13. Mai 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Bach: Complete Concertos – Concerto Copenhagen

Bach: Complete Concertos – Concerto Copenhagen
Bach: Complete Concertos – Concerto Copenhagen

Obwohl das Concerto Copenhagen in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, mutet die Diskographie des gerne auch «CoCo» genannten Ensembles erstaunlich übersichtlich an. Mehr noch ist es wohl so, dass die internationale Aufmerksamkeit erst mit der Aufnahme der Bach-Konzerte einsetzte, deren erste Folge vor nun schon 18 Jahren herauskam und deren letzte 2015 erschien. Ein Glücksfall – auch für das Label cpo, das sich sonst eher auf Repertoire-Entdeckungen versteht, hier nun aber eine Formation mit «Standards» ins Rampenlicht führte.

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Inzwischen sind die fünf Alben auch kombiniert und wohlfeil zu haben – und erfreulicherweise in gewohnt guter Ausstattung, wie man sie auch bei jeder anderen Produktion des Labels findet. Es lohnt sich daher ein Blick zurück – und nach vorne: Denn inzwischen sind (separat) auch die Brandenburgischen Konzerte erschienen, im aktuellen Konzertkalender kündigen sich auch die vier Orchesterouvertüren an…

Was diese Einspielung der zahlreichen Konzerte für eine, zwei, drei oder auch vier Cembali sowie der für Violine(n) auszeichnet, ist an erster Stelle die interpretatorische Souveränität. Da sitzt das Tempo, und auch die Artikulation ist stets sauber durchgearbeitet. Markante Faxen, mit denen aktuell andere Formationen aus Japan oder Italien zu punkten sich mühen, sucht man beim CoCo und Lars Ulrik Mortensen (dem spiritus rector) vergebens. Ein wenig erinnert mich der Stil dabei an die schon legendären Einspielungen mit dem English Concert unter Trevor Pinnock (Archiv Produktion), die vielfach wieder aufgelegt wurde. Es mag somit auch kein Zufall, dass nun, 40 Jahre später, Pinnock auch den Part des zweiten Cembalos übernimmt (bei dem ging übrigens Mortensen in London in die Lehre). Eine schöne Geste und noch mehr, nämlich die Fortsetzung eines alles andere als exaltierten Weges zu einer historisch informierten Aufführungspraxis.

Akustisch treten in der Zusammenschau der Aufnahmen von «CoCo» einige Differenzen hervor: So steht in der ersten Produktion das Cembalo viel zu weit vor den Streichern (geradezu aufdringlich hörbar in BWV 1054/2), in den folgenden Alben ist es mehr vom Ensemble umschlossen, dafür tritt nun eine weiteräumige Akustik hervor, die man im Leipziger Café Zimmermann nie angetroffen hätte. Etwas spitz muten mir die Violinkonzerte im Ton an, wunderbar ist es indes, wenn im B.c. ein Fagott mitgeht und den Werken vom Bassfundament her eine eigene Farbe mitgibt. – Man sagt, nach dem 30. Geburtstag würden die besten und produktivsten Jahre beginnen. Möge dies auch für das Concerto Copenhagen gelten!


Johann Sebastian Bach: Complete Concertos

  • Cembalokonzerte BWV 1052–1058,
  • Tripelkonzert a-Moll für Flöte, Violine, Cembalo BWV 1044,
  • Konzerte für 2 Cembali BWV 1060–1062,
  • Konzerte für 3 Cembali BWV 1063 und 1064,
  • Konzert für 4 Cembali BWV 1065,
  • Violinkonzerte BWV 1041–1043;
  • Konzert für Oboe und Violine BWV 1060R

Lars Ulrik Mortensen, Trevor Pinnock, Marieke Spaans, Marcus Mohlin (Cembalo), Katy Bircher (Flöte), Antoine Torunczyk (Oboe), Fredrik From, Peter Spissky, Bjarte Eike, Manfredo Kraemer (Violine), Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

cpo 555 299-2 (2002–2013)

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