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Phraim: Hysteria

Phraim – Hysteria

Man wird nicht ganz warm mit dieser neuen Platte von Phraim, dem schweiz-österreichischen Quartett von Kollektivkomponist:innen. Ich habe mir die Scheibe bestimmt drei bis fünf mal angehört. Woran man merken möchte, dass mir das Werk in den acht Tracks sowohl ans Herz gewachsen ist, weil ich durchwegs zu spüren meite, dass die vier Musiker:innen einer großen Sache auf der Spur sind (und ich gerne bei der Suche hörend mitzuhelfen sehr die Neigung verspürte), leider jedoch war die zur Hörhilfe gerreichte Schatzkarte innermusikalisch ziemlich wischiwaschi, unscharf und verwaschen. Was heißt das?

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Jazando Guitar Duo – La Fiesta

Jazando Guitar Duo – La Fiesta

Ganz fein und musikalisch durchaus spektakulär: Das Duo Edelhoff & Steiner hat sich auf 15 Tracks mit klassischen Werken der Gitarrenliteratur (Heitor Villa-Lobos, Manuel de Falla, Francisco Tárrega und Arturo Márquez), des Jazz (Egberto Gismonti, Charlie Haden und Chick Corea) und dem Tango Nuevo (Piazolla) in Verbindung gesetzt – connected! Es geht also auch mal ohne Auseinandersetzung, ohne Rekombination oder (De-)-Konstruktion etcetera. So fallen die Kompositionen auf einen fruchtbaren musikalischen Boden und die entfernten Genres kreuzen sich auf den hier dann 12 Saiten der beiden Gitarren, bezogen die eine mit

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