5. Juli 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Wenn ich eine Generation zurückdenke, dann war Gregor Joseph Werner (1695–1766) damals allenfalls als Vorgänger von Joseph Haydn im Amt des Hofkapellmeisters bei den Esterházys bekannt. Eine ungarische Neuausgabe seiner Streicherfugen machte noch die Runde, alles andere war längst über die musikgeschichtliche Kante gefallen. Erst in den letzten Jahren rückte sein Œuvre dank der Initiative von Lajos Rovátkay und mehreren Einspielungen wieder in den Fokus – und man konnte einen wirklich sehr interessanten Komponisten des späten Barock im Umfeld der Habsburger kennenlernen. Denn der aus Wien strahlende Glanz sollte sich

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Christoph Demantius – Johannes-Passion

Christoph Demantius – Johannes-Passion

Im geschäftigen Treiben des Kalenderjahres gibt es zwei Wochen, die etwas ruhiger verlaufen (sollten) – und es in der Regel wenigstens musikalisch auch tun: die so genannte «Stille Woche» vor dem Ewigkeitssonntag, mit dem das Kirchenjahr im November abschließt, und die Karwoche vor dem Osterfest. In letzterer standen und stehen noch immer kleine und große Passionsmusiken auf dem Programm: früher liturgisch eingebunden, später dann eher konzertant aufgeführt, heute vielfach auch nur noch auf Tonträger präsent. Die Kompositionen unterscheiden sich je nach Epoche auch in dem ihnen zugrunde liegenden Text, bei

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Yorgo Sicilianos

Yorgo Sicilianos

An dieser Produktion zeigt sich einmal mehr, dass Komponisten nicht immer die besten Führsprecher ihres Œuvres sind. Zwar bezieht man sich gerne auf auktoriale Äußerungen (wie auch im Booklet dieser Produktion), doch bleibt auch nicht minder oft die Frage nach dem Abstand, der Selbstreflexion und der hermeneutischen Deutung. Yorgos Sicilianos (1920–2005), einer der wichtigsten Vertreter der griechischen Musik des 20. Jahrhunderts, macht da keine Ausnahme. Seine Kommentare zu den hier eingespielten Werken sind seltsam rudimentär oder in der Formulierung geradezu pastos – und bleiben vieles schuldig. Der Produktion ist das

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Elsa Barraine

Elsa Barraine

Es wird wohl vielen Musikliebhaber:innen gehen wie mir. Da glaubt man, vieles zu kennen oder zumindest schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Und dann gibt es die verblüffenden «Oh?-Momente» wie diesen. Denn von Elsa Barraine (1910–1999) hat man im deutschsprachigen Raum wohl kaum etwas – oder: eigentlich rein gar nichts gehört. Dabei war sie, überfliegt man nur den Rahmen ihrer Biographie eine schillernde Persönlichkeit – sowohl als Komponistin als auch institutionell. Sie studierte unter anderem bei Paul Dukas, gewann zweimal den Prix de Rome (1929 mit einer Kantate, 1947 mit

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Mathilde Kralik von Meyrswalden

Mathilde Kralik von Meyrswalden

Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seit Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857–1944) ihre großformatige Sinfonie vollendet hat. Und weitere fünf Jahre sind seit der Uraufführung am 18. September 2021 im Brucknerhaus Linz ins Land gezogen, bis nun endlich ein Mitschnitt erscheint. War es auf der einen Seite das nahezu komplette Vergessen der Komponistin und ihres bis dahin ungedruckten Werkes, so hätte die Aufnahme auf der anderen Seite durchaus auch früher einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Denn das von Silvia Spinnato geleitete Female Symphonic Orchestra Austria (FSOA) muss sich

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Symphonies in 3 Movements

Symphonies in 3 Movements

Das Konzept dieses Albums erinnert deutlich daran, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Einführung eines vierten Satzes fortan (und für mehr als einhundert Jahre) nahezu verbindlich für die Sinfonie wurde – wobei es sich bei dem vierten Satz um das an dritter Stelle stehende Menuett bzw. Scherzo handelt. Seine Einführung veränderte die gesamte Dramaturgie der aus der Opern-Ouvertüre italienischer Art abgeleiteten Werkgestalt. Dass später im 20. Jahrhundert noch ganz andere Konzepte entstanden (bis hin zur monumentalen Einsätzigkeit), muss nicht extra erwähnt werden – wohl aber die gelegentliche

