3. März 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Belfiato Quintet

Belfiato Quintet
Belfiato Quintet
Nach dem Debüt-Album mit Werken von Josef Bohuslav Foerster, Leoš Janačék und Pavel Haas sowie einer international hoch gelobten Produktion mit Kompositionen von Anton Reicha legt das Prager Belfiato Quintet nun eine weitere CD vor, auf der Bekanntes und Unbekanntes eine wunderbare Melange eingehen – oder: Standardpartituren für Bläserquintett mit eher selten zu hörenden kombiniert werden. Zu diesen Raritäten zählt etwa das Quintetto op. 13 (1964) von Arvo Pärt mit drei sehr knapp gefassten Sätzen in undogmatischer Dodekaphonie und einer geradezu lapidaren, ironisch abschließenden Schlusskadenz. Doch auch die an sich populäre Summer Music op. 31 (1956) von Samuel Barber ist mit ihrem lyrisch-melancholischen Flair nur vergleichsweise selten zu hören.

Auf der anderen Seite stehen die spritzige Kammermusik op. 24/2 von Paul Hindemith und das grandiose Quintett von Carl Nielsen (beide 1922 und doch vollkommen unabhängig voneinander entstanden) sowie die etwas aus der Zeit gefallenen, im Titel auf Debussy bezogenen Danses profanes et sacrées (1963) von Henri Tomasi. Hier muss sich das Belfiato Quintet einer weiten Konkurrenz älterer Aufnahmen stellen. Dabei ist deutlich zu hören, wie die Prager Musiker einen ganz eigenen Ton und Klang entwickelt haben, der unterschiedliche musikalische Charaktere sicher aufnehmen kann. Auffällig ist etwa eine Kompaktheit des Ensembles, aus dem fallweise jeder der Instrumentalisten souverän mit einem Solo hervortreten kann. Diese Geschlossenheit lässt allerdings auch einige individuelle Merkmale der Werke in der Hintergrund treten, wie die sprudelnde Keckheit bei Hindemith, den hintergründigen Witz bei Nielsen oder die Spritzigkeit bei Tomasi. Ich persönlich denke (mit einigen Vergleichseinspielungen im Ohr), dass sich manches weitaus schärfer auf die Spitze treiben ließe – damit wären dann auch die Werke individueller gestaltet. Das aber ist ein Einwand auf sehr hohem Niveau.

Elements. Samuel Barber. Summer Music op. 31 (1956); Paul Hindemith. Kleine Kammermusik op. 24/2 (1922); Arvo Pärt. Quintettino op. 13 (1964); Carl Nielsen, Bläserquintett op. 43 (1922); Henri Tomasi. Cinq danses profanes et sacrées (1963)
Belfiato Quintet

Supraphon SU 4310-2 (2021)

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