4. April 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Kindermann: Opitianischer Orpheus – Siedlacek / Kobow / United Continuo Ensemble

Kindermann: Opitianischer Orpheus – Siedlacek / Kobow / United Continuo Ensemble

Was wäre die deutschsprachige Dichtkunst ohne Martin Opitz (1697–1639)? Als zur Zeit des 30-jährigen Kriegs in der Mitte Europas die Städte brannten, Felder und Ställe geplündert wurden, entdeckte er die poetische Strahlkraft der eigenen Sprache. Für Komponisten wie den jung verstorbenen Nürnberger Johann Erasmus Kindermann eröffnete sie aber vollkommen neue Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks. Die 27, immer mit einer knappen instrumentalen Einleitung versehenen Lieder seines Opitianischen Orpheus (1642) legen davon beredtes Zeugnis ab. Jan Kobow ist mit seinen sorgsam deutenden, mitunter fast im Stil eines modernen Liedermachers erzählenden Tenor eine

Teil 6 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik
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Johann Bernhard Bach: Orchestral Suites – Thüringer Bach Collegium

Johann Bernhard Bach: Orchestral Suites – Thüringer Bach Collegium

Überliefert durch Abschriften aus dem Bach’schen Haushalt in Leipzig, haben diese vier Ouvertüren-Suiten viel zu lange im Schatten gelegen. Ihre herrlich ungezwungene Kombination aus französischem und italienischem Stil zeigen den in Eisenach wirkenden Johann Bernhard Bach (1676–1749) als einen höchst einfallsreichen Komponisten im greifbaren Einflussbereich Telemanns und auf der Höhe seiner Zeit. Solistisch besetzt, spielt das Thüringer Bach Collegium die erhaltenen Werke auf höchstem Niveau als ganz große Musik. Mit durchdachter Agilität und Artikulation sowie einem sehr angenehmen direkten Klang ein großartiges Hörvergnügen. Kleiner Schönheitsfehler: In der gedruckten Track-Liste fehlen

Teil 5 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik
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Geminiani. Quinta essentia – Concerto Köln

Geminiani: Quinta essentia – Concerto Köln

Ob Pink wohl die Lieblingsfarbe von Francesco Geminiani war? Das Artwork dieser CD lässt jedenfalls diese Vermutung aufkommen. Und wer vertrautermaßen Angaben zu den eingespielten Kompositionen auf dem Backcover sucht, wird diese zwar finden – allerdings mit manieristischen Schnörkeln eines selbstgefälligen Fonts versehen. Die Auswahl der eingespielten Werke jedenfalls soll als quinta essentia, als Quintessenz, verstanden werden. Dabei handelt es sich um eine freie Auswahl von insgesamt acht Kompositionen aus Opus 2, 3, 4, 5 und 7 in frühen originalen oder auch späteren überarbeiteten Fassungen. Dieses leider bis heute ein

Teil 4 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik
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Couperin: Concerts Royaux – Les talens lyriques / Rousset

Couperin: Concerts Royaux – Les talens lyriques / Rousset

Freiheiten ohne Ende unter den Augen des absolutistischen Louis XIV. Denn mit seinen Concerts Royaux (1722) hat François Couperin eine Sammlung von vier Werken geschrieben und drucken lassen, die sich in der Oberstimme erfreulich flexibel besetzen und aufführen lassen (Violine, Traversflöte, Oboe – alternierend oder auch simultan). Von Solisten des Ensembles Les talens lyriques tatsächlich als Kammermusik gespielt und risikofreudig direkt aufgenommen, drängt sich die hohe Kunst französischer Barockmusik hier geradezu auf. Keine Musik, die bloß untermalt, sondern die sich selbstbewusst in Szene setzt. François Couperin. Concerts Royaux Les talens

Teil 3 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik
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Jommelli: Requiem & Miserere – il gardellino / van Heyghen

Jommelli: Requiem & Miserere – il gardellino / van Heyghen

Die Musik zu mehr als zweihundert Opern stammt aus seiner Feder, doch auch an Kirchenmusik hat Niccolò Jommelli ein beträchtliches Œuvre hinterlassen. Als Kapellmeister am württembergischen Hof in Stuttgart hat er Mitte des 18. Jahrhunderts auch diesseits der Alpen Spuren hinterlassen – darunter das Requiem Es-Dur. Es ist 1756 für den Begräbnisgottesdienst von Maria Augusta von Thurn und Taxis, der Mutter von Herzog Carl Eugen, entstanden und erfreute sich in den folgenden Jahrzehnten einer weiten Verbreitung, bis es von Mozarts Totenmesse aus dem Repertoire gedrängt wurde. Stilistisch wie dramatisch liegen

Teil 2 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik
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Arne: The Judgement of Paris – The Brook Street Band / Andrews

Arne: The Judgement of Paris – The Brook Street Band / Andrews

Wer bei den ersten Tönen glaubt, diese Musik schon einmal gehört zu haben, der täuscht sich nicht. Bereits 1973 gehörte die Ouvertüre zu den von der Academy of Ancient Music eingespielten Werken. Alles weitere ist so gut wie unbekannt geblieben – auch der Rest der Partitur, die ohne Rezitative und Chöre 1744 gedruckt wurde. Das originale Material ist vermutlich Opfer der Flammen beim Brand des Covent Garden am 20. September 1808 geworden; die zu hörenden Ergänzungen stammen aus der Edition der Musica Britannica. Hier wie schon öfters zeigt sich, dass

Teil 1 von 6 in Michael Kubes HörBar #014 – Barockmusik
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Uri Caine: Diabelli Variations after Ludwig van Beethoven

