18. November 2019 nmz – HörBar – täglich dabei und abgeört

Peter Tchaikovsky: Symphony No. 6 „Pathétique“ – Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Mit einem neuen Chefdirigenten ist es wie mit einem neu verpflichteten Trainer einer international erfolgreichen Mannschaft: Man weiß mit stolz geschwellter Brust, dass man zur Spitze gehört und gehören wird. Das erste, spielerisch gewonnene Match wird rasch als Vorgeschmack auf künftige große Erfolge gedeutet. So auch in der noch jungen Ehe zwischen den Berliner Philharmonikern und Kirill Petrenko, noch dazu in einem Vorwort des Orchestervorstands. Freilich: In Berlin wählen sich die Musiker ihren Chef selbst. Doch war wenigstens für einen Moment auch außerhalb ein Hype zu verspüren, ausgelöst durch das

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Mieczyslaw Weinberg: Symphony No. 2 / Symphony No. 21 „Kaddish“

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Irgendwie konnte sich die Deutsche Grammophon nie so recht entscheiden, wie sie ihr bestes Markenzeichen gestaltet. Einige Jahre war das prägende „Gelb-Label“ gar vollständig vom Cover verdrängt bzw. unscheinbar in die Ecke gestellt, nun ist es seit einiger Zeit wieder vermehrt präsent. Gut so, sagt sich der Sammler. Er kann im bedrohten Wald des CD-Marktes auf diese Weise auch leichter zwischen Baum und Borke unterscheiden. Wer aber hat schon einmal genauer hingesehen? Da stehen in fetten Lettern einmal Komponist und Werk, ein anderes Mal aber die Interpreten. Und die Reihenfolge

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Sir Richard Rodney Bennett: Orchestral Works Vol. 3 – BBC Scottish Symphony Orchestra, John Wilson

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Eher die Musik als seinen Namen wird man aus einem Abspann kennen: denn Richard Rodney Bennett schrieb den Filmscore zu dem Kino-Klassiker Mord im Orient-Express (1974). Von ihm selbst lediglich als „musikalischer Journalismus“ abgewertet, brachte diese Arbeit dennoch ökonomische Sicherheit (nachdem Bennett bereits Schriften von Pierre Boulez ins Englische übersetzt hatte). Sein übriges Schaffen ist hierzulande aber noch immer unbekannt. Daran könnte die sorgfältige Einspielung seiner Orchesterwerke vielleicht etwas ändern. Jedenfalls fächern John Wilson und das BBC Scottish Symphony Orchestra das alles andere als einseitige Œuvre in seiner ganzen stilistischen

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Gustav Mahler: Titan. Eine Tondichtung in Symphonieform – Les Siècles, François-Xavier Roth

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Bereits die Werkbezeichnung der Komposition macht bei dieser CD klar, welche Fassung gespielt wird: nicht etwa die Erste Sinfonie mit dem ausgeschiedenen „Blumine“-Satz, sondern vielmehr die als „Titan“ bezeichnete mehrsätzige Sinfonische Dichtung, wie sie am 27. Oktober 1893 in Hamburg uraufgeführt wurde. Mehr noch: François-Xavier Roth und sein Ensemble, besser: Orchester Les Siècles haben auf Originalinstrumenten genau jenen Ton in fabelhafter Weise getroffen, der Mahler wohl vorgeschwebt hat. Und so wird hier wirklich etwas aus der Natur in Tönen lebendig – im Detail peinlichst ausgehört und technisch brillant umgesetzt, bisweilen

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Jet Set! Classical Glitterati – The New Dutch Academy

Teil 3 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Mit dem Titel dieses Albums darf man sich schwertun. Denn weder den langjährigen Goethe-Vertrauten Carl Friedrich Zelter (1758–1832) noch den in London wirkenden Carl Friedrich Abel (1723–1787) darf man zum schicken Jetset zählen (ob nun mit oder ohne Jet). Auch die Bezeichnung „Classical Glitterati“ ist nicht gerade glücklich gewählt. Dazu ist Zelters Bratschenkonzert (ein seltenes Original) von der Erfindung und Ausarbeitung her einfach zu bieder. Aber diese Sinfonien von Abel! Wer hier nur milde lächelt, sollte seine Ohren spitzen. Denn es sind Werke von stupender thematischer Erfindung und unglaublichem Reiz.

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Wolfgang Amadeus Mozart: Le Testament Symphonique – Le Concert des Nations, Jordi Savall

Teil 2 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Mozarts später Sinfonien-Trias nimmt sich Jordi Savall in gewohnt enzyklopädischer Weise an: mit einem dicken mehrsprachigen Booklet, aber auch auf einer Doppel-CD, die den Bezug der Werke untereinander herstellen soll. Die doppelte Abbildung von KV 550 ermöglicht es, einmal die Sinfonien in Es-Dur und g-Moll, ein anderes Mal die in g-Moll und C-Dur unmittelbar aufeinander folgend zu hören (wenn man nicht ohnehin eine kleine Pause machen möchte). Warum dies aber mit derselben Einspielung geschieht, bliebt ein Rätsel; jedenfalls hätte sich bei einer solchen Disposition die Produktion beider „Fassungen“ geradezu angeboten

