4. August 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Bernhard Romberg – Raphael Wallfisch

Bernhard Romberg – Raphael Wallfisch
Bernhard Romberg – Raphael Wallfisch
Sommerfrei! Das dachte sich auch der Dresdner Maler Carl Gustav Carus (1789–1869), als er im Jahre 1819 nach einem Hinweis von Caspar David Friedrich die Insel Rügen besuchte und seine Eindrücke unter dem Titel Eine Rügenreise im Jahre 1819 auch literarisch festhielt. Hier entstanden einige Gemälde und Skizzen – darunter auch jene knorrige Eiche, die er auf der im Schatten von Rügen noch immer verträumt liegenden Insel Vilm fand. Obwohl er zwischenzeitlich auch die Schweiz und Italien bis Neapel bereiste, fand er zu einem einzigartigen Baum im grauen Winter 1834/35 zurück: «Selbst in diesen grauen Tagen kneipe [knapse] ich mir zuweilen eine Mittagsstunde an der Essenszeit ab, um in meinem Malerzimmer […] an gewaltigen Eichen zu arbeiten, die mich jetzt gleich einer wiedererwachten Jugendliebe anziehen.»

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Deutlich gefälliger sind die beiden hier eingespielten Konzerte für Violoncello des legendären Bernhard Romberg (1767–1841). Mit seinem Instrument reiste er nach Paris, Wien, St. Petersburg und Spanien, um schließlich in Hamburg sesshaft zu werden. Noch heute gehört sein Schulwerk zu den instrumentalpädagogischen Standards, seine Werke müssen hingegen erst wiederentdeckt werden. Dazu tragen Raphael Wallfisch und die London Mozart Players bei – in einem betont schlanken und kammermusikalischen Duktus, der viel Raum für lyrische, technisch virtuose Darbietungen lässt. Ein Konzert in «Moll» ist bei Romberg allerdings keine Seltenheit (drei der zehn Cellokonzerte stehen in solche einer Tonart), und der Beiname Concerto militare (Nr. 6) ist wohl eher dem Zeitgeist und der gelegentlich aufscheinenden Großen Trommel geschuldet. Dass der meist sehr hoch liegende Solopart wirklich fordert, ist dem souveränen Spiel von Raphael Wallfisch gelegentlich anzumerken. Romberg muss Zeit seines Lebens über diesen Dingen gestanden haben, wie ein Zeitgenosse 1822 bemerkte: «Ich hörte Bernhard Romberg und sah an ihm den ersten Virtuosen, welcher ohne Notenpart die Concerte auswendig vortrug. Er pflegte seine Augen nie auf das Cello, sondern aufwärts oder mit freundlich lächelnder Miene gegen das Publicum zu richten, und nicht, wie Manche so tief vorgebeugt arbeiten, dass man in Angst geräth, sie purzeln vom Stuhle herab, um ihr Instrument auf den Boden noch zu umarmen.»

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Bernhard Romberg. Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 4 e-Moll op. 7; Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 6 op. 31; Rondo capriccioso F-Dur op. 69 für Violoncello und Streichquartett
Raphael Wallfisch (Violoncello und Leitung), London Mozart Players

cpo 555 356-2 (2020)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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