26. Oktober 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Max Bruch: Kammermusik / The Nash Ensemble

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #043 – Max Bruch
Max Bruch: Kammermusik / The Nash Ensemble
Max Bruch: Kammermusik / The Nash Ensemble

Im vergangenen Jahr ist sein 100. Todestag geräuschlos vorübergezogen. Das war freilich nicht allein der lähmenden Pandemie geschuldet, sondern auch der halbrunden Sache beim großen Bonner Kollegen (die dann ja bekanntermaßen weitgehend ausfiel). So oder so tut sich das Musikleben mit Max Bruch (1838–1920) und seinem Œuvre schwer. Ist sein Violinkonzert g-Moll op. 26 nach wie vor ein Dauerbrenner im Konzertsaal, so haben andere Werke aus seiner Feder kaum Chancen auf eine Aufführung im repräsentativen Rahmen. Dabei hat sich Bruch in seinem langen Leben früher oder später allen Gattungen gewidmet: Oper, Oratorium, Sinfonie, Konzert, Kammermusik. Einiges davon (Oper und Oratorien) wurde bereits in den letzten Jahren eingespielt, zur Zentenarfeier hat nun vor allem Instrumentales Berücksichtigung gefunden. Vieles davon wurde nicht das erste Mal eingespielt – und doch sind es vielleicht erst diese neueren, vielfach hochkarätigen Einspielungen, die Spuren hinterlassen werden. Bei Max Bruch gibt es jedenfalls noch immer viel zu entdecken…

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Für das Nash Ensemble ist es die zweite CD mit Kammermusik von Max Bruch. Wie bereits in den 1970er und 80er Jahren (damals noch beim Label CRD) steht die flexible Formation auch in einer neuen Generation für saftigen Sound, kam­mermusikalische Spielfreude und ausgehörte Interpretationen. Der sehr direkte Klang mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein – allerdings verschwimmen so auch keine Details. Für das Streichquartett Nr. 2 E-Dur op. 10 aus dem Jahre 1860 ist das fraglos von Vorteil, denn der 22-jährige Komponist hat hier bereits viel auch in den Nebenstimmen zu sagen. Noch früher ist das Klaviertrio c-Moll op. 5, das spätestens im Finale der gewählten Tonart alle Ehre macht. Kompakt gedacht, stehen hier die beiden Streicher dem Klavier oftmals im Unisono gegen­über. Eine überraschend aufwühlende Komposition, die aus heutiger Perspektive zu den besten dieser Gattung von der Mitte des 19. Jahrhunderts an gerechnet werden muss. Hier wie auch in den wunderschönen charakteristischen Stücken für Violoncello op. 70 (sie sind im Tonfall europäischer Nationen gehal­ten) und der Romanze für Viola op. 85 tritt das Klavier nicht in den Vordergrund, sondern mischt sich trefflich in ein geradezu ideales kammermusikalisches Klangbild.


Max Bruch: Kammermusik / The Nash Ensemble

  • Klaviertrio c-Moll op. 5,
  • Vier Stücke für Violoncello und Klavier op. 70,
  • Romanze für Viola und Klavier op. 85,
  • Streichquartett Nr. 2 E-Dur op. 10

The Nash Ensemble

Hyperion CDA 68343 (2020)

 

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