23. Mai 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Eichheuser Quintett – Irgendwo dazwischen

Eichheuser Quintett – Irgendwo dazwischen
Eichheuser Quintett – Irgendwo dazwischen

Dieses Quintett aus Würzburg unter ihren Bandleader:innen Carolin Heuser und Kevin Pfister legen mit ihrem Debut-Album ein zugleich aufregendes wie angenehm unspektakuläres Werk mit acht musikalischen Facetten eines kammermusikalisch intimen und introvertierten Jazzspiels vor. Die Musiker:innen haben sich während des Studiums an der Hochschule für Musik Würzburg zusammengefunden und laut Waschzettel soll nicht nur die Besetzung mit Trompete, Altsaxofon, Klavier, Bass und Schlagzeug an «große Vorbilder wie das Roy Hargrove Quintett oder manch eine Aufnahme von Kenny Garrett» erinnern. Why not?

Zurück nach Würzburg: Also Studierenden-Jazz? Das kennt man meistens in der Form von musikalischen Beiträgen, die geprägt sind von einer sich gelegentlich überschlagenden Experimentierlust, die sich in Virtuosität in Sachen Komposition, Arrangement und Spiel ausdrückt. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Es gibt diese Schleudergang-Musik hier nicht. Hier herrscht eine Spielart vor, bei der die Zwischentöne und Feinstufungen auf der Basis traditioneller Musizierpraxis ausgeübt werden: Tönungen finden den Platz, den sie in ihren formalen Bögen benötigen; kurz das Timing stimmt. Live können dann die Wunder geschehen, die im Studio für eine CD-Aufnahme ein bisschen auch «zu gut» funktionieren. Das Pendel schlägt hier noch in Richtung «solide» aus, aber es schwebelt und funkelt immer wieder auch federnd und elastisch.

«Irgendwo dazwischen» heißt das Album und legt sich damit irgendwie auch nicht fest. Ein «Dazwischen» spielt sicher auch auf die Lebenssituation an, in der sich die Musiker:innen «zwischen Studium, Berufseinstieg, Auslandsaufenthalten und was sonst noch zum Leben als Jazzmusiker*in dazugehört hat» befinden. Das lässt die konzentrierte Spielkultur besonders interessant werden.

Mit dem letzten Stück «The Next New Start» zeigt das Quintett, wo es mit sich hingehen könnte, wenn es explizit seinen eigenen Ton findet und die Bögen auch mal auf der musikalischen Oberfläche sich ankratzen, brüchig werden lässt. Mehr Leere erzeugt hier ein Mehr an Fülle des Ausdrucks. Man groovt sich hier heraus und das wird dann Jazz al dente!

Irgendwo wird es jetzt hingehen …


Eichheuser Quintett – Irgendwo dazwischen [2023]

  • Carolin Heuser – Alt-/Sopransaxophon
  • Stephan Eichhorn – Trompete/Flügelhorn
  • Kevin Pfister – Klavier
  • Sabrina Damiani – Kontrabass
  • Max Lange – Schlagzeug

Al dente records [VÖ: 3. März 2023]

 

 

hoerbar_nmz

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