29. Januar 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
London ca. 1720 / Le Rêveuse

London ca. 1720. Corelli’s Legacy / La Rêveuse

Dieses Album wirft einen so hochinteressanten wie farbigen Blick auf die Themse-Metropole zu Beginn des 18. Jahrhunderts – einer Zeit, in der sich das bürgerli­che Musikleben Londons in großen Schritten zu einem der aufregendsten von ganz Europa entwickelte. Hier konnte man als Impresario mit ansprechenden Inszenierungen im Handumdrehen reich werden und ebenso rasch bankrott gehen. Seit 1705 überrollte außerdem die italienische Musik alle Bühnen, Konzertsäle und privaten Salons. Zugleich verbreiteten rührige, strategisch geschickte Verleger die jeweils aktuelle Musik in zahlreichen Arrangements. Dass sich dabei nicht alles gleich um Georg Friedrich Händel

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #046 – Anno Domini
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In a Strange Land / Ensemble Stile Antico

In a Strange Land / Ensemble Stile Antico

Entscheidend für das Verständnis der eingespielten Werke ist der mitgelieferte Untertitel: «Elizabethan Composers in Exile». So steht einmal mehr die hochpolitische Zeit des ausgehenden 16. Jahrhunderts im Zentrum; hier geht es um die Folgen einer päpstlichen Bulle, die der Königin das Recht auf den Thron absprach und allen Gefolgsleuten mit der Exkommunizierung drohte. Doch so sehr die Schiffe auf dem Cover eine kollektive Ausreise nahe legen – das Konzept geht nicht ganz auf. Denn die Verhältnisse waren (wie immer) deutlich komplizierter, geprägt von Verrat und falschen Freundschaften; es ging nicht

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #035 – Schiff ahoi
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Beethoven 7 – Prometheus / FBO – van der Goltz

Beethoven 7 – Prometheus / FBO – von der Goltz

Fast könnte man von einem rezeptionsgeschichtlichen Glücksfall sprechen. Denn sowohl das Jubeljahr 2020 wie auch die vielfach zum «Nachholen» angedachte Verlängerung 2021 sind für Beethoven und seine Werke ausgefallen. Hand aufs Herz: Bereits die nur angekündigte Omnipräsenz hatte die Befürchtung bestätigt, dass zumeist wieder einmal allzu gewöhnliche Programme entworfen worden waren – einmal abgesehen von all den ganzen oder halben Zyklen, den herausragenden singulären Events oder auch dem Tonträgermarkt. Wirkliche Überraschungen waren selbst hier nur selten anzutreffen. Doch während mehrere Labels mit ihrem redlich erarbeiteten, glücklich vererbten oder bloß angekauften

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #033 – Sinfonisches
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Musique pour Notre-Dame de Paris – Ensemble Organum

Musique pour Notre-Dame de Paris – Ensemble Organum

Mit dieser Neuauflage wird eine der aufregendsten Einspielungen der um 1360 entstandenen Messe de Notre Dame von Guillaume de Machaut wieder auf CD verfügbar. Diese Messe gilt als die erste vierstimmige Vertonung des Ordinariums, die nachweislich von einem einzigen Komponisten stammt – zudem von einem, der sich auch schon als solcher verstand und reflektierte. Machaut (ca. 1300–1377) war, abgesichert durch eine Domherrenpfründe, im modernen Sinne freischaffend tätig und ließ seine Werke in gleich mehreren Handschriften gesammelt überliefern – ein ebenfalls sehr moderner, enzyklopädischer Zug, der dazu beitrug, dass sich überhaupt

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #025 – Mittelalterliche Musik
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Beethoven: Sinfonie Nr. 6 / Knecht: Le Portrait musical de la nature – Akademie für Alte Musik Berlin / Forck

Beethoven: Sinfonie Nr. 6 / Knecht: Le Portrait musical de la nature – Akademie für Alte Musik Berlin / Forck

Dass Beethoven als Komponist in seiner Zeit wirklich nicht alleine stand, dass sein Œuvre auch mehr zu bieten hat als die bis heute immer wieder gespielten Werke, das zeigt das Label harmonia mundi mit seiner auf lange Sicht angelegten Serie „2020 / 2027“, die Bekanntes mit Unbekanntem kombiniert und jenem auch Zeitgenössisches verknüpfend an die Seite stellt. In diesem Fall ist es Beethovens „Pastorale“, der auch chronologisch das fünfsätzige Portrait musical de la nature von Justin Heinrich Knecht (1752–1817) vorausgeht. Eine Kombination, die nicht nur einleuchtet, sondern gleichermaßen Verbindendes wie

