8. August 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Das Cover ist eine Sommerpoesie aus dem Baltikum. Das Gemälde stammt von dem lettischen Maler Aleksandrs Romans (1878–1911), der für seine förmliche Ausbildung allerdings die Akademie in St. Petersburg besuchen musste. Nach einigen freischaffenden Jahren kehrte er 1910 in seine Heimatstadt Jelgava (Mitau) zurück. Dort leitete er eine Kunstschule für junge Mädchen und verstarb mit einem im Vergleich nur überschaubaren Œuvre viel zu früh. Aus dem Jahr 1910 stammt auch das Bild Ainava ar jātnieku (Landschaft mit Reiter), das heute im Lettischen Nationalen Kunstmuseum (Riga) zu sehen ist. Man muss

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Bernhard Romberg – Raphael Wallfisch

Bernhard Romberg – Raphael Wallfisch

Sommerfrei! Das dachte sich auch der Dresdner Maler Carl Gustav Carus (1789–1869), als er im Jahre 1819 nach einem Hinweis von Caspar David Friedrich die Insel Rügen besuchte und seine Eindrücke unter dem Titel Eine Rügenreise im Jahre 1819 auch literarisch festhielt. Hier entstanden einige Gemälde und Skizzen – darunter auch jene knorrige Eiche, die er auf der im Schatten von Rügen noch immer verträumt liegenden Insel Vilm fand. Obwohl er zwischenzeitlich auch die Schweiz und Italien bis Neapel bereiste, fand er zu einem einzigartigen Baum im grauen Winter 1834/35

This entry is part 1 of 1 in the series HörBar #193 – Bäume im Sommer
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Klaus Ospald – musica viva

Klaus Ospald – musica viva

Kann es eine engagierte »zeitgenössische« Musik geben, die sich lediglich reflexiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt? Oder anders: Warum wird in vielen Institutionen lediglich über ein inhaltliches und ästhetisches Denken befunden, das sich «bequem» mit Aspekten der unbequemen Vergangenheit auseinandersetzt, nicht aber mit den aktuell drängenden Erfordernissen der Gegenwart? Ist es die Scheu, Position beziehen zu müssen? Die Sorge um künftige Missverständnisse? Die Angst, nicht auf der «richtigen» Seite gestanden zu haben? Da erscheint der Bezug auf dunkle Phasen der Vergangenheit fast ungefährlicher. Oder nochmals anders: Können und wollen wir uns

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Liza Lim – Annunciation Triptych

Liza Lim – Annunciation Triptych

Es gab eine Zeit, in der «zeitgenössische» Musik kaum «Strecke« machen konnte. Es waren die vielen Determinanten für klangliche Einzelereignisse, die einem ausgearbeiteten längeren Verlauf im Wege standen. Denn große Formverläufe waren (und sie sind es wohl noch immer) mit einer wie auch immer gestalteten harmonischen Dramaturgie verbunden, oft gepaart mit melodischen Gestalten, zumindest aber mit hörbar motivischer «Arbeit» am Material. Und genauso wenig wie die einstige «Avantgarde» dies kaum leisten konnte, so versagt auch das moderne «Easy Listening»: Aus dem meditativen «Nichts» wird ohne wirkliches schöpferisches Vermögen kaum «Etwas»

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Marko Nikodijevic

Marko Nikodijevic

Er gehört zu den spannendsten Stimmen unter den Zeitgenossen. Und sie ist trotz exponierter Förderungen und eines intensiven kompositorischen Ausdrucks nur schwer auszumachen. Denn sucht man nach Informationen über Marko Nikodijevic (*1980), so greift man selbst im «allwissenden» Internet zwar nicht ins Leere, wohl aber in einen Nebel – wenn selbst beim Verlag die biographischen Notizen 2013/14 enden. Ähnlich ist es im Booklet dieser Produktion aus dem «Podium Gegenwart» des Deutschen Musikrats, wo viel über frühere Kompositionen sinniert wird (die aber nicht eingespielt wurden) und nach den umfassenden Werkbeschreibungen (und

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Enno Poppe – Fleisch / Prozession

