Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen).

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Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Gottfried August Homilius (1714–1785) gehört zu jenen Meistern des 18. Jahrhunderts, deren Werk zunächst noch eine Zeit lang weiter tradiert, dann aber bis weit ins 20. Jahrhundert vergessen wurde. Allenfalls enzyklopädisches Interesse hielt die Erinnerung wach, sein umfangreiches kompositorisches Œuvre wird erst seit geraumer Zeit wiederentdeckt. Dies muss erstaunen, denn Homilius war als Organist an der Frauenkirche, später als Kreuzkantor und Musikdirektor, drei Jahrzehnte lang an zentraler Stelle in Dresden tätig. Der Überlieferungsweg «seiner» Lukas-Passion ist kurios und wirft ein Schlaglicht auf ganz unterschiedliche Passions-Traditionen. Denn CPE Bach verwendete 1775

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Johann David Heinichen – Sepolcri

Johann David Heinichen – Sepolcri

Noch einmal das Sepolcro. Diesmal geht es die Elbe auswärts bis nach Dresden – eine noch immer nicht gänzlich erschlossene Hochburg des musikalischen Barock und weit darüber hinaus. Auf diesem Album sind es zwei Werke, die in ihrer Anlage und ihren sängerischen Anforderungen unbedingt an die Opera seria erinnern. Sie zeigen, wie sehr sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Stile, Gattungen und Genres gegenseitig inspirierten, obwohl die geistliche und weltliche Sphäre eigentlich unvereinbar schien. Vielleicht war Johann David Heinichen (1683–1729) dafür ein exzellenter Vermittler. Protestantisch sozialisiert und am

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Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Wenn ich eine Generation zurückdenke, dann war Gregor Joseph Werner (1695–1766) damals allenfalls als Vorgänger von Joseph Haydn im Amt des Hofkapellmeisters bei den Esterházys bekannt. Eine ungarische Neuausgabe seiner Streicherfugen machte noch die Runde, alles andere war längst über die musikgeschichtliche Kante gefallen. Erst in den letzten Jahren rückte sein Œuvre dank der Initiative von Lajos Rovátkay und mehreren Einspielungen wieder in den Fokus – und man konnte einen wirklich sehr interessanten Komponisten des späten Barock im Umfeld der Habsburger kennenlernen. Denn der aus Wien strahlende Glanz sollte sich

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Christoph Demantius – Johannes-Passion

Christoph Demantius – Johannes-Passion

Im geschäftigen Treiben des Kalenderjahres gibt es zwei Wochen, die etwas ruhiger verlaufen (sollten) – und es in der Regel wenigstens musikalisch auch tun: die so genannte «Stille Woche» vor dem Ewigkeitssonntag, mit dem das Kirchenjahr im November abschließt, und die Karwoche vor dem Osterfest. In letzterer standen und stehen noch immer kleine und große Passionsmusiken auf dem Programm: früher liturgisch eingebunden, später dann eher konzertant aufgeführt, heute vielfach auch nur noch auf Tonträger präsent. Die Kompositionen unterscheiden sich je nach Epoche auch in dem ihnen zugrunde liegenden Text, bei

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