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Mel Bonis – Orchesterwerke

Mel Bonis – Orchesterwerke

Werke für Klavier und Kammermusik. Wieder einmal waren es die «kleinen Formen» (Charakterstücke), eine Violinsonate und ein Klavierquartett, die bis jetzt ein durchaus (falsches) Bild von der französischen Komponistin Mel Bonis (1858–1937) zeichneten. Erst mit diesem Album (natürlich eine cpo-Produktion) treten auch sinfonische Klänge ans Licht – obwohl es sich «nur» um Instrumentationen eigener Werke handelt (die bei denen mit vokalem Anteil). Und dennoch: Diese Musik muss sich weiß Gott nicht hinter den Zeitgenossen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verstecken! Vielmehr erweist sich Mel Bonis als eine Komponistin

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Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Ein Album, das man daheim nicht so rasch aus dem Auge verlieren sollte. Denn hier stimmen das Programm, die Interpretation wie auch die klangliche Realisation durch die Tonmeisterei. Oder um nochmals aus einer anderen Perspektive anzusetzen: Ulrich Roman Murtfeld ist ein Pianist, den man live erleben möchte. Sein Spiel zeichnet sich nicht nur durch technische Souveränität aus, sondern auch durch kultivierten Anschlag und charakteristischen Ton – und mehr noch sowie entscheidend: durch ein gestalterisches Vermögen, das sowohl intellektuell den Notentext durchdringt als auch musikalisch atmet. Unter seinen Händen klingt etwa

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George Enescu – Fine Arts Quartet

George Enescu – Fine Arts Quartet

Noch immer liegt ein Schatten auf dem zweifellos singulären wie hochkarätigen kompositorischen Schaffen von George Enescu (1881–1955), so bedeutend war sein umfangreiches Wirken als Virtuose, Kammermusiker und Pädagoge auf der Violine. Möglicherweise stand einer breiteren Rezeption der Werke aber auch seine geniale Frühreife im Wege: Konnte sich Enescu als Interpret schon in jungen Jahren problemlos die großen Podien der Welt erobern, war er als Komponist lange Jahre auf der Suche nach eigenen Formen, Harmonien und melodischen Verläufen – und dies nicht etwa im Zuge von Experimenten, sondern einer von Werk

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Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Es scheint fast so, als würde bei diesem Album das Gedenkjahr 2028 schon seine Schatten werfen. Aber: Auch bei anderen Komponisten werden Raritäten und kurze Stücke höchst selten eingespielt. Also doch eine Produktion, die den Katalog frühzeitig vervollständigt? Darauf deuten zumindest einige Ersteinspielungen hin – auch wenn die damit verbundenen Takte eher wenige sind und marginal bleiben. Jedenfalls in dem hier (nicht) gegebenen Kontext. Denn erst wenn man Schuberts frühe (!) Kontrapunkt-Studien in einem größeren Zusammenhang sieht und darstellt, erschließen sich weitere Zusammenhänge. Dass dies bei einer CD-Produktion nicht geleistet

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Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

An sich eine gute Idee, aus Mendelssohns Jugendwerken nicht nur einige der vielfach eingespielten Streichersinfonien aufzunehmen, sondern auch kleinere Übungen und Ephemera, die doch noch viel mehr über den Unterricht bei Carl Friedrich Zelter und das zur Verfügung stehende ältere Repertoire erzählen. Es sind die auf diesem Album an letzter Stelle stehenden beiden Fugen, die in diesem Sinne die Ohren (und dann auch die Augen) öffnen. Wer das physische Album vor sich hat, sollte für die genauen Nachweise allerdings Spotify bemühen, denn dort werden die Verzeichnisnummern ungewöhnlicherweise umfangreich und korrekt

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Charles Alkan – Mark Viner

Charles Alkan – Mark Viner

Wer schaut schon gern auf seine frühere Zeit zurück? Was haben wir nicht alles für verrückte Pläne und Projekte gehabt! Als ich vor nun bald schon vierzig Jahren einen älteren Professor auf einen Text von ihm ansprach, sagte er mit einem sehr breiten Lächeln, das zu Herzen ging: «Ach, eine Jugendsünde!» Das ist wahre Souveränität. Bei Komponisten ist es auch kaum anders – es sei denn, es wurde so gründlich aufgeräumt, wie es Brahms selbst getan hat. Aber es gibt ja auch die frühen gedruckten Werke. Wie bei Charles Alkan

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