Enno Poppe – Fleisch / Prozession

Dass «zeitgenössische» Musik immer auch zurückschaut, aufgreift und weiterdenkt, sollte jedem klar und verständlich sein. Selbst dort, wo dies nicht explizit geschieht, ist es eher als eine Reaktion auf «etwas» zu erklären (wie etwa der Serialismus der Nachkriegszeit). Bach setzte sich mit dem «stile antico» auseinander, Mozart wiederum mit den Fugen Bachs, Max Reger mit beiden. Die Musik und ihre Geschichte lebt geradezu von diesen Bezügen und aktuellen kreativen Anverwandlungen. Auch bei Enno Poppe (*1969) lässt sich diese aufdrängende Konstruktion zwanglos weiterdenken: Seine Komposition Fleisch (2017) knüpft mit der Satzfolge

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Kenneth Fuchs – Orchestral Works

Kenneth Fuchs – Orchestral Works

Wohl selten einmal war die Beschreibung «zeitgenössisch» mit einer so großen Vielfalt verbunden wie heute. Noch vor einigen Jahrzehnten bedeutete «zeitgenössisch» schlicht «avantgardistisch». Doch die Reihen haben sich gelichtet, eindeutige Richtungen sind nicht mehr auszumachen. Das Verbindende ist nur noch die einem Werktitel nachfolgende Jahreszahl, die auf die Entstehung der Partitur verweist, wo die Opuszählung nahezu vollständig verschwunden ist. Sie half einst bei der Differenzierung von Kompositionen im Gattungskontext (Sinfonien, Sonaten, Quartette, Trios, Lieder…). Wo diese Ordnungen aber nicht mehr vorhanden sind, ziehen individuelle Titel ein – wie auch bei

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Johann Joachim Quantz – Frank Theuns

Johann Joachim Quantz – Frank Theuns

Nachtrag. Ja, es handelt sich um eine Einspielung aus dem Jahre 2011, die bereits vor längerer Zeit das Licht der Welt erblickte – nun aber glücklicherweise wieder aufgelegt wurde. Und man bemerkt an der Produktion, wie rasch die Zeit vergangen ist. Denn Frank Theuns, der viel zu selten als Solist in Erscheinung getreten ist, feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag und hat sich offenbar aus dem Musik-Bizz zurückgezogen (seine eigene Homepage ist jedenfalls nicht mehr erreichbar). Die Wiederveröffentlichung fügt sich allerdings wunderbar ein in eine Reihe von Einspielungen, die vor etwa

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Nature Romantique – Juliette Hurel

Nature Romantique – Juliette Hurel

Das Album wartet mit keiner Überraschung auf, sondern versammelt jene drei Werke, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn die Stichworte «Flöte» und «Romantik» fallen. Dabei war die Flöte beliebt und hat einen weitaus größeren Bestand an guten Werken aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfügbar. Neu ist lediglich, dass Trio, Sonate und Variationen in das engere Konzept einer wie auch immer zu definierenden Naturromantik gestellt werden. Die allerdings würde ich eher bei Kompositionen sehen und vermuten, die keine etablierte Gattung mit ausgeprägter eigener, vor allem formal determinierter

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Frank Martin – Daniele Ruggieri

Frank Martin – Daniele Ruggieri

Wer sich ernsthaft mit der Musik der vielsprachigen Schweiz beschäftigt, kommt an Frank Martin (1890–1974) nicht vorbei. Und das, obwohl sich seine Werke in Europa und darüber hinaus nie wirklich durchgesetzt haben. So blieb er ein ewiger «Geheimtipp» und auch seine Schüler fanden sich nie in der ersten Reihe (wobei diese «Reihe» einmal zu revidieren wäre). Welche Weite sein Repertoire indes hat, zeigt dieses bei Brilliant Classics erschienene Album. Die Werke mit vokalem Anteil wurden bereits 2010 und 2014 mitgeschnitten, die rein instrumentalen Sätze aber erst 2023 eingespielt. Im Gegensatz

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Adalbert Gyrowetz – Ardinghello Ensemble

Adalbert Gyrowetz – Ardinghello Ensemble

Wo sonst als bei cpo wird man ein derartiges Album finden? Mag der klassische Markt auch seit vielen Jahren in der Krise stecken – aus Georgsmarienhütte erreichen einen Monat für Monat Sensationen oder wenigstens kleinere Überraschungen. Dazu gehören auch die drei Flötenquartette von Adalbert Gyrowetz (1763–1850), die 1799 in Offenbach bei André erschienen sind und nun vom Ardinghello Ensemble um Karl Kaiser auf Originalinstrumenten eingespielt wurden. Es ist der warme Klang, der sich wundervoll mit den anderen Instrumenten vermischt, der für diese im Kern recht unspektakuläre Musik einsteht. Wer Gyrowetz

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