Natürlich kann die unbefangen anmutende spielerische Frische des AOI Trios für sich einnehmen. Aber es gibt in der Kammermusik (beim Streichquartett wie im Klaviertrio als zentrale Gattungen) noch mehr Aspekte und Kriterien zu berücksichtigen. Da wäre vor allem der Ausgleich zwischen den Stimmen – nicht nur vor dem Mikrophon (dafür sorgt die Technik), sondern auch in der Realisierung der Partitur. In diesem Fall aber scheinen mir die zahlreichen Möglichkeiten und Perspektiven nicht einmal angedeutet. Um das zu hören, muss man nicht zwangsläufig in ein Adagio gehen; hier reicht schon der zweite Satz des Dvořák-Trios (Allegretto grazioso). Dieser wird zwar ordentlich gespielt und emotional gedeutet, doch wie bei den eigenen Gefühlen gibt es auch zahlreiche Zwischentöne – und bei Dvořák sind dies die kontrapunktisch eingeflochtenen Gegenstimmen, vor allem im Klavier. Von ihnen ist aber neben der melodietragenden Oberstimme nur wenig zu hören. Fast möchte man glauben, die Faktur wäre hier «griffiger» zurecht gerückt worden, ihre wahre Komplexität gemieden. Feuer und Elan geben der Einspielung gleichwohl einen wunderbaren Impetus.
Bohuslav Martinů. Klaviertrio Nr. 1 H 193 (1930); Antonín Dvořák. Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65 B 130
AOI Trio
hänssler classic HC 22029 (2022)