5. Dezember 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Franck 200 / Complete Orchestral Works

Franck 200 / Complete Orchestral Works

Die Archive der längst Geschichte gewordenen «Majors» sind offenbar nur bei den ganz großen Komponisten so gut und nahezu komplett gefüllt, dass man ohne aufwändige Neuproduktionen mit Geburtstagsboxen ein nahezu sicheres Geschäft zu machen glaubt. Denn zu einer wirklich vollständigen Box ist es im Jubeljahr von César Franck nicht gekommen. Man mag das bedauern – und doch hat es den Vorteil, nicht alles aus einer Hand zu bekommen und dabei einer einzigen favorisierten aufführungspraktischen und akustischen Ästhetik zu folgen. Selbst bei der vorliegenden Zusammenstellung sämtlicher Orchesterwerke mit dem Königl. Philharmonikern

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #071 – César Franck 200
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Franck 200 / Mélodie française

Franck 200 / Mélodie française

Noch immer ist diesseits des Rheins viel zu wenig bekannt über das französische Lied des 19. Jahrhunderts – und zwar sowohl über die «mélodie» als auch über «le lied». Eine der auf den ersten Blick kaum wahrgenommenen Lücken schließt dieses Doppelalbum mit den entsprechenden Kompositionen von César Franck. Und fast möchte es ausrufen: Wo anders als beim Label Bru Zane sollte solch eine Produktion erscheinen? Und dennoch: Die etwas weiträumig, zumindest indirekt wirkende Einspielung aus dem venezianischen Palazzetto erscheint mir nicht ganz angemessen für eine Gattung, die im Salon zuhause

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #071 – César Franck 200
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Franck 200 / Tanguy de Williencourt

Franck 200 / Tanguy de Williencourt

Oft genug wird die Werkzusammenstellung eines Albums von äußeren Vorgaben bestimmt. Dabei spielte früher (und spielt offenbar auch noch heute) die Frage der Auffindbarkeit eine große Rolle: Entweder werden bekannte Sinfonien und andere Orchesterwerke, Konzerte und Konzertstücke eingespielt. Oder es stehen gleich allein die Künstler und Ensembles im Rampenlicht mit (leider nur selten) kunstsinnigen oder (oft genug) bloß bunt zusammengestellten Recitals. Angesichts dieser merkwürdig anmutenden Vorgaben des Marktes erscheint das vorliegende Album mit Tanguy de Williencourt anders. Zwar stellt es eine Art Recital dar – der Pianist setzt in keinem

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #071 – César Franck 200
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Franck 200 / Eliot Quartett

Franck 200 / Eliot Quartett

Merkwürdigerweise ist das Streichquartett D-Dur von César Franck, das dieser 1889/90 nur wenige Monaten vor seinem Tod vollendete, kaum bekannt. Denn es wird hierzulande viel zu wenig selbst von den etablierten, namhaften Ensembles gespielt. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen einmal in der das ganze Œuvre umfassenden Außenseiterrolle des Komponisten im Konzertsaal (in der Gattung Streichquartett zumal in der Konkurrenz mit Werken von Debussy und Ravel), ferner in der anspruchsvollen zyklischen Anlage der Form und der sich darin spiegelnden Beethoven-Rezeption, die den Anspruch für Interpretation und Rezeption vorgibt. Kaum

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #071 – César Franck 200
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Franck 200 / Lviv National PO

Franck 200 / Lviv National PO

Nahezu unbemerkt steht der 200. Geburtstag von César Franck (1822–1890) in den kommenden Tagen an. Im deutschsprachigen Musikleben wird er wohl eher unspektakulär vorüber gehen. Doch auch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist mir Francks sinfonische Musik kaum einmal live im Konzertsaal begegnet, die bekannte Sinfonie d-Moll (seine einzige) und die auf einer Bürger-Ballade beruhende sinfonische Dichtung Le Chasseur maudit ausgenommen – eine jener Kompositionen, die nach 1871 in Frankreich die eigenständige Orchestermusik wieder belebten und in manchen Gesten an Berlioz erinnert. Kombiniert mit drei weiteren sinfonischen Dichtungen und

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #071 – César Franck 200
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Vienna 1900

Vienna 1900

Auch hier stimmt die als Motto gewählte Jahreszahl nicht ganz. Vielmehr ist mit «Wien 1900» eher ein «Wien um 1900» gemeint – also jene Zeit, in der sich die alte Donaumetropole längst in eine Stadt mit mondänem Ring und historisierendem Rathaus gewandelt hatte (die heutige breite Einbahn-Autoschneise gibt so gut wie nichts mehr von der einstigen breitflächigen Anlage wieder). Von den ausgefahren Bahnen der Musik setzten sich Schönberg und sein Kreis schon in den ersten Jahren des neuen Säkulums ab, auch wenn man heute viel stärker ihre Nähe zu den

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #070 – Anno Domini
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Vienna 1905–1910

