20. September 2019 nmz – HörBar – täglich dabei und abgeört
CD-Cover

Frederico Albanese: The Twelve (2019)

Im Lande des Halls ist alles möglich. Auch diese in sich kreisende und auf der Stelle tretende Musik. Es ist ja nicht so, dass das alles ohne Kunstfertigkeit geschehen würde. So wie ja auch poliertes Chrom an Autofahrzeugen einen Reiz ausübt. Der aufs Auge, dieser aufs Ohr. Der Dreiklang-Terror ist hier noch ein bisschen gebändigt in einem verlangsamten Wechselnoten-Tornado. Wer da sagt, das alles gehe schon in Ordnung, schließlich ist es ja ein Motion Picture Soundtrack, darf damit gerne leben bis ans Ende der Zeit. Die „Neuen Meister“ von heute

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Si j’ai aimé: Französische Orchesterlieder von Berlioz und anderen – Le Concert de la Loge, Julien Chauvin

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Ein glitzerndes Collier musikalischer Edelsteine wird hier in einer fraglos hochkarätigen Einspielung geboten. Bei ihr drängt sich nichts orchestral auf, vielmehr erscheint manches in vollkommen neuem klanglichem Gewand, wie etwa die bekannte Villanelle aus den Nuits d’été von Hector Berlioz. Geradezu entzückend klingt das übersichtlich besetzte Concert de la Loge auf historischen Instrumenten (seinen bisherigen, aus einer etablierten Konzertreihe des ausgehenden 18. Jahrhunderts stammenden Zusatz „olympique“ hat das Olympische Komitee kassieren lassen – was für eine verrückte, markengeile, geschichtslose Welt). Sandrine Piau singt das präsentierte Repertoire herrlich unforciert mit viel

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Jean Sibelius: Lemminkäinen Suite op. 22 u.a. – BBC Symphony Orchestra, Sakari Oramo

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Diese Produktion hat mich enttäuscht, obwohl ich einige Einspielungen unter der Leitung von Sakari Oramo wirklich schätze, etwa die der Sibelius-Sinfonien von vor 15 Jahren. Hier aber rauscht die vierteilige Lemminkäinen Suite op. 22, eines der mir in Sibelius’ Schaffen liebsten Werke, ohne jeden inneren Nachhall vorüber. Zwar professionell gespielt, mutet sie im ganzen ungeschliffen an, ohne Atmosphäre oder Imagination – zumal im direkten Hörvergleich zu der älteren Einspielung von Mikko Franck mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra, die es eigentlich in jeder Sammlung geben sollte (Ondine). Jean Sibelius: Lemminkäinen

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Felix Mendelssohn: Mendelssohn in Birmingham – Vol. 5

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Sammler aufgepasst! Zwar wird diese CD als fünfte Folge der Reihe „Mendelssohn in Birmingham“ gezählt, doch finden sich unter den acht eingespielten Werken nicht weniger als drei Reprisen. Und dennoch wird man die als Konzertouvertüren konzipierten oder als solche aufführbaren Kompositionen (Paulus, Athalia) kaum in einer vergleichbaren Zusammenstellung finden. Versiert aufspielend, gelingt es dem traditionsreichen Klangkörper allerdings nicht, den zahlreiche Passagen prägenden Elfen-Ton zu treffen. Das muss nicht von Nachteil sein, klingt so doch manch genialer Wurf einfach nur ein paar Jahre älter und ernster – und damit im Sinne

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Chameleon: Werke von Georg Philipp Telemann – New Collegium

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Telemann hat wahrlich viel geschrieben – aber ein Vielschreiber war er keinesfalls. Weit eher könnte man sagen, dass er es auf wunderbare Weise verstand, die unterschiedlichen nationalen Stile seiner Zeit kompositorisch originell zu bedienen und (mehr noch) zu vermischen. Der Titel dieses Albums spielt darauf an: Telemann als ein musikalisches Chamäleon. Doch auch das eingespielte Programm gleicht einer Tarnkappe: Neben zwei vollständigen Sonaten, einem raren Concerto und einem Quartett finden sich viele Einzelsätze mit spezifischen (Klang-)Reizen – von dem niederländischen Ensemble „New Collegium“ wirklich als Kammermusik interpretiert und gespielt. Ein

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Pianistische Miniaturen von Komponistinnen – Viviane Goergen (Klavier)

Teil 3 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Dies ist eine dieser CDs, die gemischte Gefühle aufkommen lässt. Natürlich handelt es sich um durchweg hörenswerte Musik. Doch wer wirklich etwas für Komponistinnen von einst tun möchte, der sollte (wo möglich) sich auf Werke aus gewichtigeren Gattungen als dem charakteristischen Klavierstück fokussieren. Denn was Viviane Goergen präsentiert, ist eine Folge von interessanten Piècen – wenig für eine Expedition, an deren Ende eine wie auch immer geartete Form der musikgeschichtlichen Rehabilitation stehen soll. Wunder sind also nicht zu erwarten. Pianistische Miniaturen von Komponistinnen: Werke von Mel Bonis, M. Roesgen-Champion, O. Sikóva-Dvořákóva,

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Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2 – Stuttgarter Philharmoniker, Gabriel Feltz

