5. Dezember 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Hans Arnold – Interim

Hans Arnold – Interim

Was ist das? Das Setup besteht aus Wurlitzer Piano und stehender Bass Drum. Daraus und drumherum wird gefrickelt, geloopt und gewerkelt. Hobbykeller, Experimentalküche der Repetitions-Avantgarde? — Oder einfach nur ein Denkmal der Tonkunst? Dass das nämlich nicht zu einer geschmäcklerischen Sülze gefriert, dafür sorgt Hans Arnold immer wieder mit kleinen Steinchen, die er in die Kompositionen streut und die gottlob eher nur ein Ausrutschen beim Mithören erzeugen («Future in Present»). An sich auch erstaunlich, welche verschiedenen musikalischen Poetiken sich mit dem genannten Instrumentarium erzeugen lassen. Auch im Bereich der Geräusche

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Max Zentawer: solo

Max Zentawer: solo

Die Reichhaltigkeit der Jazz-Szene in Deutschland scheint geradezu unendlich. Dass ich die meisten Musiker:innen der CDs, die ich hier in der HörBar bespreche nicht kenne, geschweige denn jemals zuvor von ihnen gehört habe, bestätigt mir das wunderbar. Max Zentawer spielt hier „solo“ seine akustischen und elektrischen Gitarren quasi im Ensemble, wann es sich eben ergibt, wenn man im Studio arbeitet, statt auf der Bühne – wie so häufig coronabedingt. Man folgt dem Gitarrenflow mit Vergnügen und mit der Leichtigkeit, die Zentawer zu erzeugen versteht. Fast alle Gitarrist:innen, die zu hören

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Florian Galow: Wendekreis

Florian Galow: Wendekreis

Da hat jemand viel Freude an seinem Instrument, seinem Kontrabass. In 10 Stücken reizt er die klanglichen Möglichkeiten und ihre Raumwirkung aus. Sonorisch, flirrend, gerne auch mikrotonal, dann wieder mit deutlich rhythmischer Nebenwirkung. Aber Florian Galow ist eben allein mit sich, dem Instrument und seinem Klangraum St. Petri zu Lübeck. Das macht die Sache vertrackt. Aber er scheitert nicht, sondern gewinnt auf der kompletten ästhetischen Linie. Vor ein paar Wochen hatte ich Hub Hildenbrand mit seiner Gitarre in der Dorfkirche, ähnlich, aber doch in den polyphonen und harmonischen Dimensionen deutlich

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Weber: Once Upon A Time

Weber: Once Upon A Time

Konzert im August 1994 beim „Festival International De Contrebass“ in Avignon. Eberhard Weber solo. Elektrisch mit Effektgeräten für Overdubs. Sechs Stücke. Der Grundklang des Weberschen Musizierens ist bekannt: Ein sündig-süffige Klang, der kugelblitzartig durch den Raum zieht. Damit kann er musikalische Welten an uns vorbeiziehen lassen. Ein Silberschweif zieht dabei mit ihm mit und klingt dabei mit. Die Grenzen zum Pop manchmal deutlich sehr präzise überschreitend, ja fast verletzend. Dann wieder ganz bei sich, verkapselt, als gäe es keine Welt mehr, nur diese eine in sich, in Schleifen verschlingende. Das

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Hildenbrand: Mater

Hildenbrand: Mater

Im September 2020 hat sich Hub Hildenbrand für die Aufnahmen seines Mater-Zyklus in die Dorfkirche von Woddow begeben. Das ist ein kleines Dorf der Uckermark mit ca. 109 Einwohnern. „Die Saalkirche wurde in sauber gequadertem Feldsteinmauerwerk während der Ostkolonisation in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut,“ steht im Wikipedia-Eintrag. Warum das gesagt wird: Nun die von Hildenbrand hier zelebrierte Musik klingt nach „steinalt“ – nach archaischer, erdiger, schwebender Musik, die sich so wunderbar freispielt, wie sie zugleich doch wie verankert und gesichert wirkt. Hildenbrand erschafft hier mit ganz wenig

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Samuel Leipold – Viscosity

Samuel Leipold – Viscosity

Gehört für mich in die Kategorie „Seltsame Musik“. Warum? Weil sie kaum anfassbar ist, eine Installation in Tönen und Klängen eher als ein Stück geworfener Musik. Also eher eine Art Tonmöbel – einerseits. Leipold beschreibt die Musik selbst als „Resultat einer sehr intensiven Phase der Beschäftigung mit so unterschiedlichen Einflüssen wie moderner klassischer Gitarrenmusik, im speziellen die Musik Toru Takemitsus, oder elektronischer Ambient Musik.“ Das hilft einem nicht so ganz auf die Sprünge. Eher noch die kryptische Klarheit, die sich sich in den Worten „Jedes der neun Stücke bildet in

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