1. Dezember 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Douglas Weiland: Streichquartette 4 & 5 – The Melbourne Quartet

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #026 – Streichquartette
Douglas Weiland: Streichquartette 4 & 5 – The Melbourne Quartet
Douglas Weiland: Streichquartette 4 & 5 – The Melbourne Quartet

Keine andere Gattung ist in den vergangenen 250 Jahren so lebendig geblieben wie das Streichquartett. Trotz einer strengen Ästhetik, die kompositorische Erfahrung, schöpferischen Ernst, fortwährende Originalität und engen Bezug zur eigenen Geschichte verlangt, hat es jede Epoche, jeden Stilwechsel gefahrlos überstanden – man könnte sogar sagen: Gerade weil das Streichquartett in seiner Intimität und klanglichen Geschlossenheit das „Nackende der Tonkunst“ (C.M. von Weber) darstellt, wirft es den Komponisten auf die inneren Kräfte der musikalischen Gestaltung zurück. Es geht immer ums Ganze.

So auch bei den beiden Streichquartetten Nr. 4 op. 50 (2011) und Nr. 5 op. 51 (2012) des englischen Komponisten Douglas Weiland (geb.1954). Im Konzertsaal wie auf CD hierzulande unbekannt, überraschen seine beiden nun schon zehn Jahre alten Werke durch detaillierte Kenntnis des Repertoires wie auch durch originelle Durchdringung. Vor allem denkt Weiland seine beiden Quartette von Bartók aus – klar erkennbar an der Diastematik der Motive, der offenen Faktur und der exquisit folgerichtigen Harmonik. Darüber hinaus greift Weiland gedanklich auf Joseph Haydn zurück – nicht durch bloße Zitate, sondern im Diskurs des Materials. Das gilt bereits für den Beginn des 5. Quartetts, der innerhalb von wenigen Tönen subdominantisch in die Tiefe gerissen wird und den Satz öffnet. Ähnlich der langsame Satz, der von Haydn op. 20/5 ausgeht, dabei aber rasch in ganz andere Bereiche driftet. Ohnehin erscheint das kalkulierte „Driften“ des Tonsatzes als ein wundervoll beglückendes intellektuelles Spiel, das auch nach mehrmaligem Hören seinen Reiz behält. Das fulminant aufspielende und akustisch in erster Güte eingefangene Melbourne Quartet (kammermusikalisch direkt, warm und ausgewogen) hatte sich für die Produktion bestens vorbereitet; es besorgte nur wenige Wochen zuvor auch die erstaunlich späte Uraufführung beider Werke im Herbst 2018. Eine CD, die vollkommen unerwartet zum Highlight wird.


Douglas Weiland: String Quartett No. 5 op. 51 (2012), String Quartet No. 4 op. 50 (2011)
The Melbourne Quartet

Naxos 8.574028 (2018)

 

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