5. Dezember 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Sebastian Sternal – Thelonia

Sebastian Sternal – Thelonia
Sebastian Sternal – Thelonia

Bei manchen dauert es etwas länger: Pianisten und Pianistinnen machen fast immer irgendwann eine Aufnahme, die sie ganz allein am Piano zeigen. Enorm ist daher die Dichte der Aufnahmen und Konzerte, die fast wie Sand am Meer sich nicht mehr zählen lassen. Sebastian Sternal hat die Ungunst der Stunde, beziehungsweise der Corona- Einschränkungen in 2020 genutzt, sich auch dieser Aufgabe zu stellen. «Der ersten Aufregung über Corona im März folgte die Phase, in der alle ruhig zuhause blieben. So ging es mir natürlich auch. Ohne Konzerte und Außentermine änderte sich mein Leben tiefgreifend. Also habe ich einige Wochen lang viel alleine am Klavier gesessen und intensiv gearbeitet.» Herausgekommen ist unter anderem eine deutlich vielfarbige Platte mit 18 Tracks, «Thelonia», deren jeweilige Singularität für sich steht. Er nennt es selbst eine Art «künstlerische Forschung».

Sternal spielt dabei einzelne Kompositionsspielchen durch. Manchmal ganz simpel logisch nachvollziehbar wie beim «Walk» (einer Studie zum oder über den Walking Bass): An diesem Stück zeigt sich, dass es dabei um mehr geht, als eine Art Übung oder Etüde über etwas wie eine Technik: Umfüllt wird der walkende Bass von Akzent- und Durchliegetöne, die sich in der Folge in Tonreihen oder Repetitionen transformieren. Präzision in Freiheit.

«Ich erzähle inzwischen noch stringenter, was ich sagen will.»

Sebastian Sternal

Jeden einzelnen Track jetzt hier in der Rezension nachzuarbeiten wäre wohl eine große Show der Langeweile für die Leserinnen und Leser. Dagegen der Verweise auf ein paar Extreme, die auf der einen Seite mit dem «Lullaby», «Eleven» und «Prayer» die Schönheit des Einfachen und klar und warm Gewebten anzeigen. Auf der anderen Seite steht die Klangpracht und der harmonische Reichtum wie er in «Embraceble You» in den ersten Akkorden gesetzt wird.

Musik, die einen hörend einbettet und sich selbst ebenso. Ich kann nicht verhehlen, dass mich gerade die etwas «einfacheren» Stücke besonders berührt haben. So viel Wärme ohne Wehleidigkeit ist selten und geht nur, in dem man sich in Distanz zu sich selbst verliert – man muss es laufen lassen können, Vertrauen in sich haben und das, was einem technisch und spirituell zur Verfügung steht.


Sebastian Sternal – Thelonia [2022]

  • Sebastian Sternal: Piano

Traumton Records 4707

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