2. Oktober 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Oded Tzur: Isabela

Oded Tzur: Isabela

Erstaunlich, mit welch großem Lob diese Platte bislang in der Öffentlichkeit versehen worden ist (Reinhard Köchl in der Augsburger Allgemeinen; Oliver Hochkeppel in der SZ). Zum Dahinschmelzen sei sie. Echt jetzt? Kann ich nicht nachvollziehen: Trotz großer Anhör-Mühe ist mir diese fünfteilige „Suite-artige“ Platte, die auf einem selbst entworfenen Raga beruhen soll,  als akustisches Allerweltsgedusel vorgekommen; erklärlich langweilig, immer wieder nerviges Tongeschraube des Saxophinisten Odedd Tzur, als ob er festhinge. Dabei wären die musikalischen Ideen volkliedhafter Redundanz, die die Tracks einleiten, eigentlich eine ganz gute Ausgangsbasis – für Ausbrüche und

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Muthspiel: Angular Blues

Muthspiel: Angular Blues

Eine ruhige Platte hat da dieses Trio mit dem Schlagzeuger Brian Blade und dem Bassisten Scott Colley um den Gitarristen Wolfgang Muthspiel für ECM eingespielt. Lassen Sie es mich emphatisch sagen: Man möchte diese Musik so in den Arm nehmen, wie umgekehrt sie das selbst mit ihren Hörerinnen und Hörern versucht. Irdische Perfektion mit friedlichster Klangabsicht in himmlischer Sphäre. Hören Sie nur den Track „Hüttengriffe“, Sie verstehen sofort, was ich meine. Diese hymnische Schlichtheit und dieses Unterstatement, bei dem jedes Tönchen zum Weltenspalter und -öffner wird, die alles um einen

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Weber: Once Upon A Time

Weber: Once Upon A Time

Konzert im August 1994 beim „Festival International De Contrebass“ in Avignon. Eberhard Weber solo. Elektrisch mit Effektgeräten für Overdubs. Sechs Stücke. Der Grundklang des Weberschen Musizierens ist bekannt: Ein sündig-süffige Klang, der kugelblitzartig durch den Raum zieht. Damit kann er musikalische Welten an uns vorbeiziehen lassen. Ein Silberschweif zieht dabei mit ihm mit und klingt dabei mit. Die Grenzen zum Pop manchmal deutlich sehr präzise überschreitend, ja fast verletzend. Dann wieder ganz bei sich, verkapselt, als gäe es keine Welt mehr, nur diese eine in sich, in Schleifen verschlingende. Das

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Danish String Quartet – Prism II

Danish String Quartet – Prism II

War für ein Prisma. Was für ein Fächer an Musik. Was tut sich hier für eine Musikwelt nur auf. Diese Konstellation aus Musikwerken, an deren Anfang eine Fuge (von Bach) steht und an deren Ende ebenfalls eine Fuge (von Beethoven) steht. Bei markieren Grenzfrequenzen des gebündelten Lichtstrahls aus vier Streichinstrumenten. Größere Werke zur Entfaltung zu bringen als die hier angezeigten von Bach, Schnittke und Beethoven ist kaum denkbar. Prismatisch sind die Werke auch in sich selbst. Das dritte Streichquartett von Alfred Schnittke aus dem Jahr 1983 steht für eine musikalische

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Louis Sclavis: Characters On A Wall (2019)

Louis Sclavis: Characters On A Wall (2019)

Kann virtuose musikalische Artistik bedrücken? Ja. Selbstverständlich. Messiaens «Quatuor pour la fin du temps» zeigt das ebenso wie eine Alban Bergs «Lyrische Suite» für Streichquartett oder «Die Soldaten» von Bernd Alois Zimmermann. Das Schöne im Ton findet seine Resonanz im Körper der Hörenden. Das Cover der Aufnahme dieses Quartetts zeigt im Zentrum eine Person, gemalt an die Mauer, die in Israel Welten trennt, auf Abstand halten soll. Zur Kunst gehört die Differenz so wie die Einheit. Deutlich spürt man die Gleichzeitigkeit in dem letzten Stück der Platte «Darwich dans la

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Ein Plattencover

Keith Jarrett: Munich 2016

Seit Anfang November 2019 kann ein relativ aktuelles Soloalbum von Keith Jarrett seinen Platz im Regal der Sammlerinnen und Sammler finden. Der Rezensent zweifelt, ob das auch musikalisch gerechtfertigt ist. Dieser Typus des Solokonzerts von Keith Jarrett ist im Ablauf zu ähnlich zu denjenigen aus Rio, Venedig oder New York (oder eben anderen Solo-Einspielungen und Kopplungen seit 2000). Es gibt da die Free-Stücke (I, II …), es gibt den etwas funkigen Teil (Part IV), einen Blues (Part IX), die lyrischen Stücke (Parts III, V, VIII, XI), schließlich die wie immer

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Keith Jarrett: La Fenice

Keith Jarrett: La Fenice [2006]

Man weiß nicht so genau, was noch in den Archiven von ECM schlummern mag, aber da scheint es ja in Sachen Jarrett kaum ein Ende zu geben. Nun also eine Aufnahme aus dem „Gran Teatro La Fenice“ in Venedig. Man schreibt das Jahr 2006. Und Keith Jarrett schreibt eine weitere Improvisation. Von den langen improvisatorischen Gleisen der 70er bis 90er Jahre hat er sich längst entfernt. Sein Soloabend ist dokumentiert auf zwei CDs und besteht aus acht „Parts“ und vier Standards; insgesamt 97 Minuten. Wie schon in anderen Solo-Aufnahmen nach

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