20. Juni 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Rochford / Downes: A Short Diary

Rochford / Downes: A Short Diary
Rochford / Downes: A Short Diary

Es fällt schwer zu dieser Produktion etwas zu sagen, ist sie doch «Ergebnis» eines Trauerprozesses. Sebastian Rochford schrieb den größten Teil der Kompositionen für das Album kurz nach dem Tod seines Vaters, dem Dichter Gerard Rochford (1932-2019). Über der ganzen Platte hängt ein musikalischer Schleier aus Nachdenklichkeit, Friedfertigkeit, Gelassenheit. Das Schlagzeug selbst steht im Schattenraum der vom Piano her gedachten Kompositionen und deren Verarbeitung in freier Form.

Klar, vieles ist mollig, fast alles in langsamen hymnischen Tempi, vieles wirkt wie aus der schottischen Landschaft herausgekratzt mit Volkston-Substrat wie deutlich bei «Our Time Is Still». Anderes moduliert beinahe haltlos und kann man sich auch auf einer Orgel gespielt vorstellen («Silver Light») oder als brüchiges Wiegenlied («Ten Of Us»).

Wahrscheinlich ist es mit dem Tagebuch-Idee in der Tat auch ein versonnener Rückblick in eine Familiengechichte der Rochfords. Meistens warm, immer wieder doch punktuell auch mit Miniatureinbrüchen, wo man ausgleist. Oder wie ein putziges Kinderspiel mit Tönchen in «Communal Decisions».

Also alles andere als «grau», sondern in aller Bescheidenheit, eine von später Sonne gesättigte Musik. Knapp 37 Minuten insgesamt.


Sebastian Rochford / Kit Downes: A Short Diary [2023]

  • Sebastian Rochford: Drums
  • Kit Downes: Piano

ECM 2749 (VÖ 20.01.2023)

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