4. April 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
John Adams Collected Works

John Adams Collected Works

Oft genug fragt man sich ja, wie weit der anhaltende Ausverkauf der Archive noch gehen soll. Da werden halb vergessene oder inzwischen aus der Aufführungspraxis gefallene Interpret:innen in quadratischen Boxen wiedererweckt – ganz so, als gäbe es keine Gegenwart oderZukunft mehr und als müsste man rasch noch einmal alles als Vermächtnis zusammenstellen. Dabei würde in diesen Fällen meist eine verlässlich kuratierte Auswahl reichen, um einen guten Eindruck zu bekommen und um Ressourcen zu schonen: materiell bei der Herstellung, aber auch im heimischen Regal. Doch diese Box zum 75. Geburtstag von

Teil 4 von 4 in Michael Kubes HörBar #067 – John Adams 75
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Los Angeles Philharmonic Orchestra

Los Angeles Philharmonic Orchestra

Man fühlt sich in die alten Zeiten zurückversetzt, als noch der Wechsel der Schallplattenseite zu Kult und Alltag gehörte. Viel zu rasch waren da oft die ersten beiden Sätze einer Sinfonie abgelaufen, bevor man aufspringen musste. Später kamen die mittels DMM enger geschnittenen Seiten mit ausgedehnter Laufzeit und besserer Tonqualität. Und heute? Irgendwie mutet das vorliegende Album anachronistisch an. Erstens: das Album ist nur auf LP oder im Streaming zu haben, nicht jedoch auf CD. Zweitens: greift man auf die LP zurück, verblüfft die Notwendigkeit, bereits nach weniger als 20

Teil 3 von 4 in Michael Kubes HörBar #067 – John Adams 75
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Tonhalle-Orchester Zürich

Tonhalle-Orchester Zürich

Ein Album, das aus einem Gast-Aufenthalt heraus entstand: In der Saison 2021/22 probte und konzertierte John Adams als «Artist in Residence» mit dem Tonhalle-Orchester Zürich. Die daraus geborene Einspielung dirigierte dann aber doch Chefdirigent Paavo Järvi, während sich Adams mit seinen Partituren in der Hand hörend und beratend ins Parkett zurückzog (die offenbar inspirierende Atmosphäre ist durch die im Booklet beigegebenen Fotos dokumentiert). Die Auswahl der vier Werke gibt einen guten Überblick über 20 Jahre Schaffen – und auch aus einem anderen Grund scheint mir die CD außergewöhnlich: Sie portraitiert

Teil 2 von 4 in Michael Kubes HörBar #067 – John Adams 75
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The John Adams Edition

The John Adams Edition

Zu Beginn ein Blick zurück. Als vor fünf Jahren (2017) John Adams seinen 70. Geburtstag feierte, erschien auf dem Eigenlabel der Berliner Philharmoniker eine jener opulent ausgestatteten querformatigen Boxen, über die man in der eigenen Sammlung unweigerlich immer wieder stolpert: wegen des inkompatiblen Formats, wegen der herausragenden Ausstattung und wegen des sich darin verkörpernden künstlerischen Anspruchs. In diesem Fall wurden Aufführungen all jener Werke dokumentiert, die in der Saison 2016/17 in der Philharmonie erklangen, als John Adams als erster offizieller «Composer in Residence» zwar kein neues Werk präsentierte, wohl aber

Teil 1 von 4 in Michael Kubes HörBar #067 – John Adams 75
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Xenakis - Electroacoustic Works

Xenakis – Electroacoustic Works

«Erstmals liegt nun Xenakis’ elektroakustisches Gesamtwerk auf Tonträger vor. Jahrelange Quellenstudien und vergleichende Recherchen ermöglichten in Zusammenarbeit mit dem Tonmeister Martin Wurmnest kritisch reflektierte Stereo-Mixe, die von Rashad Becker entsprechend gemastered wurden und die neben dem Aspekt der Quellentreue den Hörer in den Mittelpunkt stellen: Xenakis‘ Musik kann man genießen.» Kann man! Da denkt man zunächst, was gibt es denn hier noch zu machen. Viele der Stücke sind doch schon mal veröffentlicht worden. Zugegeben: Für mich wären die Unterschiede zwischen den alten und den neuen Versionen sicher kaum wahrnehmbar. Was

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Adam Walker

Adam Walker

Mit dem Titel French Works For Flute liegt dieses Album richtig: Nicht nur, dass alle fünf eingespielten Werke von französischen Komponisten stammen – auch sonst lässt sich das kammermusikalische Repertoire für Flöte kaum ohne die bei aller Leichtigkeit gewichtigen Beiträge aus Frankreich denken. Kurioserweise steht hier dann aber doch die von Jean-Pierre Rampal für Flöte eingerichtete Violinsonate (1886) von César Franck im Mittelpunkt. Nicht ganz zu Unrecht, denn Adam Walker entfaltet den gestalterisch anspruchsvollen Solopart in wundervoll weiten Linien, gliedert mit seinem Atem den Verlauf in deutliche Phrasen, verleiht dem

