17. Juni 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Simon Laks / Works for Voice and Piano

Simon Laks / Works for Voice and Piano
Simon Laks / Works for Voice and Piano
Wieder einmal ist dem Label EDA ein Coup gelungen. Schon seit Jahren steht alles andere als das Gewöhnliche programmatisch im Zentrum. Nahezu alle Produktionen dokumentieren den außergewöhnlichen Spürsinn für verlorene oder überhaupt erst zu entdeckende Komponisten, Sammlungen, Werke. Hier nun galt er nicht das erste Mal dem Schaffen des bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Paris lebenden (und Auschwitz überlebenden) polnischen Komponisten Simon Laks (1901–1963), und zwar seinen sämtlichen Liedern, Gesängen und einem Melodram für Stimme und Klavier – jenen Werken, von denen er selbst einmal glaubte, sie würden am ehesten im Repertoire «verbleiben», während sie doch in diesem Fall als letzter Teil seines Schaffens wieder Aufmerksamkeit erlangen. Zwischen 1938/39 und 1974 entstanden (und nicht immer genau datierbar), liegen zahlreichen der 44 Nummern Verse von Dichtern der 1918 in Warschau gegründeten Gruppe Skamander zugrunde. Dem polnischen Original wurde dabei im Druck meist eine französische Übersetzung unterlegt.

Das dick bepackte Doppelalbum verweist somit auf einen Teil des Œuvres, der es vermutlich auch im Konzertsaal weiterhin schwer haben wird. Vor allem wäre die sprachliche Hürde zu meistern, sowohl beim Hörer wie bei den Interpreten. Man kann sich zwar rezipierend immer mit Übersetzungen behelfen, ohne allerdings das Detail erfassen zu können. Auf Seiten der Ausführenden ist ein hohes sprachliches Niveau gefordert (und zwar in jeder Sprache), um dem Anspruch der Kompositionen gerecht werden zu können – so wie dies in der vorliegenden Aufnahme bei Ania Vegry (Sopran) und Katarzyna Wasiak am Klavier ausdrucksstark und differenziert der Fall ist. Angereichert wird die Gesamteinspielung durch das Melodram Le Général (Jacques Audiberti, 1939), unvergleichbar eindringlich gesprochen von Dominique Horwitz, und in einer historischen Aufnahme des Schlagers Alkoholik aus dem Jahre 1934. Editorisch erweist sich die Produktion luxuriös mit einem fundierten Booklet-Essay ausgestattet, das Hintergründe und Kontexte nicht bloß skizziert. Wo es um die Texte geht, sind in einem zweiten(!) Booklet mit 56 Seiten Umfang eigens angefertigte Übersetzungen ins Deutsche und Englische beigegeben. Derartig aufwendige, sorgfältig recherchierte und engagiert umgesetzte, physisch greifbare Produktionen sind selten geworden. Sie verdienen genauso wie die eingespielten Werke tiefen Respekt und eine breite Wahrnehmung.

Simon Laks. Complete Works for Voice and Piano
Ania Vegry (Sopran), Katarzyna Wasiak (Klavier), Dominique Horwitz (Rezitation)

EDA 045 (2019/20)

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