20. Juni 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Duarte / Belfort Guitar Duo

Duarte / Belfort Guitar Duo

Was wäre das Gitarren-Repertoire ohne die Werke von John W. Duarte (1919–2004)? Duarte, der zeitweise als Chemiker arbeitete und einige Jahre einen Tabakladen hatte, fand neben seinen Kompositionen erst ab 1974 als Direktor von Cannington International Guitar Summer School and Festival seinen Platz im Berufsleben – ein Amt, das er für 20 Jahre versah und vieles bewegte. Wirft man einen Blick auf sein Œuvre, traut man den eigenen Augen kaum. In einem Zeitraum von über 60 Jahren (zwischen 1941 und 2003) entstanden nicht weniger als 148 gezählte Kompositionen, daneben aber

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Smith Brindle / Duilio Meucci

Smith Brindle / Duilio Meucci

Schon die Biographie von Reginald Smith Brindle (1917–2003) liest sich verblüffend spannend. In der Grafschaft Lancashire geboren, widmet er sich schon früh der Gitarre, der Klarinette und dem Saxophon, später auch der Orgel. Auf Druck der Eltern beginnt er ein Studium der Architektur, abends aber spielt er in Jazz-Formationen. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmet sich Smith Brindle schließlich der Komposition; zu seinen Lehren zählen Ildebrando Pizzetti und Luigi Dallapiccola. Schließlich wird er selbst in Bangor Dozent und veröffentlich eine Reihe von Schriften zur zeitgenössischen Musik (u.a. Musical Composition, Oxford 1986).

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Elogio / Krzysztof Meisinger

Elogio / Krzysztof Meisinger

Gegenüber Alben, die sich vor allem als Künstlerportrait verstehen oder sich als solche zu erkennen geben, regt sich bei mir in der Regel ein gewisser Zweifel. Allzu oft rückt hier das Selbstverständnis des Interpreten oder der Interpretin in den Vordergrund – die bloß abgespielten, gelegentlich exekutierten oder auch ins Extreme gesteigerten Partituren verkommen dann zum Vehikel eines nicht einmal mehr künstlerisch geleiteten Egos. Die aktuellen Beispiele dafür sind leider nicht ganz so rar, wie man es bisweilen hofft. Umso schöner sind dann die «Ausnahmen», die doch eigentlich die Regel sein

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Ohana / Olivier Pelmoine

Ohana / Olivier Pelmoine

Noch immer dürfte Maurice Ohana (1913–1992) zu den eher unbekannten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählen – dabei notierte bereits 1997 Harry Halbreich in einem CD-Booklet: «Die Tatsache, dass Maurice Ohana einer der ganz großen Komponisten dieses Jahrhunderts war, scheint eines der bestgehüteten Geheimnisse unseres Musiklebens zu bleiben.» Die Gründe dafür sind vielfältig und sind zum einen im Œuvre zu suchen, das zwar breit ist, aber kaum auf wenige Werke fokussiert werden kann; zum anderen in der musikalischen Sprache, die sich dem Versuch einer Etikettierung hartnäckig widersetzt. Darin aber mag gerade

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Mompou / Mélodies et Chansons

Mompou / Mélodies et Chansons

Nur selten ist die Musik von Federico Mompou (1893–1987) live oder auf einem Album zu hören – und wenn, dann handelt es sich meist um eine Auswahl von Klavierstücken. Einzelne Lieder oder gar einen seiner Liederzyklen begegnet man hingegen selten. Umso interessanter ist daher diese Einspielung mit insgesamt 23 Nummern, darunter vier Sammlungen, die zwischen 1925 und 1973 entstanden sind. Sie zeugen von der für Mompous Schaffen charakteristischen stilistischen Geschlossenheit, die sich selbstständig in einer Art Spätimpressionismus entfaltet, in sich aber stets verschattet und melancholisch bleibt: Der im katalanischen Barcelona

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AOI Trio

AOI Trio

Preisgekrönt – das ist auch das aus Japan stammende AOI Trio, das 2018 beim hoch angesehenen ARD Wettbewerb die Klaviertrio-Jury gänzlich für sich überzeugte. Vier Jahre später entstand dieses Album im Studio – nach den schwierigen Corona-Jahren und als Zeichen, dass die Karriere nicht vorbei ist, sondern nun erst richtig beginnt. Ein Ausrufezeichen setzen dabei auch die beiden auf diesem Album eingespielten Werke, die wahrlich keine Selbstläufer sind: Zum einen das kurzweilige, doch in seiner neoklassizistischen Attitüde nur schwer zu greifende erste Klaviertrio von Bohuslav Martinů sowie das keineswegs so