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François-Joseph Gossec: Symphonies op. IV – Deutsche Kammerakademie Neuss, Simon Gaudenz

Teil 1 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09

Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass dieses Opus 4 im Jahre 1759 gedruckt wurde – so modern ist es und so klar ist darin schon die Zukunft der Gattung zu erkennen. Die Mannheimer Schule mit ihren Manieren lugt dabei aus allen Ecken und Enden hervor. Tatsächlich war François-Joseph Gossec (1734–1829) kein gestriger Komponist, er avancierte in Paris zu einem gefragten Kapellmeister und Komponisten. Als „offizieller Komponist“ der französischen Revolution schuf er zahlreiche Gebrauchsmusiken, die ebenso funktional wie herausragend waren. Vielleicht ist also mit dieser CD endlich ein Anfang gemacht,

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CD-Cover

Frederico Albanese: The Twelve (2019)

Im Lande des Halls ist alles möglich. Auch diese in sich kreisende und auf der Stelle tretende Musik. Es ist ja nicht so, dass das alles ohne Kunstfertigkeit geschehen würde. So wie ja auch poliertes Chrom an Autofahrzeugen einen Reiz ausübt. Der aufs Auge, dieser aufs Ohr. Der Dreiklang-Terror ist hier noch ein bisschen gebändigt in einem verlangsamten Wechselnoten-Tornado. Wer da sagt, das alles gehe schon in Ordnung, schließlich ist es ja ein Motion Picture Soundtrack, darf damit gerne leben bis ans Ende der Zeit. Die „Neuen Meister“ von heute

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Si j’ai aimé: Französische Orchesterlieder von Berlioz und anderen – Le Concert de la Loge, Julien Chauvin

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Ein glitzerndes Collier musikalischer Edelsteine wird hier in einer fraglos hochkarätigen Einspielung geboten. Bei ihr drängt sich nichts orchestral auf, vielmehr erscheint manches in vollkommen neuem klanglichem Gewand, wie etwa die bekannte Villanelle aus den Nuits d’été von Hector Berlioz. Geradezu entzückend klingt das übersichtlich besetzte Concert de la Loge auf historischen Instrumenten (seinen bisherigen, aus einer etablierten Konzertreihe des ausgehenden 18. Jahrhunderts stammenden Zusatz „olympique“ hat das Olympische Komitee kassieren lassen – was für eine verrückte, markengeile, geschichtslose Welt). Sandrine Piau singt das präsentierte Repertoire herrlich unforciert mit viel

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Jean Sibelius: Lemminkäinen Suite op. 22 u.a. – BBC Symphony Orchestra, Sakari Oramo

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Diese Produktion hat mich enttäuscht, obwohl ich einige Einspielungen unter der Leitung von Sakari Oramo wirklich schätze, etwa die der Sibelius-Sinfonien von vor 15 Jahren. Hier aber rauscht die vierteilige Lemminkäinen Suite op. 22, eines der mir in Sibelius’ Schaffen liebsten Werke, ohne jeden inneren Nachhall vorüber. Zwar professionell gespielt, mutet sie im ganzen ungeschliffen an, ohne Atmosphäre oder Imagination – zumal im direkten Hörvergleich zu der älteren Einspielung von Mikko Franck mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra, die es eigentlich in jeder Sammlung geben sollte (Ondine). Jean Sibelius: Lemminkäinen

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Felix Mendelssohn: Mendelssohn in Birmingham – Vol. 5

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Sammler aufgepasst! Zwar wird diese CD als fünfte Folge der Reihe „Mendelssohn in Birmingham“ gezählt, doch finden sich unter den acht eingespielten Werken nicht weniger als drei Reprisen. Und dennoch wird man die als Konzertouvertüren konzipierten oder als solche aufführbaren Kompositionen (Paulus, Athalia) kaum in einer vergleichbaren Zusammenstellung finden. Versiert aufspielend, gelingt es dem traditionsreichen Klangkörper allerdings nicht, den zahlreiche Passagen prägenden Elfen-Ton zu treffen. Das muss nicht von Nachteil sein, klingt so doch manch genialer Wurf einfach nur ein paar Jahre älter und ernster – und damit im Sinne

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Chameleon: Werke von Georg Philipp Telemann – New Collegium

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Telemann hat wahrlich viel geschrieben – aber ein Vielschreiber war er keinesfalls. Weit eher könnte man sagen, dass er es auf wunderbare Weise verstand, die unterschiedlichen nationalen Stile seiner Zeit kompositorisch originell zu bedienen und (mehr noch) zu vermischen. Der Titel dieses Albums spielt darauf an: Telemann als ein musikalisches Chamäleon. Doch auch das eingespielte Programm gleicht einer Tarnkappe: Neben zwei vollständigen Sonaten, einem raren Concerto und einem Quartett finden sich viele Einzelsätze mit spezifischen (Klang-)Reizen – von dem niederländischen Ensemble „New Collegium“ wirklich als Kammermusik interpretiert und gespielt. Ein

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