23. April 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Ketil Bjørnstad / Lofotoratoriet

Ketil Bjørnstad / Lofotoratoriet

Es ist eine Hymne auf die Natur, ihre Schönheit und Kraft, und auf die Menschen, die mit ihr leben in einer Landschaft, die für viele zu einem Sehnsuchtsort geworden ist: die der norwegischen Lofoten. Nördlich des Polarkreises gelegen, werden diese Inseln mit dem Wechsel der Jahrzeiten in Dunkelheit und Licht getaucht, von Sturm und Gischt umgeben. Dass dort allerdings auch alle Formen der Kunst zuhause sind, mag einen Außenstehenden zunächst verwundern. Wer hat hierzulande schon etwas vom sommerlichen Lofoten Internasjonale Kammermusikkfest gehört? Über eine Region, mehr noch: über diese Region

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Johan Kvandal / Engegård Quartet

Johan Kvandal / Engegård Quartet

Es mag noch immer überraschen, dass Mitte des 20. Jahrhunderts im Norden Europas keine radikalen ästhetischen Brüche zu verzeichnen waren, obwohl auch dort der Zweite Weltkrieg seine Spuren hinterlassen hatte. Dies gilt nicht nur für Schweden, sondern auch für Norwegen und hier insbesondere für Johan Kvandal (1919–1999), der neben seiner schöpferischen Tätigkeit in Oslo als Organist und Musikkritiker arbeitete. Seine nun auf einem Album neu und vollständig eingespielten Streichquartette geben Einblick in ein vollkommen unabhängiges Schaffen, das seine Wurzeln in der spätromantischen deutschen Schule in Leipzig (Karl Marx) hat und

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Sonoko Miriam Welde / Bruch & Co.

Sonoko Miriam Welde / Bruch & Co.

Bereits Max Bruch selbst hatte sich gegenüber seiner Familie beklagt, dass sogar in Italien ihm an jeder Ecke aufgelauert werde, um «sein» Violinkonzert vorzuspielen. Gefühlt ist es so bis heute geblieben – schaut man sich die schier endlos anmutende Liste der Einspielungen an. Das Konzert gehört nun mal zum Repertoire, zugleich aber wird es von den meisten grundlegend unterschätzt, interpretatorisch beiläufig behandelt oder gar als bloße Pflicht angesehen. Wer allerdings das Album mit der aus Norwegen stammenden Sonoko Miriam Welde auflegt, wird in keinster Weise enttäuscht – mehr noch: Wer

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Habbestad / Quattro stazioni

Habbestad / Quattro stazioni

Die Gleiskreuzung des Covers lässt verschiedene Assoziationen aufkommen. Etwa an das oft nur kurze Überschneiden von Wegen, die dann wieder zügig auseinanderlaufen (das kennt wohl jeder aus der eigenen Biographie), oder tatsächlich an ein so genanntes Gleisvorfeld. (Wer kein regelmäßiger Zug-Reisender ist: Das ist die Strecke vor einem Bahnhof, während der es immer ruckelt und man vor den Türen hin und her geworfen wird, bis endlich der angezeigte Bahnsteig erreicht ist). Der norwegische Komponist Kjell Habbestad (geb. 1955) nimmt es nicht so wörtlich (kein Wunder, das Streckennetz seiner Heimat ist

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Lars Lien / Out of Step

Lars Lien / Out of Step

404. So lautet in diesem Fall die allumfassende Antwort, sucht man mit den auf der einschlägigen Seite bei Wikipedia angegebenen Links nach dem auch unter Kennern kaum bekannten englisch-schwedischen Komponisten Mark Adderley (1960). Um nicht missverstanden zu werden: Die «Hörbar» wird keinesfalls die Arbeit einer Booklet-Redaktion überprüfen – aber für die Angabe eines Entstehungsdatums wäre ich allein schon aus Gründen verlässlicher Metadaten dankbar. Dies gilt besonders, wenn es um komponierende Zeitgenossen geht, die offenbar einer eigenen Grammatik und Syntax folgen. Auf diesem Album des sehr rührigen norwegischen Labes LAWO spielt

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Norwegian Opera Overtures

Norwegian Opera Overtures

In Oslo kann man der Oper wirklich aufs Dach steigen. Ein herrliches Haus, doch dicht am Wasser gebaut; da hat der Architekt wohl allzu optimistisch in die Klimazukunft geschaut. Musikalisch lohnt allerdings der Blick zurück. So hat im Winter 2020 das Orchester aus seinem Graben heraus tief im Fundus der norwegischen Musikgeschichte gestöbert. Zutage befördert wurden dabei wahre Raritäten: Gleich sieben Ouvertüren (und ein paar Tanzeinlagen) zu längst vergessenen Opern in der Tonsprache der Romantik (entstanden zwischen 1824 und 1940) buhlen geradezu um die Gunst des Hörers und werfen ein

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Signe Lund

Signe Lund

Es passiert nicht oft, dass eine Komponistin so konsequent aus der nationalen Musikgeschichte «hinausgeschrieben» wurde, wie dies bei Signe Lund (1868–1950) der Fall war. Früh schon erhielt die in besonderer Weise musikalisch Begabte von Edvard Grieg den Rat, nicht zu heiraten, im Wissen um die damit verbundenen Verpflichtungen, die sie dann tatsächlich für viele Jahre vom Konzertieren und Komponieren abhielten. Schließlich ließ sie ihre Familie in Norwegen zurück und wandte sich mit finanzieller Hilfe des Schwiegervaters (!) nach Berlin, Kopenhagen und Paris. Durch ihren zweiten Ehemann, einen französischen Architekten, gelangte

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