26. Oktober 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Max Bruch: Kammermusik / Philon Trio

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #043 – Max Bruch
Max Bruch: Kammermusik / Philon Trio
Max Bruch: Kammermusik / Philon Trio

Möglicherweise kommt die Besetzung von Klarinette, Viola und Klavier dem inneren Kern der Musik Max Bruchs besonders nahe. In Charakter und Ausdruck keinesfalls extrovertiert, sondern mit dunklem Timbre eher schwermütig gefärbt, betont sie die mittlere Lage und vermeidet Extreme im Ambitus. Schon Mozart (Kegelstatt) und Schumann (Märchenbilder) haben für diese stimmige und stimmungsvolle Formation geschrieben. Mit den Acht Stücken op. 83 verhilft Bruch dem Trio nochmals zu ganz anderen Farbwirkungen und Konstellationen – als ein idiomatisch sorgfältig durchdachtes kammermusikalisches Kompendium.

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Dass bei drei Stücken ursprünglich eine Harfe (statt des Klaviers) vorgesehenen war – geschenkt. Womöglich hätte diese interessante und nachvollziehbare Kolorierung die Sammlung als ganze bloß ins Abseits gestellt. Die mehrfache Alteration zwischen Stücken im langsamen bzw. gemäßigten Tempo und solchen im packenden Allegro überzeugt, wobei die schnellen Sätze mit nur drei Nummern deutlich in der Minderzahl sind, auch findet sich nur ein Satz in hellerer Tonart – Nr. 7 (H-Dur). Überhaupt: Welche vergleichbare Sammlung endet mit einem Moderato in es-Moll(!)?

Bereits vielfach eingespielt, stellt das 2011 in Basel gegründete Philon Trio dem wunderbaren Opus bei dieser Produktion kein anderes Werk zur Seite – eine Entscheidung, die Bruchs Komposition fraglos aufwertet, mit einer Spielzeit von nur 34 Minuten aber auf der physischen CD viel zu viel ungenutzten Raum hinterlässt (wer nur streamt, dem dürfte dies freilich gleich sein oder nicht einmal auffallen). Das Cover bildet den Gehalt des Werkes bestens ab als Musik für einen im Grau versinkenden Herbsttag, an dem man selbst Farbakzente setzen muss. Musikalisch überzeugt das Philon Trio mit seinem weiträumigen Erzählen, aber auch wenn (selten) virtuose Brillanz gefordert wird. Im Vergleich zu anderen, älteren Aufnahmen ist es hier auch die überzeugend dargebotene wehmütige Atmosphäre, die mit ihrem warmen Klanggewand zum wiederholten Hören einlädt.


Max Bruch: Acht Stücke für Klarinette, Viola und Klavier op. 83
Philon Trio

Analekta AN 2 8923 743 (2017)

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