4. April 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Robert Schumann: Sinfonie Nr. 2 und Nr. 4 – London Symphony Orchestra, Sir John Eliot Gardiner

Robert Schumann: Sinfonie Nr. 2 und Nr. 4 – London Symphony Orchestra, Sir John Eliot Gardiner

Diese Einspielungen atmen zwar die Lebendigkeit wirklicher Konzertmitschnitte, sie lassen aber auch die letzte Präzision vermissen. Zudem klingen die Streicher in der Zweiten merkwürdig kantig – musikalische Poesie sieht anders aus. Mehr aber noch fällt der vielfach verdiente John Eliot Gardiner hinter den von mehreren Kollegen erreichten Stand der Interpretation zurück. Bei Schumanns Sinfonien wirkt sich dies unverblümt hörbar und fühlbar aus. Daran kann auch die berechtigte Wahl der frühen ersten Fassung (1841) der Sinfonie d-Moll op. 120 nur wenig ändern. Sie wirkt über weite Strecken hemdsärmelig in der Präsentation

Teil 6 von 6 in Michael Kubes HörBar #012 – Sinfonisches
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Robert Schumann: Sinfonie Nr. 2 und Nr. 4 – Antwerp Symphony Orchestra, Philippe Herreweghe

Robert Schumann: Sinfonie Nr. 2 und Nr. 4 – Antwerp Symphony Orchestra, Philippe Herreweghe

Erfrischend, markant, durchsichtig und poetisch zugleich. Wer schon immer mit Schumanns Instrumentation gehadert hat, der möge sich mit dieser Einspielung vertraut machen. Dabei wurde nicht an der Besetzung der Streicher gespart (12-12-8-6-5), vielmehr liegt einmal mehr das Geheimnis in der klanglichen Balance und einem ausgewogenen Tempo (wie im Scherzo der Zweiten). Auch die Vierte verliert unter der Stabführung von Philippe Herreweghe viel von ihrer oft zu hörenden Statik. So entschlackt – das geht noch immer! – rückt Schumann übrigens auch näher an Beethoven (9.) heran als an Brahms (1.), was

Teil 5 von 6 in Michael Kubes HörBar #012 – Sinfonisches
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Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 ؘ– Wiener Symphoniker, Philippe Jordan

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 ؘ– Wiener Symphoniker, Philippe Jordan

Rechtzeitig zum Jubeljahr ist sie erschienen und hat zugleich auch den Zyklus vervollständigt – diese für mich erstaunliche Aufnahme der ansonsten (zu) viel eingespielten Neunten. Nicht die Frage der Instrumente, der Besetzungsgröße, gar einer übersteigerten Intensität oder philosophischen Überhöhung steht hier im Zentrum. Vielmehr klingt die Partitur unter Philippe Jordan an vielen ihrer Enden auf überraschende Weise „klassisch“ – und wo die Grenzen Beethovens überschritten wurden, da geht nach meinem Eindruck die klangliche Orientierung eher zur Poetik eines Hector Berlioz über. So lässt sich erfahren, was außer dem Chor und

Teil 4 von 6 in Michael Kubes HörBar #012 – Sinfonisches
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Charles Ives: Symphonie No. 3 und No. 4, Selected American Hymns

Charles Ives: Symphonie No. 3 und No. 4, Selected American Hymns

Eine Begegnung mit der Musik von Charles Ives ist immer aufregend. Hier werden neben den Sinfonien Nr. 3 (The Camp Meeting) und Nr. 4 auch elf Hymnen gesungen, die nicht nur den motivischen Hintergrund der Partituren abstecken. Eine reizvolle und instruktive Idee – zumal für die auf einigen dieser Melodien basierende Dritte, deren erst 1946 uraufgeführte Partitur dem unwilligen Komponisten den Pulitzer-Preis einbrachte (der diesen allerdings nur als Zeichen schöpferischer Mittelmäßigkeit annahm). Längst vergessen ist, dass Gustav Mahler bereits 1911 eine Abschrift mit auf seine letzte Überfahrt nach Europa nahm

