9. Juni 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Joseph Weigl – Trios

Joseph Weigl – Trios

Eine Rarität in gleich mehrfacher Hinsicht. Zunächst dürfte Joseph Weigl (1766–1846) heute nur noch wenigen als Komponist ein Begriff sein, obwohl sein einst erfolgreiches Singspiel Die Schweizerfamilie hin und wieder wieder aufgeführt wird. Dann wird die ausgesprochen kammermusikalische Besetzung dieser sechs Trios verblüffen: Oboe, Violine und Violoncello. Und schließlich werden auch die Stücke selbst überraschen, die ungedruckt in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert sind. Drei von ihnen sind dreisätzig, drei weitere umfassen vier Sätze, zwei davon schließen gar eine Fuge ein. Es handelt sich um freundliche Musik zur Unterhaltung, die mit

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Widmann – Piano Music

Widmann – Piano Music

Wie klingt Jörg Widmann auf dem Klavier? Da seine kompositorische Ästhetik mit ihren zahlreichen Allusionen auch aus der Retrospektive auf das 19. Jahrhundert schöpft, scheinen seine kleinformatigen Werke für Klavier im ersten Moment eine verbindliche Nähe zur Vergangenheit herzustellen. Dass dies jedoch nicht ausreicht, zeigen bereits die Werke selbst: Tänze, Reminiscenses, Intermezzi und Humoresken mit überschaubarer Spielzeit stehen in ihrer Summe eher der Bagatelle und dem Charakterstück näher, als der Sonate oder freien Fantasie. Wie auch in anderen Werken wird dabei mit «Erinnerungsstücken» an bestimmte Sprachen gespielt, die sich abstrakt

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Hans Winterberg – Klaviersonaten

Hans Winterberg – Klaviersonaten

Er gehört zu den ungehörten Komponisten des 20. Jahrhunderts – und wird erst seit kurzem mit seinem bedeutenden Œuvre entdeckt. Hans Winterberg (1901–1991) gehört zu jenen, die sich nicht einfach verorten lassen. Und vielleicht war das auch der Grund, warum es um ihn still geblieben ist. Andererseits fordert einen seine Musik, denn sie fasst bei dem in Prag geborenen vieles aus West und Ost zusammen – irgendwo zwischen Paris und Prag, dem Kreis um Schönberg und Zemlinsky sowie einer tiefer sitzenden eigenen Melancholie. Alles Zutaten, die weder auf der breiten

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William Walton – Kammermusik

William Walton – Kammermusik

Eine überraschende Kombination von zwei sehr unterschiedlichen Werken bietet dies Album. Mehr aber noch gibt diese Produktion einen starken Vorgeschmack auf das, was uns allen in den kommenden Jahren bevorstehen könnte. Während viele Solisten, Ensembles und Orchester noch Wert auf ein aussagekräftiges Booklet legen, kommt das italienische Ensemble Kinari mit sehr wenigen Worten auf der inneren Klappe aus: zwei Sätze zum Ensemble (und ohne weiterführenden Link) und vier Sätze zum Programm. Wer sich mit «klassischer Musik» bei Spotify versorgt, wird nichts vermissen. Wer «physisch» unterwegs ist, wird sich verwundert die

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Witt – Sinfonien

Witt – Sinfonien

Musikalisch ist Friedrich Witt (1770–1836) kein Unbekannter. Wer seinen alten Schallplattenschrank durchforstet, findet womöglich eine Aufnahme seiner Sinfonie C-Dur, die nach einer voreiligen Zuschreibung durch Fritz Stein einmal als Jugendwerk Beethoven gehandelt wurde. Als dann klar war, dass es sich bei der Partitur um keinen echten «Beethoven» handelt, sondern «nur» um einen ordentlichen «Witt», öffneten sich die Türen zur Versenkung. Dabei versteht es der zuletzt in Würzburg wirkende Witt, mit seinen Sinfonien musikalisch bestens zu unterhalten (er schrieb außerdem reichlich Kirchenmusik). Obwohl von ETA Hoffmann mit einer gründlichen und positiven

