30. November 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Alban Berg Quartett – Complete Recordings

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #023 – Geschenkboxen
Alban Berg Quartett – Complete Recordings
Alban Berg Quartett – Complete Recordings

37 Jahre bestand das legendäre Alban Berg Quartett, das mit seinen Interpretationen selbst ein Stück Gattungsgeschichte geschrieben hat. Auch wenn die Formation (anders als andere) nur wenige neue Partituren zur Uraufführung brachte, so hatte sie sich nie ausschließlich dem klassisch-romantischen Repertoire verschrieben (auch hier: anders als andere). Überdies finden sich Produktionen, die über ihre angestammte Domäne hinausgehen: Walzer von Strauß I und II sowie Lanner, teilweise in Arrangements der Zweiten Wiener Schule (eingespielt 1992), und Tango Sensations mit Werken von Astor Piazzolla & Co. (2003). Als sich das Quartett 2007 auflöste, ging eine Epoche zu Ende, vergleichbar dem Amadeus Quartett oder dem Beaux Arts Trio, und dennoch lebt die Musik dieses österreichischen Kleeblatts (wie man ein Quartettensemble gelegentlich nennt) ungebrochen auf Tonträgern fort. Diese lassen sich schließlich von der ehrwürdigen Telefunken über Teldec und EMI bis hin zu Warner Classics auch bestens vermarkten: Nachdem 2013 eine Box mit 5 Classic Albums veröffentlich wurde, folgte erst 2018 die Wiederauflage der späten Mozart-Quartette, 2019 die der Beethoven-Quartette.

Dass nun zum 50. Jahrestag der Gründung des ABQ sämtliche veröffentlichen Einspielungen in einem gewichtigen und preislich lukrativen Karton vorgelegt werden, wird nicht nur Kenner und Liebhaber erfreuen, sondern vielleicht auch den verärgern, der erst vor wenigen Monaten in die kleineren Vorläufer investiert hat. Freilich sind die hier versammelten 62 CDs und 8 DVDs überwältigend und regen zum Befragen der nach wie vor modern anmutenden älteren Einspielungen an, ebenso wie zum Vergleich der Beethoven-Zyklen – aus der Kirche in Seon (geschnitten) und dem Konzerthaus Wien (live). Und dennoch fällt erst jetzt in der Gesamtschau auf, welche Werke nicht vor dem Mikrophon aufgelegt wurden… Die Box ist übrigens im doppelt übertragenen Sinne eine Büchse der Pandora. Zum einen findet man beim abendlichen Durchhören nur schwerlich einen Schlusspunkt, zum anderen gerät das Schließen und erneute Öffnen(!) des viel zu eng anliegenden Deckels der Stülpschachtel zu einem nervenaufreibenden Abenteuer, das fast mit schwerem Gerät an der Werkbank geendet hätte.


Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Johannes Brahms, Antonín Dvořák, Bedřch Smetana, Leoš Janáček, Maurice Ravel, Claude Debussy, Alban Berg, Anton Webern, Béla Bartók, Igor Strawinsky, Gottfried von Einem, Witold Lutosławski, Roman Haubenstock-Ramati, Erich Urbanner, Wolfgang Rihm, Alfred Schnittke, Joseph Lanner, Johann Strauss (Vater), Johann Strauss (Sohn), Astor Piazolla, Eduardo Arolas, Juan Carlos Cobián, Julio de Caro, Kurt Schwertsik
Alban Berg Quartett, Alfred Brendel, Rudolf Buchbinder, Philippe Entremont, Elisabeth Leonskaja, Heinz Medjimoreč (Klavier), Hariolf Schlichting, Marcus Wolf (Viola), Heinrich Schiff (Violoncello), Georg Hörtnagel, Alois Posch (Kontrabass), Sabine Meyer, Ernst Ottensamer (Klarinette), Wolfgang Schulz (Flöte), Per Arne Glorvigen (Bandoneon), Alfred Mitterhofer (Harmonium), Amadeus Ensemble

Warner 190295 385170 (1974–2003)

 

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