16. Mai 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Initiative H: Polar Star

Initiative H: Polar Star

Diese großen Ensembles, die größer wirken als „large“ und aber kleiner als „Big Bands“ sind und die in der romanischen Kultur beheimatet sind, finden einen ganz seltsamen eigenen Ton. Die Klangkulturen, ob bei Eve Risser, bei Art Zoyd, oder hier eben bei Initiative H, schmelzen insbesondere auch die populärmusikalischen Tonkulturen aus Rock und Pop jenseits des Jazz mit ein, so dass die Sache mit dem „Jazz“ zur schönsten Nebensache wird, die gleichwohl im Zentrum steht. Das liegt an der ausgiebigen Freude an repetitiven Mustern, denen man immer wieder im Aufbau

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Composers’ Orchestra Berlin: Holding Pattern

Composers’ Orchestra Berlin: Holding Pattern

Corona, Corona, Corona. Für viele angeblich längst vorbei, aber lassen wir den unmöglichen Streit über Wissenschaft und Gefühl besser außen vor. Die musikalische Nachschüttung allerdings läuft – manchmal unter dem Label „Neustart Kultur“ (in diesem Fall hier allerdings nicht): Lauter kreative Prozesse, die da in Gang gesetzt wurden, wenn man den Pressetexten glauben schenken will: „Viele der Titel wurden während des Corona-Lockdowns geschrieben: Im Rückblick hatte dies mehr Einfluss auf den kreativen Prozess als man sich vorgestellt hatte.“ Es sind neun verschiedene Komponist:innen in zehn Titeln. Vielfalt ist garantiert, sofern

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Louis Matute Large Ensemble – Our Folklore

Louis Matute Large Ensemble – Our Folklore

Das ist so richtig vollkommene Musik, die mit einer Selbstverständlichkeit im Ausdruck auftritt, die keinen Widerspruch duldet, sondern eine Einladung ist, dabei zu sein beim Ausrollen von Rhythmen, Harmonien und Farben. Im Ensemble des Gitarristen Louis Matute finden sich viele musikalische Sprachkulturen zusammen, ohne dabei zu grauem Tonbrei zu versuppen. Nix ist hier grau, es ist bunt, manchmal etwas verschleiert dabei und gebrochen pastellig. „Our Folklore“ heißt dieses Album, man möchte es sowohl ironisch verstehen wie zugleich als Versprechen, die ästhetische Latte nicht zu hoch zu hängen, aber zu probieren,

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Claassen, Linx & WDR Big Band: And Still we sing

Claassen, Linx & WDR Big Band: And Still we sing

Es gibt Spoken Word! Und es gibt Arrangements, die knallen. Eine WDR BigBand wird durch die Leitung von Magnus Lindgren zu durchaus übergermanischen Flügen angeregt. Aufgeregt, aufregend mit zwei Sänger*innen, die dem ganzen Treiben Paroli und Parolen bieten können. Das geht von der Nummer 1 (Sum it up – disturbing the peace) über fröhlichsülzenden Balladen in 2 (Along Goes Betty). Das klingt in meinen Ohren durchaus wie eine späte Fortsetzung von eskalierenden Rolltreppen aus Composers-Orchestra-Zeiten mit Carla Bley. So umschmeichelnd in Linien, harmonischen Ver-Rückungen und Gesangsenergie – die aus der

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Silent Explosion Orchestra – Portraits of New York City

Silent Explosion Orchestra – Portraits of New York City

Was für ein Name für eine Big Band: Silent Explosion Orchestra. Dabei handelt es sich um ein deutsches Gewächshausorchestra, das „einige der talentiertesten jungen Jazzmusiker von Saarbrücken über Mannheim und Mainz bis nach Köln“ vereine, wie man auf der Website der Kapelle lesen kann. Still explodiert hier aber eher nichts. Überhaupt explodiert selten etwas. Man kann ohne mit den Haaren in den Ohren earzubangen sagen: Solide Arrangements, solides Spiel mit den zwingend nie ausbleibenden Brass-Parallel-Phrasen; meistens jedenfalls. Das Ensemble hat sich nicht weniger attraktiv an New York City Portraits probiert.

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Michael Leonhart Orchestra: Suite Extracts Vol. 1 [2019]

Michael Leonhart Orchestra: Suite Extracts Vol. 1 [2019]

Suppe. Es suppt. Musikalisches Gemüse, mal köchelt es, dann kocht es, mal schnurgelt es, dann zieht es durch an den vielen Gewürz-Zutaten. Das Michael Leonhart Orchestra vereint unter sich viele bekannte Musiker*innen. Statt Orchestra wäre wohl die Bezeichnung eines Big Ensembles passender. Denn immer wieder schälen sich kleinere Ensembles zu eigenen musikalische Entitäten zusammen. Eine Jazziversum mit soliden charakteristischen Planeten in den Umlaufbahnen. Und ja. Eine Suppe kann auch so ein Universum sein. Ornette Colemans „Lonely Woman“ wird da eingebettet in „Big Bottom“ – das ist schon schräg, aber es

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The NuH[u]ssel Orchestra: The Forest [2019]

The NuH[u]ssel Orchestra: The Forest [2019]

Die Platte knallt. Dabei startet sie ganz harmlos im Streichquartett-Ton und tut so, als sei sie ein neues Werk von Arvo Pärt. Nennt sich „Ouverture“ – nur was tured sie over? Track zwei fährt da umgebremst hinein und spannt ein mexikanisch(?)-gefunktes Perkussionssegel auf in das die Bläsersätze immer wieder hineinbrettern. Das wirkt fast unglaubwürdig, so prall wie knall. Aber so geht es dann gleich weiter mit wunderbaren Arrangements, die trotz Satzleere völlig süffig bleiben. Eine Hammond-Orgel, scharfe Gitarrenriffs. Klangurwälder! Die Spannung lässt dabei nie nach, weil auch harmonisch alles eingetaktet

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The Composer’s Orchestra Berlin plays the music of Dirk Strakhof (2020)

The Composer’s Orchestra Berlin plays the music of Dirk Strakhof (2020)

So ein großes Orchester in Form einer Big Band kann ein störischer Gegenstand sein. In Komposition und praktischer Erprobung durch Realisation gleichermaßen. Das kann schnell klappern und kippen, es können dabei die Dinge auseinanderfliegen oder aber sich durch Funkenschlag in etwas Neues verwandeln. Beim Composer’s Orchestra Berlin unter der Leitung von Hazel Leach ist es anders. Die Arrangements der Kompositionen bleiben die ganze Zeit hindurch geschmeidig. Aber eben auch ohne dieses überschießende Maß an Verrücktheit, das einen als Hörenden auch mal nicht nur aufs Gleis, sondern neben die Spur setzt.

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