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Modern Horn Trios

Modern Horn Trios

Mit dem Adjektiv «modern» ist das so eine Sache. Nicht nur, dass sich moderne Moden irgendwann wiederholen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie man von heute aus ein weiter zurückliegendes «Modern» definiert. Denn letztlich ist dies allein eine Frage der ästhetischen Haltung des jeweiligen Rezipienten. Und da wirkt dann der Titel dieses Albums doch etwas seltsam und verunglückt. Sind Charles Koechlin und Hermann Schroeder (1904–1984) mit ihren Horntrios aus den Jahren 1920 und 1967 wirklch so «modern» wie Hans Abrahamsen, John Cage oder György Ligeti, deren Partituren trotz weitgehender zeitlicher

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Helmut Lachenmann – My Melodies

Helmut Lachenmann – My Melodies

Melodien von Helmut Lachenmann? Keine Sorge! Hier findet keine radikal-revolutionäre Abkehr von einer über Jahrzehnte entwickelten, ganz eigenen Ästhetik statt, sondern eine Vertiefung. Natürlich sind keine «Melodien» im allgemein verkürzten Verständnis zu hören, wohl aber Klänge und Klangzustände, die das Ausgangsmaterial reflektieren. Im Zentrum dieser großen und weiträumigen Partitur mit einer Spielzeit von knapp 45 Minuten stehen acht Hörner – nicht konzertant im traditionellen Sinn, sondern oft genug als Atemgeber wie in den letzten Takten. Der Weg reicht dabei vom mächtigen Unisono über eine «wilde» Kadenz bis hin zu geräuschhaften

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Cor Basse – Teunis van der Zwart

Cor Basse – Teunis van der Zwart

Ein Album mit einem regelrechten «Wow-Effekt». Schon seit langem bin ich ein Freund historischer Blasinstrumente, zumal wenn es um die adäquate Realisation dereinst zeitgenössischer Musik geht. Vor allem die Holzbläser lassen in diesem Sinne immer wieder aufhorchen und zeigen, dass bestimmte Werke mit heutigen «modernen» Instrumenten irgendwie «falsch» klingen, auf jeden Fall aber ihren inneren Drive und die klangliche Vielfalt der Obertöne verloren haben. So auch beim Horn – nur dass mir lange Zeit der erhebliche Unterschied zwischen offenen und gestopften Tönen merkwürdig drastisch erschien und mehr Fragen als Antworten

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Horn Trios

Horn Trios

Eigentlich könnte die kleine Gruppe der Trios für Violine, Horn und Klavier zur Gattung «Klaviertrio» gezählt werden – wenn da nicht die Besetzung selbst und die damit verbundene spezifische Faktur wären. Denn das Horn drängt sich, ohne dass es durchgehend führen würde, klanglich als markanter Gegenpart in den Vordergrund, verlangt aber als Instrument mittlerer Lage eine Behandlung, die eben kein Violoncello substituiert. Der Bass verbleibt damit in der Regel in der linken Hand am Klavier. Kein Wunder also, dass dieses Album nicht das erste und einzige ist, das die Bezeichnung

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Horn Legacy – Hervé Joulain

Horn Legacy – Hervé Joulain

Da tönt es aus dem Wald heraus. Kein anderes Instrument steht in der europäischen Kulturgeschichte näher an der Natur, als das Horn. Gleich ob als schmetterndes Post- oder Waldhorn oder als modernes, vollchromatisches Ventilhorn: Die aus edlem Blech gewickelte Schnecke erfordert einen extrem sicheren Ansatz und viel Gefühl bei der Ausgestaltung der Linien. Ein halbes Jahrhundert schwelte der Streit um den ganz eigenen Klang des (gestopften) Naturhorns und seiner mechanisierten Variante bis hin zu Brahms’ melancholischem Trio. Heute wird diese bautechnische Differenz sogar als kompositorischer Aspekt wieder aufgegriffen… Etwas einfacher

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Beschenkt – Ensembles Modern

Beschenkt – Ensembles Modern

Ein Album, dass zum Philosophieren anregt – gleich mit den ersten Sätzen im Booklet: «Schenken ist eine heikle Angelegenheit. Was schenke ich wem zu welchem Anlass? Werden die Beschenkten meine Wahl verstehen? Gefallen daran finden? Ist der Wert angemessen oder überzogen? Bringt meine Gabe die Beschenkten in Verlegenheit? In Zugzwang? Besitzen Sie den geschenkten Gegenstand etwa schon und mögen es nicht zugeben? Ist die Freude echt? Oder eine Pflichtübung? Soll ich durchblicken lassen, dass ich das Spiel durchschaue? Oder einfach mitspielen?» (Michael Rebhahn). Rasch ist man dabei, die selbst gemachten

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