Vienna 1905–1910

Nach der Jahrhundertwende war Wien mehr als nur die altgediente Metropole einer sich ihrem Ende nähernden Doppelmonarchie. Sie war vor allem ein Hotspot der Kultur – ein Schmelztiegel vieler Nationen und Entwicklungen, in dem gleichermaßen konservative Kräfte wirkten wie auch eine sich neu formierende und orientierende Avantgarde in Musik, Kunst, Drama und Literatur. Der Aufbruch in das 20. Jahrhundert konnte kaum vielfältiger sein, und doch wird er musikalisch bis heute vor allem durch die Protagonisten der «Zweiten Wiener Schule» repräsentiert. So auch auf diesem Album mit je einer herausragenden Komposition

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #070 – Anno Domini
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Paris 1900

Paris 1900

Mit einigem Glück zeichnet sich beim französischen Label Indesens eine neue, höchst instruktive Reihe mit Kammermusik aus der Zeit der Wende ins 20. Jahr-hundert ab. Derweil ist unter dem gleichbleibenden Motto «Paris 1900» jeweils ein eigenes Album mit klavierbegleiteten Werken für Flöte, Trompete und hier: für Oboe erschienen. Um vielleicht das Wichtigste dieser Produktionen vorweg zu nehmen: Eingespielt wurde in allen Fällen kaum einmal ein Werk, das man gemeinhin kennt. Es ist ein Füllhorn des Repertoires, das hier ausgegossen wird. Nun gehöre ich nicht zur Oboen-Zunft, reibe mir aber die

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #070 – Anno Domini
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1908 / Valentina Lisitsa

1908 / Valentina Lisitsa

Wie politisch darf oder muss Kunst sein? Wie politisch Musik oder ihre Interpreten? Der lange Blick zurück in die Geschichte lehrt dabei einiges, spätestens seit der französischen Revolution: Die Kunst, die bis heute blieb, steht auf der Seite der Entrechteten, der Schwachen, der Angegriffenen. Umjubelt wurde Wellingtons Sieg im tönenden Gemälde von Beethoven, ebenso das berühmte 1812 von Peter Tschaikowsky – in beiden Fällen ging es gegen den machtgierigen, Europa aus den Angeln hebenden Napoleon und seine Truppen. Im 20. Jahrhundert sind es dann Kompositionen, die ungerechte Kriege oder Anschläge

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #070 – Anno Domini
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1939 / Fabiola Kim

1939 / Fabiola Kim

Es war ein Schicksalsjahr für Europa und für die ganze Welt. Im Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 kulminierte das weltpolitische Crescendo der beiden vorangegangenen Jahrzehnte. Doch hat sich diese Entwicklung auch in der Musik des Jahres 1939 gespiegelt? Eine Frage, die unweigerlich über diesem dramaturgisch interessanten Album schwebt – und die sich wohl nur in Bezug auf das Concerto funèbre von Karl Amadeus Hartmann eindeutig beantworten lässt. Tatsächlich waren in den 1930er Jahren gleich mehrere herausragende Werke entstanden – hier nur der Versuch einer unvollständigen Liste mit

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #070 – Anno Domini
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Hellendaal / La Sfera Armoniosa

Hellendaal / La Sfera Armoniosa

Um es gleich zu sagen: Diese Live-Einspielung (ein Konzertmitschnitt offenbar ohne jede Nachproduktion) klingt besser als so manche zusammengeschnittene Studioaufnahme. Es muss die Unmittelbarkeit des Moments sein, das Wissen, nichts ausbessern zu können und trotzdem das musikalische «Risiko» einzugehen, das diese und vergleichbare Produktionen aus dem Vielerlei der Neuveröffentlichungen hervortreten lässt. Ja, es gibt einige Passagen, die ein Beckmesser sich noch souveräner, noch perfekter vorstellen kann – zumal wenn ein Ensemble wie La Sfera Armoniosa so kenntnisreich und gut aufeinander eingespielt agiert. Nun bin ich nicht Beckmesser; ich freue mich

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #069 – Concerti
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Venturini / la festa musicale

Venturini / la festa musicale

Als Hannoveraner Hofkapellmeister steht Francesco Venturini (1675–1745) im Schatten von Agostino Steffani und Georg Friedrich Händel – wobei auch Steffani gerade erst wiederentdeckt wird. Entgegen seinem italienisch klingenden Namen wurde Venturini in Brüssel geboren, heiratete 1697 in der Residenzstadt an der Leine und wurde ein Jahr später ordentliches Mitglied der Hofkapelle. Schon bevor er 1713 zum Kapellmeister avancierte, war sein Opus 1 in Amsterdam bei Roger erschienen, einem bedeutenden Verlagshaus, was für die positive Aufnahme der Werke unter den Zeitgenossen spricht. Doch auch heute noch verblüffen Venturinis Concerti: die geradzahligen

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #069 – Concerti
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