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #066 – Querflöte
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Anna Zhitnukhina

Anna Zhitnukhina

Ein Album, dass unbedingt gehört werden muss. Nicht nur wegen der Musik (Haydn bleibt auch in diesen mit leichter Hand für London 1784 geschriebenen Divertimenti immer originell), und auch nicht wegen der Interpretation (sie ist in jeder Weise äußerst ansprechend und zeigt die auf hohem Niveau bestens unterhaltende Musik von ihrer allerschönsten Seite). Maßgeblich ist die Entscheidung, sich nicht für oder gegen ein historisches oder modernes Instrumentarium entschieden zu haben. Noch vor ein paar Jahren wäre es wohl eine Gretchenfrage gewesen, inzwischen aber sind die Grenzen aufgehoben: Da werden zeitgenössische

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #066 – Querflöte
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Alexis Kossenko

Alexis Kossenko

Unter den im 19. Jahrhundert qualitativ wie quantitativ mit hochstehender Kammermusik bedachten Holzblasinstrumenten steht die Querflöte an erster Stelle. Für sie lässt sich bereits im Œuvre von Johann Nepomuk Hummel eine Sonate nachweisen; vor allem aber haben in einer sich gegenseitig befruchtenden Konstellation sowohl Komponisten des französischen Sprachraums wie auch die Maßstäbe setzenden Klassen des Pariser Conservatoire viel für das Repertoire getan. Aber «Undine»? Diese Produktion des französischen(!) Labels Aparté wendet sich bewusst Werken von Komponisten «du nord» zu, womit im Gegensatz zu der im Louvre ausgestellten Malerei wirklich das

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #066 – Querflöte
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Gaby Pas-Van Riet

Gaby Pas-Van Riet

Zwar sollte man alte Formulierungen nicht nach Jahrhunderten wörtlich in das aktuelle Hochdeutsch übernehmen – in diesem Fall greift aber irgendwie dann doch jene Wendung, die einst Carl Friedrich Zelter gegenüber Goethe für den zunächst in Rheinsberg, dann in Berlin und für einige Monate auch in Tallinn tätigen Waldhornisten, Dirigenten und Komponisten Georg Abraham Schneider (1770–1839) gefunden hat: Dieser habe «eine Menge artiger Stücke componiert». Eigentlich wäre dem kaum etwas hinzuzufügen, denn die vorliegende Einspielung von gleich drei Flötenkonzerten ist eindeutig als «artig» zu bezeichnen: im Sinne von manierlich und

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #066 – Querflöte
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Krzysztof Kaczka

Krzysztof Kaczka

Auch wenn es inzwischen draußen ziemlich herbstelt: Dieses Album mit Musik von Łukasz Woś (*1967) holt die schönsten Seiten des Sommers für eine gute Stunde zurück. Das liegt nicht nur an der nach sattem Grün und frischer Luft duftenden Aufnahme-Location (der Tjörnarp Kyrka in Schweden), sondern auch an der Musik selbst, die in keinem Takt aneckt. Łukasz Woś versteht es, wirklich idiomatisch für die Flöte zu komponieren, stilistisch dabei an die französische Musik der Jahrhundertwende anzuknüpfen (ich meine die zum 20. Jahrhundert) und sich dabei auf höchst angenehme Weise ins

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #066 – Querflöte
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Khadija Zeynalova: Heinrich and Leyla

Khadija Zeynalova: Heinrich and Leyla

Ein Stück Programmmusik: „Heinrich and Leyla“ spielt programmatisch im zweiten Weltkrieg und thematisiert eine Liebegeschichte unter Bedingungen des Terrors. «Das Hauptthema dieses dramatischen Werks ist eine große Liebesbeziehung zwischen Heinrich, deutscher Abstammung und Leyla, aserbaidschanischer Abstammung. Die Ereignisse im Werk spielen sich 1942 in der aserbaidschanischen Stadt Annenfeld (heute Schämkir) ab.» Die Komposition beruht auf dem gleichnamigen Roman von Amir Pahlavan. Das ist berührend, traurig, bitter. Zum Verzweifeln. Wie Menschen unter dem Diktat terroristischer Ambitionen (hier von Hitler und Stalin) in dieser zerworfenen Welt der puren Boshaftigkeit keinen Raum mehr

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rand – Peripherie

rand – Peripherie

Es gibt solche und solche. In der Selbstbeschreibung ihres Soundworks geben der Pianist und der Producer Dr. Nojoke ohne Witz an, diese Musik könnte Fans von «Nils Frahm, Alva Noto & Ryuichi Sakamoto, Bing  Ruth, Erased Tapes …» interessieren. Stichworte sind «Ambient, Glitch, Modern Classical Music und Clicks & Cuts». Wer oberflächlich in die Platte reinhört, erkennt all das wieder. Eine weitgehend ruhig dahin zerfließende Musik aus Klavierklängen umschwirrt von allerlei «Electronica». Oder umgekehrt, wenn die Klavierklänge darin eingebettet sind. Das ist in allererster Linie eine genussvolle Angelegenheit und stimmig

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