Teil 4 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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Ludwig van Beethoven: Leonore (1805) – René Jacobs, Freiburger Barockorchester …

Ludwig van Beethoven: Leonore (1805) – René Jacobs, Freiburger Barockorchester …

René Jacobs ist immer für eine wohlbegründete Überraschung gut, und so haben er und sein Label Harmonia Mundi schon vor Beginn des Jubeljahres ein beachtliches Beethoven-Ass aus dem Ärmel gezogen: Eine Einspielung der „Leonore“ von 1805, der ersten Fassung jener Oper also, die Beethoven zunächst vier Monate nach der wenig erfolgreichen Uraufführung in einer gekürzten Version und schließlich 1814 als „Fidelio“ gänzlich umgearbeitet vorlegte. Jacobs betrachtet seine Aufnahme nicht als Ausgrabung einer Rarität für Spezialisten. Vielmehr ist für ihn – das begründet er im Text zu der schön in Buchform

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hb08 mahler

Gustav Mahler: Titan. Eine Tondichtung in Symphonieform – Les Siècles, François-Xavier Roth

Bereits die Werkbezeichnung der Komposition macht bei dieser CD klar, welche Fassung gespielt wird: nicht etwa die Erste Sinfonie mit dem ausgeschiedenen „Blumine“-Satz, sondern vielmehr die als „Titan“ bezeichnete mehrsätzige Sinfonische Dichtung, wie sie am 27. Oktober 1893 in Hamburg uraufgeführt wurde. Mehr noch: François-Xavier Roth und sein Ensemble, besser: Orchester Les Siècles haben auf Originalinstrumenten genau jenen Ton in fabelhafter Weise getroffen, der Mahler wohl vorgeschwebt hat. Und so wird hier wirklich etwas aus der Natur in Tönen lebendig – im Detail peinlichst ausgehört und technisch brillant umgesetzt, bisweilen

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #008 – 2019/09
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Johann Sebastian Bach: The Complete Works for Keyboard Vol. 1

Johann Sebastian Bach: The Complete Works for Keyboard Vol. 1 – Benjamin Alard (Orgel & Cembalo)

Ein großes Projekt geht hier mit der ersten Folge an den Start – zu einer Zeit, in der selbst bei Durchsicht der künftigen Annalen absehbar nicht einmal ein halbrunder Gedenktag ins Haus steht. Warum also Johann Sebastian Bachs Werke für Tasteninstrument neu einspielen?, möchte man fragen. Aber offenbar gibt es auf dem Tonträgermarkt doch noch Unternehmungen, die sich nicht von einem Jubiläum zum andern treiben lassen, sondern das Notwendige im Blick haben. Mir erscheint das wunderbar unzeitgemäß, lässt hoffen oder mutet zumindest wie ein letztes Rufen aus der Wüste an.

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #004 - 2019/03
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Sergei Rachmaninow. 24 Preludes :: Nikolai Lugansky (Klavier) ::

Sergei Rachmaninow: 24 Preludes | Nikolai Lugansky (Klavier)

Rachmaninows Preludes haben es nicht leicht: Oft rücken die immensen technischen Anforderungen in den Vordergrund, oder die einzelnen Sätze wirken allzu schwerblütig. Unter Luganskys Händen entfalten die Sammlungen op. 23 und 32 jedoch ihren faszinierenden Zauber: mit virtuosem Understatement und poetischer Stringenz wirklich musikalisch gedeutet. So einfach, so schwer. Sergei Rachmaninow. 24 Preludes :: Nikolai Lugansky (Klavier) :: harmonia mundi HMM 902339 (2017)

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #001 - 2018/10
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Gustav Mahler: Symphony No. 9 | Swedish Radio Symphony

Gustav Mahler: Symphony No. 9 | Swedish Radio Symphony Orchestra, Daniel Harding

Keine gesammelten Werke, sondern hervorragende Einspielungen unterschiedlichen Repertoires: Dafür stehen nun schon seit einiger Zeit das Schwedische Radio-Sinfonieorchester und sein Chef Daniel Harding. Nach stilistisch gegensätzlichen Produktionen mit Werken von Widmann, Brahms, Tschaikowsky, Bartók und Richard Strauss folgt nun Mahlers Neunte. Was für ein Ereignis! Es gibt seit jeher viele Möglichkeiten, diese große Partitur zu deuten – vor allem mit Blick auf den biographischen Kontext. Der Musik hat es nur bedingt geholfen, denn die fragile Faktur gestattet nicht immer jene romantische Süffigkeit, der man sich gerne vorschnell hingeben mag. Vielmehr verlangt sie eine

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #001 - 2018/10
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