26. Oktober 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Max Bruch: Konzert für 2 Klaviere / Mona & Rica Bard

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #043 – Max Bruch
Max Bruch: Konzert für 2 Klaviere / Mona & Rica Bard
Max Bruch: Konzert für 2 Klaviere / Mona & Rica Bard

Was für ein seltsames Werk! Nicht nur, dass das Konzert für zwei Klaviere und Orchester in as-Moll steht; auch seine Zählung als «op. 88a» verwirrt im ersten Moment, handelt es sich doch beim ordentlichen «op. 88» um ein Konzert für Klarinette, Viola und Orchester. Wer sich aber über den sakralen Tonfall, das frühe Fugato im Kopfsatz und die ungewöhnliche Faktur des doppelten Klavier-Soloparts wundert, ist auf der richtigen Spur: Es handelt sich bei diesem 1915 entstanden Konzert um eine eigenständige Fassung der schon 1909 abgeschlossenen Suite Nr. 3 für Orchester und Orgel «op. 88b» – ein Werk, zu dem Max Bruch von einer Jahre zuvor auf Capri beobachteten Karfreitagsprozession angeregt wurde. Die konzertante Fassung geht auf eine Anfrage der einst bekannten Sutro-Schwestern zurück, die dem im Alter von ökonomischen Sorgen geplagten Komponisten gerade recht kam. Bruch öffnete allerdings nur die Schublade mit dem Manuskript der ungedruckten Suite und bearbeitete diese für die nichtsahnenden Sutros; die Schwestern ihrerseits griffen bei ihren Aufführungen massiv in den Verlauf der Komposition ein, wovon wiederum Bruch nichts mitbekam.

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Geblieben ist ein hochinteressantes Werk, welches das konzertante Repertoire für Klavierduos um eine gewichtige Partitur erweitert und in der Disposition alles andere als konventionell ist: Sie ist viersätzig, und dem Allegro des zweiten und vierten Satzes geht auch noch eine langsame Einleitung voraus. Mona & Rica Bard stellen mit ihrer fundierten Technik, dem selbstverständlichen Zusammenspiel und vor allem der ganz unprätentiösen Sicht auf die Musik die bisher verfügbaren Aufnahmen in den Schatten, auch weil die Staatskapelle Halle nicht bloß begleitet, sondern unter Ariane Matiakh aktiv und frisch mitgestaltet. Die Suite nach russischen Volksmelodien op. 79b stellt dramaturgisch eine gute Ergänzung dar und zeigt Bruchs sicheres Gespür, die noch heute vielfach bekannten Weisen trefflich und kurzweilig für Orchester zu setzen – nicht als willkommene Gelegenheit, sondern aus der Überzeugung, dass in den Volksliedern die „Quelle wahrer Musik“ liege.


Max Bruch: Konzert für zwei Klaviere und Orchester op. 88a, Suite nach russischen Volksmelodien op. 79b
Mona & Rica Bard (Klavier), Staatskapelle Halle, Ariane Matiakh

Capriccio C 5420 (2020)

 

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