30. November 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Herskedahl, Myhre – Desert Lighthouse

Herskedahl, Myhre – Desert Lighthouse

Diese Kombination von Musikinstrumenten ist doch nicht normal! Tuba trifft auf Orgel. Orgel trifft auf Tuba. Leute, Sachen macht ihr. Und wie großartig. Was für ein klanglicher Tumult zwischen auf den Instrumenten lastenden Traditionen mit all dem Schnick und Schnack von strengem Satz und freier Improvisation. Macht das bitte nie wieder! Das ist definitiv zu gut so. Man wird gleich von Anfang an hineingesaugt in einen Strudel aus Tiefton-Expression und hochkultiviertem Klang. Welche sonderbaren Farben erklingen im Lighthouse Lullaby? Was klar sein sollte, musikalische Geschwindigkeitsräusche sind eher nicht zu erwarten.

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Flat Earth Society – Boggamasta III

Flat Earth Society – Boggamasta III

Also schauen wir mal, was auf der anderen Seite der Erde so an Musik existiert. Köstliche Knackfrösche tanzen da auf Katzenköppen im Kreis und spielen Reise nach Absurdistan. So irgendwie möchten sich die belgischen Künstler:innen vielleicht verstanden wissen. Das machen sie seit über 20 Jahren mit wechselhaftem Erfolg – wie mir scheint. Und gar nicht so schlecht, wie sie von unten her sich in ihren bewusstseinsverengenden Musikstilen austoben ohne doch über die Kante zu kippen. Das sollten sie aber schon machen. Mir ist da immer noch zu viel Kalkül im

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Jost Nickel – The Check In

Jost Nickel – The Check In

Kann man diesem Blick trauen, diesen Socken? Nein, kann man nicht. Denn was hier der Schlagzeuger Jost Nickel mit seiner namhaften Truppe zusammendrechselt, verwindet sich unter unvermeidlichen Tanzschritten. Da klingt so vieles so ungefähr als wie als ob – wie in Track Bloom und doch etwas anders. Geht durch. Man merkt sehr genau, dass da etwas musikalisch zusammengerührt wird, was sein Mindesthaltbarkeitsdatum bisweilen etwas überschritten. Die besten Grooves der 80er, 90er und 00er Jahre (der Pressetext fasst es in den wunderbaren Euphemismus der „zeitlosen Qualität“). In etwa so. Virtuos das

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Luciano Biondini: Dialogues – Enja

Luciano Biondini: Dialogues

Draußen dunkelt es. Es ist warm, die Luft ist getränkt mit Düften des Mittelmeerraumes. Pflanzen hat es hierher aus aller Welt verschlagen. Gesättigte Farben. So die Musik dieser drei Musiker in der etwas seltsamen Besetzung Akkordeon, Klavier und Klarinette. Sie saugen die Musik der Welt auf und legen sie unter Olivenbäume, neben denen reife Zitronen schillern. Melancholie legt sich dazu. In einer raffinierten Art legen sie neue Klangbeete an, auf denen musikalische Gewächse wachsen, die dann per Tonträgerexport an fast jedem Ort der Welt bei den Hörenden nachreifen können. Repetitive

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Fumio Yasuda

Fumio Yasuda – My Choice

Das sitzt von Anbeginn. Bei einer Rezensionsstrecke hört man sich einige CDs im schnellen Durchgang an. Und sagt sich so: Ja, mmmh, interessant. Und dann gibt welche, die ziehen sofort die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Können Sie mir das mal erklären. Dabei sind es doch nur Klaviertöne zu Beginn! „Kakyoku“, der erste Track. Fumio Yasuda hat hier eine CD zusammengestellt mit Stücken anderer, aber vor allem seiner eigenen. Das Konzept kennen die Älteren unter uns von selbstkompilierten Kassetten und CDs, später Sticks, jetzt Playlists. Der Unterschied, die Aufnahmen bestehen aus

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Stefan Goldmann: Live at Philharmonie Berlin

Stefan Goldmann: Live at Philharmonie Berlin

Das Live dürfte manchen Hörenden etwas ulkig vorkommen, kennt man dergleichen doch so gut es geht vom Studio her, nämlich elektronisch erzeugte Klänge. Hier zudem von einer Person allein. Was ist da live? Wozu bedarf es des Publikums. Umgekehrt ist es kein Thema, das Publikum bedarf der Klänge, es geht ja nicht ohne. Dass das alles in der Berliner Philharmonie passiert, zeigt jetzt aber genau was? Dass diese Art elektronischer Live-Musik im Tempel der Hochkultur angekommen ist? Oder nur Platz gefunden hat? Die Platte wirbt ja mit beiden Elementen schon

