
Neu ist nun, dieses Werk mit eigenen Bearbeitungen des Ensembles zu umgeben. Ausgewählt wurden dafür Kompositionen, die in nicht allzu ferner zeitlicher Distanz zu Schönbergs hochromantischem Opus stehen – Debussys Prélude à après-midi (1894), Dukas’ Zauberlehrling (1897) und Ravels La valse (1920). Die Messlatte ist damit hoch gelegt – allerdings mehr, was die Transformation der Partituren angeht, als die interpretatorische Umsetzung. Lässt sich etwa im Prélude der ätherische Klang der Flöte wirklich auf einer Violine realisieren? Und wenn ja: Warum sollte man es naheliegenderweise tun? Und die klangliche Magie des Zauberlehrlings, die ein groß besetztes Orchester fordert: Warum die Reduktion, in der man vieles vermisst? Die gleiche Frage stellt sich auch bei La valse – nicht in den melodischen Passagen, sondern mit Blick auf die Dichte der Faktur. Es handelt sich um Bearbeitungen, die das Repertoire des Klaviertrios zwar ergänzen und die man früher im Salon sicherlich mit großer Freude gespielt hätte. Im 21. Jahrhundert hingegen sind die Originale bequem verfügbar und oft genug zu hören. Beschränkt sich die Notwendigkeit des Albums daher allein auf das programmatische Alleinstellungsmerkmal? Zumal mit dem leicht provokanten Motto «Stolen Music»? Gutwillige Antworten stellen sich auch bei wiederholtem Hören nicht so recht ein.
Stolen Music
Claude Debussy. Prélude a l’après-midi d’un faune (Arr. Linos Piano Trio); Paul Dukas. L˚apprenti sorcier (Arr. Linos Piano Trio); Arnold Schönberg. Verklärte Nacht op. 4 (Arr. Eduard Steuermann); Maurice Ravel. La valse (Arr. Linos Piano Trio)
Linos Piano Trio
AVI 855 3035 (2021)
