3. März 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Glinka revisited / Viacheslav Shelepov

Glinka revisited / Viacheslav Shelepov

Das «revisited» kennt man sonst aus wissenschaftlichen Aufsätzen, wenn alte Themen und Argumentationen nochmals aus einer neuen Perspektive beleuchtet werden. Bei diesem Album mit Klaviermusik von Michail Glinka (1804–1857) stellt sich jedoch die Frage, ob man sich diesem eher unbedeutenden Teils seines Schaffens überhaupt schon einmal musikpraktisch gewidmet hat, generell und auf einem ansprechenden, hohen Niveau. Am Ende der Überprüfung und Wiederbelebung der kleinformatigen Stücke steht aber eine doppelte Bereicherung: Zum einen wird das Bild des vor allem durch seine beiden großen Opern bekannten Komponisten bedeutend erweitert, zum anderen handelt

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Tschaikowsky / Yuan Sheng

Tschaikowsky / Yuan Sheng

1878 entstanden, ist Tschaikowskys Kinderalbum op. 39 nicht ohne das 30 Jahre zuvor gedruckte Album für die Jugend op. 68 von Robert Schumann zu denken. Tschaikowsky selbst verwies bereits auf den offensichtlichen Zusammenhang und auf die Idee, mit ebenso griffigen Satzbezeichnungen die Neugier und das Vorstellungsvermögen des musikalischen Nachwuchses anzusprechen. Unter den «Nachahmern» des 19. Jahrhunderts zählt das Kinderalbum zudem zu jenen Sammlungen, die auch künstlerisch bestehen können. Ablesbar ist dies ebenso an der Zahl der Einspielungen, unter denen allerdings die von Yuan Sheng (der nicht das erste Mal für

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Koharik Gazarossian / Nare Karoyan

Koharik Gazarossian / Nare Karoyan

Man merkt diesen Etüden kaum an, dass sie aus dem Jahr 1958 stammen. Eher könnte man sich viele der insgesamt 24 Nummern um die Jahrhundertwende (1900) vorstellen – so deutlich ist der Bezug zur romantischen Tradition, so klar der volksmusikalische Einschlag. Allerdings wird man aus der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts wohl kaum etwas von der armenischen Klangkultur finden, als andernorts überhaupt erst damit begonnen wurde, dem drohenden Verlust des eigenen musikalischen Erbes mit der Dokumentation auf Phonographen-Rollen zu begegnen. Doch auch in anderer Beziehung stellen die «Études» von Koharik

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