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Daniel Riegler – Fanfare III

records & other stuff: Fanfare – rocket sciene – HOHNOR

Ein neues Label mit dem Namen aus Österreich „records & other stuff“ widmet sich in seinen ersten drei Veröffentlichungen dem Musikensemble „Studio Dan“. Kein Wunder, denn es ist das Label des Ensembles. Studio Dan gehört zu den Formationen flinker Musiker:innen, die – laut Eigenbeschreibung – spielend „an den Grenzen und Rändern verschiedener Subgenres zeitgenössischer Musik (Improvisation, neue Musik, Jazz und Art Rock)“ herumoperieren. So kann man es jedenfalls im Presseinfobeiblatt lesen. Stimmts? Die drei CDs Fanfare III, HOHNOR und Rocket Science #1 #5 #8 spannen das Feld erstmals auf und

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Shoko Kuroe: Snow

Shoko Kuroe: Snow

Sommer, Sonne, Sonnenschein. Eine gute Zeit für Gedanken an Schnee. Angeblich gibt es Kulturen, die sehr viele Worte für Schnee haben. Diese CD der Pianistin Shoko Kuroe zeigt, dass wir auch viele Töne für Schnee haben – allein schon auf dem Klavier. Und niemand wird wohl ermessen können, wie viele Töne es für Schnee noch jenseits des Klaviers gibt und wie viele Schnee-Klänge, die nicht titel- oder assoziationsgebend geworden sind. Einen kleinen Ausschnitt bringt diese Zusammenstellung der Pianistin und doch einen Fächer aus Zeit, Klang und Empfindung. Kalt wird einem

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Heinzen & Mead: „Les Six“

Heinzen & Mead: „Les Six“

Musik von Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc, Germaine Tailleferre und Nr. 7: Erik Satie. Ein Blick in die Vergangenheit und eine wunderschöne Wiederaufnahme des 1920 entstandenen Gemeinschaftswerks „L’Album des Six“ zu dem jeder der sechs Komponist:nnen Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc und Germaine Tailleferre jeweils ein Klavierwerk beisteuerten. Die beiden Musiker:innen erweiterten das Programm indem sie kleine Liederzylen der Komponist:innen hinzufügten, die zeitlich das Datum 1920 allerdings brechen. Zusätzlich ergänzen sie die „6“ mit der Einfügung von Werken Erik Saties

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Danish String Quartet – Prism II

Danish String Quartet – Prism II

War für ein Prisma. Was für ein Fächer an Musik. Was tut sich hier für eine Musikwelt nur auf. Diese Konstellation aus Musikwerken, an deren Anfang eine Fuge (von Bach) steht und an deren Ende ebenfalls eine Fuge (von Beethoven) steht. Bei markieren Grenzfrequenzen des gebündelten Lichtstrahls aus vier Streichinstrumenten. Größere Werke zur Entfaltung zu bringen als die hier angezeigten von Bach, Schnittke und Beethoven ist kaum denkbar. Prismatisch sind die Werke auch in sich selbst. Das dritte Streichquartett von Alfred Schnittke aus dem Jahr 1983 steht für eine musikalische

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Beyond /W Bernhardt. feat. The Micronaut + Meuroer Mandolinenorchester – Fire & Coal

Beyond /W Bernhardt. feat. The Micronaut + Meuroer Mandolinenorchester – Fire & Coal

Das Volkslied „Kein Feuer, keine Kohle“ ist sicher nicht eines der allerbekanntesten. Dabei gehört es zu den schönsten musikalischen Wundern, die sich eingegraben haben. Rechterhand zwei sehr hübsche Versionen aus dem Fundus von Spotify. Die erste Variante mit dem Rundfunk-Jugendchor Wernigerode. Eine zweite von Hannes Wader sollte nicht unerwähnt bleiben. Man muss da nämlich schon sehr tief suchen, wenn man das Stück in der Fassung mit dem Meuroer Mandolinenorchester finden möchte. Vielleicht ist auch besser, man sucht erst gar nicht. Die Komponistin bezeichnet es auch als abstrakte Interpretation des Volkslieds.

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Dan Tepfer: Natural Machines

Dan Tepfer: Natural Machines

iTunes sortiert das unter New Age ein. Freunde der Sortier- und Segmentierungsindustrie, das stimmt so – und anders – nicht. Nicht vorne und nicht hinten, nicht in der linken und nicht in der rechten Hand, und ebenso nicht im Pedal. Es gibt hier im Gegenteil durchrationalisierte witzige 11 Studien am Klavier in Sachen Konstruktion, Erfindung und Improvisation. Punkt. Äh, Kontrapunkt. Am Piano, äh, am Digiklavier. Das Cover zeigt einen Mann, der eine Art Kugel aus wohl einem Draht in der rechten Hand hält. Das muss für bei iTunes wohl New

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