26. Oktober 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Beethoven 7 – Prometheus / FBO – von der Goltz

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #033 – Sinfonisches
Beethoven 7 – Prometheus / FBO – van der Goltz
Beethoven 7 – Prometheus / FBO – von der Goltz

Fast könnte man von einem rezeptionsgeschichtlichen Glücksfall sprechen. Denn sowohl das Jubeljahr 2020 wie auch die vielfach zum «Nachholen» angedachte Verlängerung 2021 sind für Beethoven und seine Werke ausgefallen. Hand aufs Herz: Bereits die nur angekündigte Omnipräsenz hatte die Befürchtung bestätigt, dass zumeist wieder einmal allzu gewöhnliche Programme entworfen worden waren – einmal abgesehen von all den ganzen oder halben Zyklen, den herausragenden singulären Events oder auch dem Tonträgermarkt. Wirkliche Überraschungen waren selbst hier nur selten anzutreffen.

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Doch während mehrere Labels mit ihrem redlich erarbeiteten, glücklich vererbten oder bloß angekauften Backkatalog in mehr oder weniger luxuriösen Boxen und recht unterschiedlichen «Vollständigkeits-Definitionen» in den Wettstreit traten, bekannte sich harmonia mundi zu einem eigenen Langzeitprojekt, das erst 2027 auf die Zielgerade gehen wird, unterschiedliche interpretatorische Sichtweisen berücksichtigt und auch bei der Werkauswahl andere Wege geht. Dies betrifft besonders die Einspielung der Sinfonien – hier die der Siebten mit dem Freiburger Barockorchester, aufgenommen noch im Februar 2020.

Ohne den häufig genug unnötig kantig und mit breitem Pinsel agierenden Pablo Heras-Casado kehrt das FBO unter der Leitung seines Konzertmeisters Gottfried von der Goltz zu alten Tugenden zurück: Da wird sauber aufgebaut, technisch präzise artikuliert, in den entscheidenden Momenten das Spiel angezogen und schließlich auch erfolgreich zu einem sauberen Abschluss gebracht. Im Ton merklich aufgeraut (Streicher) und erfrischend präsent (Bläser), erlebt man das Werk aus einer fast schon musikantischen Perspektive, bei der dann die ästhetische Tiefe neue, aus den Tönen selbst gewonnene Qualitäten gewinnt. Ob das Allegretto aber wirklich diesen leicht nach vorne gehenden Impuls nötig hat? Hier wünschte ich mir statt einer vertikalen eine mehr horizontale Ausrichtung. Hingegen wird im Finale deutlich, dass sich das «con brio» eben nicht allein auf das Tempo, sondern auf den Ausdruck zu beziehen hat.

Zu einem Dauerbrenner sollte allerdings bei jedem die bis heute unverständlicherweise viel zu selten gespielte Prometheus-Musik werden (op. 43). Alle Nummern zeigen Beethoven von einer ganz anderen Seite – unverkennbar im Stil, doch im Tonfall so, dass sich neue Welten eröffnen. Wirklich jammerschade, dass der große Meister die hier beschrittenen Wege nicht weiter verfolgt hat: So gewichtig und zugleich entspannt hat er nur selten geschrieben – und dann noch diese unbeschwerte Kantabilität… Das FBO und Gottfried von der Goltz haben einer vielfach ungeliebten oder lediglich auf die «Eroica» bezogenen Partitur ein wirklich herzerfrischendes Leben eingehaucht.

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92, Die Geschöpfe des Prometheus (Ballettmusik) op. 43

Freiburger Barockorchester, Gottfried von der Goltz

harmonia mundi HMM 902446.47 (2020)

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