17. Juni 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Johann Sebastian Bach / Robert King

Johann Sebastian Bach / Robert King
Johann Sebastian Bach / Robert King
Bach hat viel bearbeitet und sich auch das ein oder andere Werk anderer Komponisten für das Cembalo oder die Orgel transkribiert und eingerichtet. Auf diese Weise konnte er sich in Weimar das moderne italienische Concerto in kürzester Zeit geradezu «erarbeiten». Doch umgekehrt haben auch Bachs Orgelwerke Bearbeitungen erfahren – für Klavier (Busoni) oder Orchester (Schönberg und Stokowski). Ein wenig komplizierter wird es mit den 1727 in Leipzig niedergeschriebenen sechs Triosonaten BWV 525–530. Sie sind für Orgel überliefert, doch gibt es Anzeichen, dass sie (zumindest teilweise) kammermusikalischen Ursprungs sein könnten. Mit den von Robert King geschmackvoll und satztechnisch absolut adäquat eingerichteten Bearbeitungen werden die Werke nun in ihre mögliche Originalgestalt versetzt.

Und tatsächlich: Was auf der Orgel eine wunderbare Übung im obligaten Spiel auf zwei Manualen und im Pedal ist, entwickelt erst in der Umsetzung durch eine kammermusikalische Formation die rhetorisch sprechenden Züge. Robert King ist dabei mit Feingefühl und klugem Verständnis vorgegangen: Die Oberstimmen werden von Sonate zu Sonate immer wieder anderen Konstellationen zugewiesen (Violine, Viola, Oboe und Oboe d’amore), der Basso continuo wechselt ebenso in der Besetzung (Cello, Theorbe, Cembalo, Kammerorgel). Es wäre vermessen, ein «so muss es sein» auszurufen, aber Robert King und sein Ensemble haben hier sehr nahe liegende satztechnische und damit auch klangliche Alternativen eingespielt, die das Repertoire fraglos bereichern – auch wenn der Bestand an Triosonaten in der Mitte der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wahrlich erheblich ist. Auch akustisch überzeugt die Einspielung durch angenehme kammermusikalische Intimität und einen wohlig warmen Klang.

Johann Sebastian Bach. Triosonaten BWV 525–530 (Arr. für Ensemble von Robert King)
The King’s Consort, Robert King

Vivat 123 (2022)

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