Teil 3 von 6 in Michael Kubes HörBar #012 – Sinfonisches
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Hanns Eisler: Leipziger Sinfonie, Nuit et brouillard, Trauerstücke aus Filmpartituren

Hanns Eisler: Leipziger Sinfonie, Nuit et brouillard, Trauerstücke aus Filmpartituren

Abgesehen von der mehrteiligen Einspielung seiner Lieder (mit Holger Falk und Steffen Schleiermacher) ist es sehr ruhig um die Musik von Hanns Eisler geworden. Nach der einen oder anderen Wiederveröffentlichung aus den Archiven zeigt nun diese MDR-Produktion, dass fast 60 Jahre nach dem Tod des Komponisten (und mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall) hoffentlich endlich die Zeit gekommen ist, Eislers umfangreiches Schaffen nach anderen als bloß ideologischen Kategorien zu bewerten. Hier sind es Stücke und Werke, die der Filmmusik entstammen. Im Fall der unvollendet gebliebenen Leipziger Sinfonie (einem Auftragswerk

Teil 2 von 6 in Michael Kubes HörBar #012 – Sinfonisches
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Olivier Messiaen: Le tombeau resplendissant und andere Orchesterwerke

Olivier Messiaen: Le tombeau resplendissant und andere Orchesterwerke (Tonhalle-Orchester, P. Järvi)

Möglicherweise war die hölzerne Schuhschachtel der Tonhalle Maag tatsächlich der ideale Ort für diese Einspielung. Als Übergangsspielstätte während der aufwendigen Sanierung der Tonhalle hat dieser Zweckbau längst seine Freunde gefunden. Den hier eingespielten kompakten Partituren aus den 1930er Jahren kommt die trockene Akustik jedenfalls sehr entgegen. So ist Messiaen als ein Sinfoniker zu erfahren, der schon weit vor seiner Turangalîla-Sinfonie wusste, wie mit dem großen Apparat zu hantieren ist. Zugleich ist eine Aufnahme entstanden, die man wegen ihrer drängenden Aussagekraft nicht so leicht aus der Hand legt. Ob es in

Teil 1 von 6 in Michael Kubes HörBar #012 – Sinfonisches
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Voix du ciel. Polyphonies médiévales et chants sacrés

Voix du ciel. Polyphonies médiévales et chants sacrés – Ensemble Gilles Binchois

Man muss zuerst einmal suchen, um die Anlage diese Doppel-Albums zu verstehen. Schließlich aber hilft die Website des Ensembles: Es handelt sich letztendlich um eine Kompilation von Stücken aus den letzten sieben CDs des Ensembles Gilles Binchois, das aktuell auf seinen 40. Geburtstag zurückschauen kann. In die zurückliegenden Jahrzehnte fallen dabei nicht nur zahlreiche Auszeichnungen, sondern auch ein Generationenwechsel. Was bleibt, sind sehr genau ausgehörte, konzentrierte und nur sparsam mit Instrumenten angereicherte Realisationen eines vielfach mehr als 800 Jahre entfernten Repertoires. Dass sich die Stimmen dabei nicht immer in Konsonanzen

Teil 6 von 6 in Michael Kubes HörBar #011 – Alte Musik
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Guillaume Du Fay: Motets, Hymns, Chansons, Sanctus Papale

Guillaume Du Fay: Motets, Hymns, Chansons, Sanctus Papale

Zwar keine Enzyklopädie, doch ist es dem Ensemble Blue Heron trefflich gelungen, auf einer einzigen CD sowohl eine Übersicht über alle von Dufay mit Kompositionen bedachten Gattungen zu geben als auch aufführungspraktische Varianten klanglich zu realisieren: die Größe des Ensembles (solo vs. chorisch), bei untextierten Stimmen den gelegentlichen Gebrauch von Instrumenten oder der Vokalise, die Entscheidung zwischen b durum und b molle. All das wird im Booklet ausführlich und verständlich besprochen, mehr aber noch wiegt die wirklich sensible Interpretation der Werke, die Dufay als den herausragendsten Meister seiner Generation zeigen.

