29. Juni 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Uygar Çağlı – Ting

Uygar Çağlı – Ting
Uygar Çağlı – Ting

Ein Debut-Album, finanziert über Crowdfunding des Bassisten, Komponisten, Arrangeurs und Produzenten Uygar Çağlı. „Er absolvierte Grazer Jazz&Pop Konservatorium und der Anton Bruckner Universität / Linz mit Auszeichnung,“ liest man in seiner Biographie auf seiner Website. Und ebenso, dass es sich bei seiner Band um „eine multikulturelle Formation mit ausgezeichneten Musikern aus Österreich, Türkei und Taiwan“ handle.

Ich kann der Musik einiges abgewinnen. Gewiss ist sie angesiedelt im Bereich von Fusion, Jazz und World – was im Prinzip eigentlich auch, genau genommen, sowieso alle Musik ist. Aber man kann derlei Musik mit Geschmacksverstärkern befeuern, die nicht aus der Musik stammen, sondern aus dem Geiste des Mischpults und musikpsychologischer Theorie und damit dem Musikgeschäft. Gemischt werden hier tatsächlich Kulturen in ihren historischen Skalen, Rhythmen, musikalischen Haltungen und instrumentalen Substanzen, deren (Her-)Kunft erkennbar bleibt und mindestens mit dem musikalischen Wissen eines Niedersachsen als „exotisch“ durchgeht, aber deren Modalitäten sich gegenseitig anzuverwandeln scheinen, idealtypisch in Track „Durme Durme“. Aber so ein bisschen Klangwind aus den 70ern ist auch dabei wie in „Topkapibop“.

Es geht letzthin eben darum, den musikalisch überspringenden Punkt bei diesen musikalischen Multiversen zu finden, den Knackpunkt, an dem alles ästhetisch aufgeht und der hier auf jeden Fall meistens in Spielfreude seinen adäquaten Ausdruck findet. Klappt so!


Uygar Çağlı – Ting
Tzu – Min Lee (voc), Bilge Kaan Kus (git), Marco Mrčela (dm), Soner Tezcan (perc), Edith Lettner (sax), Uygar Çağlı (b).

 

 

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