Teil 2 von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Auch wenn diese frisch erschienene Aufnahme sechs Jahre alt ist, sagt sie viel über die Qualität der deutschen Orchesterlandschaft aus: Live in einem Konzert aufgenommen, zeigt sie die stupende Leistungsfähigkeit eines Klangkörpers (zumal angesichts der Mitbewerber in der schwäbischen Metropole). Doch nicht nur diese sich in der Auferstehung befreiende Sinfonie, sondern auch alle bisher erschienenen Folgen des Zyklus (nur Nr. 8 und Nr. 9 fehlen noch) haben einen charakteristischen Tonfall, der die Brücke schlägt zwischen emotional agitativem Zugriff und rational engagiertem Musizieren. Insofern drängt sich hier auch keine subjektive Sichtweise

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Kantaten der Bach-Familie: Werke von Heinrich, Johann Christoph, Johann Michael und Johann Sebastian Bach

Kantaten der Bach-Familie: Werke von Heinrich, Johann Christoph, Johann Michael und Johann Sebastian Bach

Teil von 7 in Michael Kubes HörBar #007 – 2019/07

Der Kenner der Materie darf sich bei der Lektüre des Booklets wundern: Mit keinem Wort wird das so genannte „Altbachische Archiv“ mit seinem Bestand und seiner Überlieferungsgeschichte erwähnt – seltsam. Dabei entstammen alle Werke der älteren Bach-Generation diesem musikgeschichtlichen Schatz (hinzu kommt folgerichtig Bachs frühe Kantate „Christ lag in Todesbanden“ BWV 4). Neuheiten gibt es bei dieser Einspielung also nicht zu entdecken. Auch interpretatorisch dokumentiert sich nur ein hohes Niveau, ohne dass Sänger und Ensemble den Hörer anzurühren vermögen – ganz im Gegensatz übrigens zu der legendären Einspielung von Musica

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Antonio Vivaldi: Dorilla in Tempe RV 709 (2014/17)

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Es gibt tatsächlich Gesamteinspielungen, die nicht klotzen oder in abgefeierten Archiven graben, sondern in erstaunlicher Ruhe Schritt für Schritt und damit in gleichbleibend herausragender Qualität und aufführungspraktisch auf Höhe der Zeit voranschreiten. Einer dieser raren Glücksfälle am umkämpften Tonträgermarkt (besser wohl: der aktuell einzige) ist fraglos die vom französi­schen Label Naïve produzierte Vivaldi Edition. Sie kann auch in der 55. Folge noch immer überraschen – hier mit der Oper Dorilla in Tempe von 1726, eingespielt in der letzten Fassung von 1734 mit nicht weniger als acht von Vivaldi selbst eingelegten

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Splendid Harmony: 17th Century Instrumental Music by Students of Heinrich Schütz (2015)

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Thieme, Furchheim, Vierdanck, Löwe und Pohle. Fünf Namen von fünf Komponi­sten, Instrumentalisten und Kapellmeistern des 17. Jahrhunderts, die bei einem Spezialisten vermutlich die Augen sofort feucht werden lassen. Doch auch wer sich in dieser Zeit nicht so gut auskennt, wird von den hier vorgelegten Werken in all ihrer stilistischen Vielfalt sofort überzeugt – mit klanglicher Wärme, rhythmischem Feuer, kenntnisreich und in opulenter Besetzung gespielt durch das bereits 1983 gegründete Ensemble L’Arpa Festante. Zu hören sind aber nicht allein prachtvolle Harmonien, sondern ein Feuerwerk frühbarocker Formen, mit betont homophoner oder auch

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Johann Peter Kellner: Sacred Cantatas (2015)

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Man kennt seinen Namen aus dem Umkreis von Johann Sebastian Bach. Dass Johann Peter Kellner (1705–1772) aber neben zahlreichen Orgelwerken auch Kirchenkantaten hinterlassen hat, war bisher wohl nur der Forschung bekannt. Die gut komponierte, mit ihrer gefälligen Melodik und Harmonik oftmals gar entzückende Musik entstand zunächst für den eigenen liturgischen Bedarf im kleinen Gräfenroda – ein im 18. Jahrhundert offenbar äußerst musikalischer Ort inmitten des Thüringer Waldes. Cantus und Capella Thuringia interpretieren diese Entdeckungen glänzend vorbereitet und auf hohem Niveau. Besonderen Reiz erhält die Einspielung durch die restaurierte Kellner-Weise-Orgel in

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Tourbillons des Rameau – Teodoro Anzellotti (Akkordeon) (2017/18)

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Hier lässt der eigenwillige Klang des Akkordeons Rameaus Musik nachgerade transzendiert erscheinen – und zeigt damit ihre noch immer gegebene Modernität auf. So fügen sich dann auch die fünf knapp gefassten zeitgenössischen Interpolierungen nahtlos ein. Eine Konzept-CD, deren Aufnahmetechnik alles Klangliche und Geräuschhafte des von Teodoro Anzellotti virtuos gespielten Instruments verblüffend sinnlich vermittelt. Tourbillons des Rameau: Werke von Jean-Philippe Rameau, Xavier Dayer, Nadir Vassena, Brice Pauset, Eun-Hwa Cho, Fabio Nieder und Johannes Schöllhorn; Teodoro Anzellotti (Akkordeon) Winter & Winter 910 254-2 (2017/18)

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