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Henze / Nachtstücke / Banse

Henze / Nachtstücke / Banse

Um Hans Werner Henze (1926–2012) ist es in der letzten Dekade eigenartig still geworden – im Konzertsaal wie auf dem um Aufmerksamkeit kämpfenden Tonträgermarkt. Daraus etwaige Rückschlüsse auf die Wirksamkeit seiner Musik zu ziehen, wäre allerdings voreilig. Denn Henze stand politisch wie musikalisch neben der einstigen Avantgarde. Ich erinnere mich gerade jetzt, in diesem Moment, an eine Schulaufführung seines Pollicino Mitte der 1980er Jahre – nicht etwa im Opernhaus, sondern in der schon damals architektonisch offen gestalteten Aula des benachbarten Gymnasium Altenholz-Stift. Vermutlich schrieb ich damals gar meine allererste Musikkritik

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Julia Wacker / Widmung

Julia Wacker / Widmung

Dieses Album bleibt seinem Konzept von der ersten bis zur letzten Note treu. Was auf dem Titel zunächst recht beliebig anmutet, entpuppt sich rasch als eine keinesfalls mit leichter Hand gestrickte Folge leichtgängiger Raritäten – ganz im Gegenteil handelt es sich um eine durchdachte Dramaturgie. Und wer genauer hinsieht (und bitte, es lohnt sich!), wird ein großes Vergnügen daran haben, was Julia Wacker hier eingespielt hat. Alle versammelten Kompositionen vereint die Zueignung an herausragende Solisten, die teilweise den Komponisten spieltechnisch beratend zur Seite standen oder zumindest ihre Interpretation zu diskutieren

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Joseph Keilberth / WDR

Joseph Keilberth / WDR

Uneitel soll er gewesen sein, und sein Dirigat in den Dienst des Komponisten, des Werks und des Publikums gestellt haben. Umso tragischer war sein Tod – ein Herzinfarkt mitten imzweiten Akt des Tristan bei einer Aufführung in München. Heute ist das unermüdliche Schaffen von Joseph Keilberth (1908–1968) nur noch auf Tonträger präsent, ein Schaffen, das aber nicht nur im Zeichen von Beethoven und Brahms, Bruckner und Reger sowie Wagner und Pfitzner stand. Wesentliche Stationen waren dabei zunächst Karlsruhe, Berlin und Prag, dann Dresden und Berlin, schließlich Bamberg, Hamburg und München.

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Géza Frid / Konzerte & Orchesterwerke

Géza Frid / Konzerte & Orchesterwerke

Nur selten einmal bleibe ich mit einer solchen Aufmerksamkeit und Spannung bei einem Album. Denn die 77 Minuten mit Musik von Géza Frid (1904–1989), der in den Niederlanden gerne als «ungarischer Holländer» bezeichnet wird, hat etwas, das vollkommen aus der Zeit gefallen ist: einen eigenen Stil, eine unverstellte ungarische Note und nichts, was belanglos, unmotiviert oder überdreht wirken würde. Frid, der In Budapest Klavier bei Bartók und Komposition bei Kodály studierte und von Zoltán Székely als dessen ständiger Begleiter in die Niederlande gelockt wurde, entging während des Weltkriegs den Deportationen,

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Koharik Gazarossian / Nare Karoyan

Koharik Gazarossian / Nare Karoyan

Man merkt diesen Etüden kaum an, dass sie aus dem Jahr 1958 stammen. Eher könnte man sich viele der insgesamt 24 Nummern um die Jahrhundertwende (1900) vorstellen – so deutlich ist der Bezug zur romantischen Tradition, so klar der volksmusikalische Einschlag. Allerdings wird man aus der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts wohl kaum etwas von der armenischen Klangkultur finden, als andernorts überhaupt erst damit begonnen wurde, dem drohenden Verlust des eigenen musikalischen Erbes mit der Dokumentation auf Phonographen-Rollen zu begegnen. Doch auch in anderer Beziehung stellen die «Études» von Koharik

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