Teil 5 von 6 in Michael Kubes HörBar #011 – Alte Musik
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Alfonso X el Sabio: Cantigas de Santa Maria – Jordi Savall u.a.

Alfonso X el Sabio: Cantigas de Santa Maria – Jordi Savall u.a.

Nach 25 Jahren (wieder) verfügbar, setzen die Aufnahmen dieser CD ein Denkmal für Alfons X von Kastilien (1221–1284), jedenfalls für seine in den Cantigas de Santa Maria versammelten Dichtungen und Vertonungen. Von den 420 Nummern des Codex wurden 14 realisiert – farbenprächtig gesungen und gespielt durch ein verblüffend großes Ensemble mit Klängen zwischen Okzident und Orient. Auch wenn bei diesen Realisierungen vieles Spekulation blieben muss, so gewinnt man am Ende doch eine recht lebendige Vorstellung über das Musizieren der Troubadours jener Zeit: Rhythmisch lange nicht so anspruchsvoll wie das Repertoire

Teil 4 von 6 in Michael Kubes HörBar #011 – Alte Musik
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Johannes Ockeghem: Masses 2 – Beauty Farm

Johannes Ockeghem: Masses 2 – Beauty Farm

Wer sich am Namen des Ensembles und dem Cover stört, der möge einmal im Katalog des Labels „Fra Bernardo“ stöbern. Schnell wird klar, dass es sich lediglich um eine poppig stilisierte Weiterentwicklung des Art-Designs von Produktionen mit dem Ensemble „The Sound and the Fury“ handelt. In beiden Fällen handelt es sich um herausragende Interpretation nicht minder hochkarätiger Werke aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. Hier (Folge 2 einer Gesamteinspielung?) finden sich auf zwei CDs insgesamt vier Messen von Johannes Ockeghem: die frühe Missa Caput, die vielleicht auf ein Werk von Dufay

Teil 3 von 6 in Michael Kubes HörBar #011 – Alte Musik
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Splendor da ciel. Rediscovered Music from a Florentine Manuscript

Splendor da ciel. Rediscovered Music from a Florentine Manuscript

Umweltbewusst nutzen wir heute selbstverständlich die Rückseite eines längst verbrauchten Papiers für flüchtige Notizen. Vor vielen Jahrhunderten wendete man ein ähnliches Verfahren an, um wertvolles Pergament nochmals zu beschreiben: Mehr oder weniger sorgfältig wurde dazu die Buchbindung gelöst, ältere, offenbar wertlos gewordene Beschriftungen auf den Blättern ausrasiert und am Ende wieder ein neues Konvolut gebunden. Die ältere Schicht scheint meist endgültig verloren, so auch bei einer umfangreichen Handschrift mit Musikrepertoire aus dem italienischen Trecento, die ab 1504 in Florenz für ein Verzeichnis über Erwerb und Vermietung von Immobilien weitergenutzt wurde.

Teil 2 von 6 in Michael Kubes HörBar #011 – Alte Musik
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Johannes de Lublin tablature (1540) – Corina Marti (Renaissance Cembalo)

Johannes de Lublin tablature (1540) – Corina Marti (Renaissance Cembalo)

Mit 39 Nummern wird auf dieser CD zwar nur eine kleine Auswahl aus der insgesamt 520 Seiten umfassenden Tabulatura Joannis de Lublin präsentiert. Doch diese Kompilation macht Lust auf mehr, spielt doch die aus der Schweiz stammende Corina Marti die 1540 zusammengetragenen Stücke und Intavolierungen mit einer hinreißenden Musikalität, die technisch wie gestalterisch nichts vermissen lässt. Ganz im Gegenteil muten die Klänge des nachgebauten Renaissance-Cembalos so unmittelbar, so modern an, dass man die enorme zeitliche Distanz von bald 500 Jahren rasch vergisst. Für mich eine der inspiriertesten Einspielungen seit langer

Teil 1 von 6 in Michael Kubes HörBar #011 – Alte Musik
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