21. April 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Sonoko Miriam Welde / Bruch & Co.

Sonoko Miriam Welde / Bruch & Co.
Sonoko Miriam Welde / Bruch & Co.
Bereits Max Bruch selbst hatte sich gegenüber seiner Familie beklagt, dass sogar in Italien ihm an jeder Ecke aufgelauert werde, um «sein» Violinkonzert vorzuspielen. Gefühlt ist es so bis heute geblieben – schaut man sich die schier endlos anmutende Liste der Einspielungen an. Das Konzert gehört nun mal zum Repertoire, zugleich aber wird es von den meisten grundlegend unterschätzt, interpretatorisch beiläufig behandelt oder gar als bloße Pflicht angesehen. Wer allerdings das Album mit der aus Norwegen stammenden Sonoko Miriam Welde auflegt, wird in keinster Weise enttäuscht – mehr noch: Wer glaubt, den Solopart oder die Partitur allzu gut zu kennen, wird überrascht sein. Mit Feuer und Akkuratesse gestaltet Sonoko Miriam Welde selbst beiläufige Phrasen so präsent, dass man einfach «dranbleiben» muss. Unterstützt wird sie vom Oslo Philharmonic Orchestra unter Tabita Berglund. Auch hier keine allfällige Begleitung, sondern wirkliche Aufmerksamkeit gegenüber der im Dauerbetrieb quälend abgenudelten Musik. Selten habe ich das Bruch-Konzert so lebendig gedeutet gehört – ohne erzwungene Schlankheitskur oder sportlichen Ehrgeiz, sondern einfach als ein Konzert, das man so gespielt gerne ein weiteres Mal hören möchte…

Anders bei The Lark Ascending von Ralph Vaughan Williams – einer Komposition, von der ich noch immer die legendäre Aufnahme mit Iona Brown und der Academy of St Martin in the Fields unter Neville Marriner im Ohr habe. Hier ist es im Gegensatz zu «Bruch» die atmosphärische Dichte, die einen durch die 14 oder 16 Minuten trägt. Ein wenig davon ist auch bei der Einspielung aus Oslo zu spüren – aber eher mit Blick auf bemooste nordische Ebenen als auf saftige britische Wiesen. Während der Ansatz weitgehend dem beim Bruch-Konzert entspricht, geht er – interessanterweise – hier nicht gänzlich für mich auf. Ähnlich präsentiert sich das wundervoll dichte, die Romantik des 19. Jahrhunderts fortschreibende Konzert von Samuel Barber (unter Joshua Weilerstein) in einer ebenfalls eher «modernen», auf klare, gar nüchterne Linienführung ausgelegten Sicht. Der Gesamteindruck ist am Ende erstaunlich zwiegespalten.

Max Bruch. Violinkonzert g-Moll op. 26; Ralph Vaughan Williams. The Lark Ascending; Samuel Barber. Violinkonzert op. 14
Sonoko Miriam Welde (Violine), Oslo Philharmonic Orchestra, Joshua Weilerstein, Tabita Berglund
LAWO LWC 1222 (2019/20)

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