Uri Caine: Diabelli Variations after Ludwig van Beethoven

Erstmals im Jahr 2002 erschienen, ist diese Wiederveröffentlichung nicht überflüssig, sondern notwendig! Kann man bei den Diabelli-Variationen Beethoven einmal mehr als Revolutionär erleben, der sich keinesfalls an Vorgaben halten wollte (verlegerische wie gattungsspezifische), so wird hier in der Bearbeitung, dem Arrangement und der Improvisation durch und von Uri Caine das Potenzial der Komposition noch einmal gänzlich neu entfaltet. Schon bei der Vorstellung des Themas wird mit wenigen metrischen Stauchungen klar, wohin die Reise gehen wird. Zwar ist das Alla Marcia seinem Charakter vollkommen entsprechend noch dem Orchester zugewiesen, in der

Teil 6 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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Symphonies de Salon: Reicha & Beethoven – Le Concert de la Loge

Symphonies de Salon: Reicha & Beethoven – Le Concert de la Loge

Ebenfalls vor 250 Jahren geboren, steht Anton Reicha noch immer im Schatten seines Kollegen und Freundes Beethoven. Dabei sollte seine Musik eigentlich schon lange kein Geheimtipp mehr sein. Vor allem seine Kompositionen für ein größer besetztes Kammerensemble lohnen noch immer eine Entdeckung, die mit schönen Farben und wundervollen Klängen belohnt wird. Hier nun ist es ein Werk aus dem Jahre 1827, merkwürdig betitelt mit Grande Symphonie de salon und tatsächlich mit Blick auf den Gattungsrahmen irgendwo im Nirgendwo zu verorten (außer bei Reicha selbst, wie man stilistisch sofort gewahr wird).

Teil 5 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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Beethoven: Sinfonie Nr. 6 / Knecht: Le Portrait musical de la nature – Akademie für Alte Musik Berlin / Forck

Beethoven: Sinfonie Nr. 6 / Knecht: Le Portrait musical de la nature – Akademie für Alte Musik Berlin / Forck

Dass Beethoven als Komponist in seiner Zeit wirklich nicht alleine stand, dass sein Œuvre auch mehr zu bieten hat als die bis heute immer wieder gespielten Werke, das zeigt das Label harmonia mundi mit seiner auf lange Sicht angelegten Serie „2020 / 2027“, die Bekanntes mit Unbekanntem kombiniert und jenem auch Zeitgenössisches verknüpfend an die Seite stellt. In diesem Fall ist es Beethovens „Pastorale“, der auch chronologisch das fünfsätzige Portrait musical de la nature von Justin Heinrich Knecht (1752–1817) vorausgeht. Eine Kombination, die nicht nur einleuchtet, sondern gleichermaßen Verbindendes wie

Teil 4 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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Franz Joseph Clement: Violinkonzerte – Contzen / WDR Sinfonieorchester / Goebel

Franz Joseph Clement: Violinkonzerte – Contzen / WDR Sinfonieorchester / Goebel

Noch vor wenigen Jahren hätte kaum jemand geglaubt, dass es einmal ein Beethoven-Jahr geben könnte, in dem eine ganze CD-Reihe explizit nicht dem Titanen gewidmet wird, sondern seinen Zeitgenossen. 2020 ist aber alles anders. Und während die einen ihre gut bestückten Archive in Boxenform veröffentlichen, produziert beispielsweise Sony mit „Beethoven’s World“ eine Serie, bei der wohl jede Folge das Herz höher schlagen lassen wird. Eingespielt wurden dafür Werke, die mit Beethoven zwar etwas zu tun haben, nicht aber seinen Namen tragen. So sind es hier zwei Violinkonzerte von Franz Joseph

Teil 3 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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Kaleidoscope. Beethoven Transcriptions – Mai Kodama (Klavier)

Kaleidoscope. Beethoven Transcriptions – Mai Kodama (Klavier)

Unter dem etwas beliebigen Motto „Kaleidoscope“ hat Mai Kodama Klaviertranskriptionen aus dem 19. Jahrhundert versammelt, die im ersten Moment überraschen: Denn neben Saint-Saëns sind auch Balakirev und Mussorgsky mit jeweils zwei Sätzen aus Beethoven’schen Streichquartetten vertreten (op. 59/1 und op. 18/6, ferner op. 59/2 und op. 130, schließlich op. 135). Doch die namhaften Arrangeure treten nicht hinter ihren Bearbeitungen hervor, handelt es sich doch lediglich um sehr enge, direkte Übertragungen auf das Klavier. Beethoven hingegen zeigte mit seiner eigenen Mozart-Bearbeitung (Finale aus KV 591), wie man richtigerweise für das Klavier

Teil 2 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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Beethoven: Piano Concertos – Brautigam (Fortepiano) / Kölner Akademie / Willens

Beethoven: Piano Concertos – Brautigam (Fortepiano) / Kölner Akademie / Willens

Nachdem sich Ronald Brautigam bereits mit Beethovens Sonaten, Variationen und Bagatellen auseinandergesetzt hatte, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann und mit welchem Orchester die Klavierkonzerte folgen würden. Nun also sind sie pünktlich zum Jahr 2020 erschienen – und wie bei dem schwedischen Label BIS üblich, ist es eine herausragende Einspielung mit kräftigem Understatement geworden. Da gibt es keine Pressekonferenzen, keine breit angelegte Promotion. Selbst das eigentliche Produkt ist im ecopak aus Pappe unscheinbar: keine knalligen Farben, kein Heroenstatus – und alles auf nur zwei CDs gebannt. Brautigam

Teil 1 von 6 in Michael Kubes HörBar #013 – Beethoven & Co.
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