9. August 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Oded Tzur: Isabela

Oded Tzur: Isabela
Oded Tzur: Isabela

Erstaunlich, mit welch großem Lob diese Platte bislang in der Öffentlichkeit versehen worden ist (Reinhard Köchl in der Augsburger Allgemeinen; Oliver Hochkeppel in der SZ). Zum Dahinschmelzen sei sie. Echt jetzt? Kann ich nicht nachvollziehen: Trotz großer Anhör-Mühe ist mir diese fünfteilige „Suite-artige“ Platte, die auf einem selbst entworfenen Raga beruhen soll,  als akustisches Allerweltsgedusel vorgekommen; erklärlich langweilig, immer wieder nerviges Tongeschraube des Saxophinisten Odedd Tzur, als ob er festhinge. Dabei wären die musikalischen Ideen volkliedhafter Redundanz, die die Tracks einleiten, eigentlich eine ganz gute Ausgangsbasis – für Ausbrüche und oder wenigstens für florierend gemütliche Ab- und Ausschweifungen.

Der Begleittext behauptet dagegen, die Musiker „stellen ihr subtiles Zusammenspiel auf Isabela in ein intensiveres Licht und erkunden die Nuancen und Farben von Odeds selbst entworfenem Raga in einer Suite-artigen Abfolge von ruhigen Meditationen und kraftvollen Ausbrüchen.“ Statt dessen Geplänkel im Immergleichen. Das liegt aber gewiss nicht an den Mitmusikern wie dem Pianisten Nitai Hershkovits, Petros Klampanis am Bass und dem Schlagzeuger Johnathan Blake. Im Gegenteil, deren Spiel ist nuancenreich und feingesponnen.

Nervtönend

Es ist das Saxophonspiel des Bandleaders Oded Tzur, der in seinen Improvisationen manchmal fast hilflos vor seiner eigenen Konzeption wirkt, formlos formelhaft in mancherlei nur wenig erweiterten Pentatonelei; bzw. schockreduzierten Modalität. Man kann es natürlich auch für besonders tiefgründig und -sinnig halten. Etwas, was sich ja wie von selbst bei vielen ECM-Produktionen als automatisiertes Gefühl einstellt und sich damit bedeutungsschwanger ästhetisch amortisiert. Hier wird’s aber wirklich schwer, dem dudelidödidididiiiidudööööödididudöööödööööö das abzugewinnen. Wie viel feiner spinnen sich da im Schlussstück Nitai Hershkovits und Johnathan Blake unter dem Druck des Bassisten zum musikalischen Trio zusammen, dass es eine Wonne ist nach dem Motto: „Lass‘ das uns das mal machen“.


Oded Tzur: Isabela [2022]

  • Oded Tzur – Tenor Saxophone
  • Petros Klampanis – Double Bass
  • Nitai Hershkovits – Piano
  • Johnathan Blake – Drums mono-Ton records, Nürnberg

ECM 2739

 

 

 

 

 

 

close
hoerbar_nmz

Der HörBar-Newsletter.

Tragen Sie sich ein, um immer über die neueste Rezension informiert zu werden.

DSGVO-Abfrage* *

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.