16. Mai 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

American Quintets

American Quintets
American Quintets

Ganz unprätentiös kommt dieses Album daher. Denn hier werden die Namen der beiden Komponistinnen nicht gesondert hervorgehoben; zudem kommt das Cover ohne den Hinweis aus, dass es sich im Fall des Klavierquintetts der auf dem Plattenmarkt gerade hoch im Kurs stehenden Florence Price um eine echte Ersteinspielung handelt. Auf solche Ankündigungen hat man beim englischen Label Chandos ohnehin schon immer verzichtet, sondern viel eher mit guten, sehr guten oder gar herausragenden Produktionen gepunktet – interpretatorisch wie aufnahmetechnisch.

Auch in diesem Fall kommen Kenner wie Liebhaber auf ihre Kosten. Akustisch ist das noch junge Kaleidoscope Chamber Collective bei seinem alles andere als gewöhnlichen Debüt-Album äußerst präsent, fast haptisch greifbar eingefangen – und zwar so sehr, dass bei Samuel Barbers wundervollem Dover Beach die dun-kel timbrierte, gelegentlich brüchig anmutende Stimme von Matthew Rose ein wenig nach hinten versetzt erscheint. So transparent aber hat man die durchgearbeitete Faktur des Werkes wohl bisher kaum hören können. – Geradezu saftig geht es bei den beiden Klaviertrios zu. Sie stammen aus den Jahren 1907 (Amy Beach) und 1935 (Florence Price). Dass die Kompositionen voll spätromantischer Attitüde sind, muss freilich nicht verwundern – handelt es sich doch um eine Gattung, die erst um die Jahrhundertwende in zahlreichen Einzelwerken aufblühte, als man die sinfonische Fülle der Moderne auf ein Kammerensemble übertrug. Dies ist auch in der Komposition von Florence Price noch zu spüren, bei der im ausgreifenden Kopfsatz unterschiedliche Einflusssphären zueinander finden, darunter auch Anklänge an schwarze Melodien oder das betont europäische instrumentale Rezitativ. Im weiteren Verlauf werden Gospel und Juba geradezu veredelt. Genau aus diesem Grund aber lohnt das doppelte, ja mehrfache Hinhören.

American Quintets
Amy Beach. Klavierquintett fis-Moll op. 67 (1907); Samuel Barber. Dover Beach op. 3 (1931); Florence Price, Klavierquintett (ca. 1935)
Kaleidoscope Chamber Collective, Matthew Rose (Bass), Elena Urioste (Violine), Melissa White (Violine), Rosalind Ventris (Viola), Laura van der Heijden (Violoncello), Tom Poster (Klavier)

Chandos CHAN 20224 (2020), SACD

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

Inhalt laden

HörBarAmericaspaces / Robert Trevino >>American Sonatas >>
close
hoerbar_nmz

Der HörBar-Newsletter.

Tragen Sie sich ein, um immer über die neueste Rezension informiert zu werden.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #050 – «America»