17. September 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Benjamin Britten / Peter Grimes

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #035 – Schiff ahoi
Benjamin Britten / Peter Grimes
Benjamin Britten / Peter Grimes

«The Opera Company». Machte mit diesem Worten im 20. Jahrhundert eine große Schallplattenfirma von sich reden, ist es nun das ebenfalls in England beheimatete Label Chandos, das für sich dieses Motto beanspruchen könnte. Denn wo Majors von einst keinen Mumm mehr in den Knochen haben, eröffnen sich für andere ganz neue Freiräume. Schon seit einigen Jahren ist klar, dass sich Chandos nicht nur den ewigen Highlights widmet, sondern vor allem jenen Bühnenwerken, die aufregende Akzente setzen. Alles begann vor über 20 Jahren mit der Serie «Opera in English», einer früher beimPublikum beliebte Aufführungsweise, die zu jener Zeit im deutschsprachigen Raum allerdings schon abgelegt worden war.

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In einem nächsten Schritt wurde neues Repertoire erkundet – italienisches, deutsches, britisches, darunter (natürlich) auch die Bühnenwerke von Benjamin Britten, eingespielt von dem unermüdlichen, viel zu früh verstorbenen Richard Hickox. Nun ist es Edward Gardner, der die Reihe vom norwegischen Bergen aus fortsetzt, ober besser: erneuert. Das in einem abenteuerlich anmutenden, eigentlich übergroßen und dennoch akustisch vorzüglich angelegten Betonbau beheimatete Orchester hat in den vergangenen Jahren international schon mit zahlreichen Produktionen geglänzt. Bei Brittens Peter Grimes nun handelt es sich um eine Studioproduktion im Anschluss einer gefeierten halbszenischen Produktion vom November 2019. Und man erkennt sofort: An allen Küsten der Nordsee weiß man genau, welche klangliche Atmosphäre dem psychologisch heiklen Libretto beigegeben werden muss, um spätestens in den Intermezzi auch dem Meer seine tragende Rolle zukommen zu lassen. Die durchgehend ausgewogene wie herausragende Besetzung wird von Stuart Skelton angeführt, der den Vergleich mit dem legendären Peter Pears nicht scheuen muss. Am meisten aber überzeugt mich das klangliche Gleichgewicht von Solisten, Chor und Orchester, das die Qualitäten der Partitur hervorhebt – dramaturgisch, kompositorisch und hinsichtlich der Instrumentation. Viel Licht in den Untiefen der menschlichen Seele.


Benjamin Britten. Peter Grimes op. 33 (1944/45)
Stuart Skelton (Tenor), Samuel Winter, Erin Wall (Sopran), Roderick Williams (Bariton), Susan Bickley (Mezzo), Hanna Husáhr (Sopran), Vibeke Kristensen (Sopran), Robert Murray (Tenor), Neal Davies (Bariton), Catherine Wyn-Rogers (Mezzo), James Gilchrist (Tenor), Marcus Farnsworth (Bariton), Barnaby Rea (Bass), Bergen Philharmonic Choir, Royal Northern College of Music Chorus, Choir of Collegium Musicum, Bergen Philharmonic Orchestra, Edward Gardner

Chandos CHSA 5250 (2020)

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