24. Juli 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Songs of Travel

Songs of Travel
Songs of Travel
Diese Lieder von Ralph Vaughan Williams haben selbst eine längere Reise hinter sich gebracht: Ein erstes entstand bereits 1901 und wurde ein Jahr später in einer Zeitschrift(!) veröffentlicht. 1904 folgten sieben weitere Lieder, von denen jedoch zunächst nur drei gedruckt wurden, erst in einer weiteren Auflage dann auch mit allen anderen – unter Ausnahme des zyklisch abrundenden letzten, das lange als verloren galt und erst im Nachlass wieder aufgefunden wurde. Wohl selten haben Gesänge, zumal unter dem Titel Songs of Travel, solche Umwege genommen. Dabei handelt es sich um Lieder, die sofort ins Ohr gehen und in diesem Jahr zum 150. Geburtstag des Komponisten unbedingt gehört werden müssen – auf diesem Album in einer sehr britisch instrumentierten Fassung mit Orchester, die teils von Vaughan Williams, teils von Roy Douglas stammt.

Von dem Bass-Bariton Neal Davies wunderbar warm und flexibel gesungen, stellt diese halbauthentische Fassung eine willkommene Ergänzung zu den verschiedenen Einspielungen der originalen Version mit Klavier dar. Das «Give to me the life I love, / Let the lave go by me» will einem nicht aus dem Sinn gehen. Der gelungenen Produktion mit dem Hallé Orchestra unter Mark Elder steht mit kaum geringerem Gewicht die Musik von Job (1927/30) zur Seite, einer so genannten masque for dancing nach gestochenen Illustrationen (1826) von William Blake (1757–1827). Die wahrlich opulente Besetzung passt kaum in einen Orchestergraben, sollte umso mehr aber (insbesondere wegen des gelegentlich Einsatzes der Orgel) im Konzertsaal ein Zuhause haben. Doch es stellt sich hier (wie so oft) eine generelle Frage: Warum nur wird die Musik von Vaughan Williams (seine Sinfonien etwa) in unseren Breitengraden so selten auf das Programm gesetzt? An herausragender Qualität mangelt es nicht…

Ralph Vaughan Williams. Songs of Travel (1901/04); Job (1927/30)
Neal Davies (Bass-Bariton), Hallé Orchestra, Mark Elder

Hallé CD HLL 7556 (2019)

https://open.spotify.com/album/16hPMe5faQw3B2QrhOiLTo

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Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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