3. Dezember 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Tchiba: klang collection

Tchiba: klang collection
Tchiba: klang collection

Badooum! Der den meisten von uns eher als souveräner Pianist bekannte Martin Tchiba geht mit diese CD unter die Potentiometer-Skalierer, unter die Tüftler, die am Klangrad drehen. Badoooum! In drei Teile zerfällt hier sein Werk: places, dedications und images. Er selbst schreibt zum Gesamtkomplex der CD: «klang collection ist meine musikalische Aufarbeitung der Corona-Zeit. Reflektiert werden vielfältige Klänge, Dinge, Orte, die mir 2020 und 2021 wichtig waren, die auf der Agenda gestanden hätten, aber aufgrund der Situation „unerhört“ blieben, ergänzt durch starke Reminiszenzen an die „Zeit davor“.»

Da ist es jetzt nicht einfach mit einem Badooum getan. Wie kniffelig die Einzelteile zusammengesetzt wurden, darüber gibt Martin Tchibas Website Aufschluss. Das alles ist nämlich zugleich sowohl so hochinteressant wie beim ersten, zweiten und x-1ten Hören kaum zu erahnen – und selbst mit Kenntnis der Hintergründe ist es nicht einfach, den „Kontext zu hören“. Kaum nur kann man die verwendeten Materialien heraushören, noch deren mehr oder weniger logische Verarbeitung. Aber warum auch. Die Musik, die sich hier vor einem entfaltet, fragt nicht nach; die Ohren fragen auch nicht nach, sondern folgen blind-hörend. Darauf sich einzulassen und dabei geradewegs jede Tiefe des Mithörens nutzen zu können, macht diese Kompositionen so unendlich reich. Ja, ich finde, dass genau das etwas ist, was fast nur in dieser Form künstlicher Musik erfolgen kann, weil sie sämtliche musikalische Parameter traditioneller Musikpoetik quasi außer Funktion setzt und danach allein als Zeitkunst sich konstituiert. Und klanganalytisch als Raum.

Vergessen wir Badooum; das war ein lächerlich misslungener Ansatz. Eher wirken die Stücke wie bei einem dickeren vollgekritzelten Buch von transparentem Papier. Undurchdringlich auf den ersten Blick, dann schlägt man aber die Seiten auf, vielleicht mal 10 auf einmal, vielleicht nur eine – und man hört immer etwas anderes. Und vielleicht legt man das Buch auch ganz zur Seite und genießt die klanggewordenen Erfahrungen einfach im Vorüberhören – in ihrer großen Form. Auch gut!


Martin Tchiba: klang collection (2021)
eletroacoustic compositions

Martin Tchiba: elec.

emt 921

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