19. Juli 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Cuarteto Quiroga

Cuarteto Quiroga

Das Schicksal hat es nicht gut mit ihm gemeint. Nicht nur, dass Juan Crisóstomo Arriaga (1806–1826) zehn Tage vor seinem 20. Geburtstag an Tuberkulose verstarb, ein Jahrhundert-Hochwasser in Bilbao vernichtete 1983 auch noch zahlreiche der erhaltenen Erinnerungsstücke und Musikhandschriften seines ohnehin schmalen, jedoch überaus vielversprechenden Œuvres. Dabei begann alles wie in einem Märchen: Die Fürsprache bedeutender Musiker und die finanzielle Unterstützung eines Mäzens ermöglichten Arriaga ab 1821 ein Studium am Pariser Konservatorium; vor allem in Kontrapunkt und Fuge machte er binnen kürzester Zeit so bedeutende Fortschritte, dass ihm 1823 und

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Barbican Quartet

Barbican Quartet

Was für ein Understatement! Ein Booklet ohne Künstlerbiographie, ohne einen Verweis auf eine entsprechende Website. Man könnte Nachlässigkeit vermuten, doch nach dem Gewinn des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs 2022 ist das Barbican Quartet in der «Szene» dann doch zu bekannt. Vielleicht ist aber auch ein Wechsel der Perspektive angebracht: Hier wird nicht auf dem Papier mit einer großartigen Entwicklung gepunktet, sondern allein durch die Musik. Und wer sich von dem Album und den Interpretationen gefangen nehmen lässt, der wird sowieso nach mehr Informationen suchen (und fündig werden). Erstaunlich ist bei diesem zweiten

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Novo Quartet

Novo Quartet

«Hej!» – Was für eine sympathische Ansprache im Booklet, bei der man sich gleich eingeladen fühlt. Und tatsächlich ist der Text nicht nur freundlich formuliert, sondern auch persönlich. Denn die vier Quartettist:innen sagen es (typisch dänisch) direkt. Sie erzählen vom eigenen Weg, von der dänischen Landschaft, von ihrer ersten Begegnung mit zeitgenössischer Musik – die eben nicht (mehr) die von Schostakowitsch ist. Aber auch von Hygge und Lego ist die Rede. So unverstellt, wie sich der Text liest, so unverstellt sind auch der Klang und die Interpretation des NOVO Quartet

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Butter Quartet

Butter Quartet

Selbst unter den jungen Streichquartett-Formationen ist die historisch informierte Aufführungspraxis nicht so verbreitet, wie man es sich wünschen würde. Dabei geht es nicht allein um die Frage der «richtigen» Saiten und ihrer Stimmhöhe, sondern vor allem um die Artikulation und den daraus resultierenden kammermusikalischen Ton. Denn bei manch einem Werk der Klassiker und frühen Romantiker lässt sich die Faktur auch ins Sinfonische denken – und dies nicht nur beim frühen Schubert (bei ihm selbst ein produktives Missverständnis). In diesem Sinne ist das zweite Album des Butter Quartets aus Den Haag

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Joseph Weigl – Trios

Joseph Weigl – Trios

Eine Rarität in gleich mehrfacher Hinsicht. Zunächst dürfte Joseph Weigl (1766–1846) heute nur noch wenigen als Komponist ein Begriff sein, obwohl sein einst erfolgreiches Singspiel Die Schweizerfamilie hin und wieder wieder aufgeführt wird. Dann wird die ausgesprochen kammermusikalische Besetzung dieser sechs Trios verblüffen: Oboe, Violine und Violoncello. Und schließlich werden auch die Stücke selbst überraschen, die ungedruckt in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert sind. Drei von ihnen sind dreisätzig, drei weitere umfassen vier Sätze, zwei davon schließen gar eine Fuge ein. Es handelt sich um freundliche Musik zur Unterhaltung, die mit

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Widmann – Piano Music

Widmann – Piano Music

Wie klingt Jörg Widmann auf dem Klavier? Da seine kompositorische Ästhetik mit ihren zahlreichen Allusionen auch aus der Retrospektive auf das 19. Jahrhundert schöpft, scheinen seine kleinformatigen Werke für Klavier im ersten Moment eine verbindliche Nähe zur Vergangenheit herzustellen. Dass dies jedoch nicht ausreicht, zeigen bereits die Werke selbst: Tänze, Reminiscenses, Intermezzi und Humoresken mit überschaubarer Spielzeit stehen in ihrer Summe eher der Bagatelle und dem Charakterstück näher, als der Sonate oder freien Fantasie. Wie auch in anderen Werken wird dabei mit «Erinnerungsstücken» an bestimmte Sprachen gespielt, die sich abstrakt

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Hans Winterberg – Klaviersonaten

Hans Winterberg – Klaviersonaten

Er gehört zu den ungehörten Komponisten des 20. Jahrhunderts – und wird erst seit kurzem mit seinem bedeutenden Œuvre entdeckt. Hans Winterberg (1901–1991) gehört zu jenen, die sich nicht einfach verorten lassen. Und vielleicht war das auch der Grund, warum es um ihn still geblieben ist. Andererseits fordert einen seine Musik, denn sie fasst bei dem in Prag geborenen vieles aus West und Ost zusammen – irgendwo zwischen Paris und Prag, dem Kreis um Schönberg und Zemlinsky sowie einer tiefer sitzenden eigenen Melancholie. Alles Zutaten, die weder auf der breiten

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William Walton – Kammermusik

William Walton – Kammermusik

Eine überraschende Kombination von zwei sehr unterschiedlichen Werken bietet dies Album. Mehr aber noch gibt diese Produktion einen starken Vorgeschmack auf das, was uns allen in den kommenden Jahren bevorstehen könnte. Während viele Solisten, Ensembles und Orchester noch Wert auf ein aussagekräftiges Booklet legen, kommt das italienische Ensemble Kinari mit sehr wenigen Worten auf der inneren Klappe aus: zwei Sätze zum Ensemble (und ohne weiterführenden Link) und vier Sätze zum Programm. Wer sich mit «klassischer Musik» bei Spotify versorgt, wird nichts vermissen. Wer «physisch» unterwegs ist, wird sich verwundert die

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Witt – Sinfonien

Witt – Sinfonien

Musikalisch ist Friedrich Witt (1770–1836) kein Unbekannter. Wer seinen alten Schallplattenschrank durchforstet, findet womöglich eine Aufnahme seiner Sinfonie C-Dur, die nach einer voreiligen Zuschreibung durch Fritz Stein einmal als Jugendwerk Beethoven gehandelt wurde. Als dann klar war, dass es sich bei der Partitur um keinen echten «Beethoven» handelt, sondern «nur» um einen ordentlichen «Witt», öffneten sich die Türen zur Versenkung. Dabei versteht es der zuletzt in Würzburg wirkende Witt, mit seinen Sinfonien musikalisch bestens zu unterhalten (er schrieb außerdem reichlich Kirchenmusik). Obwohl von ETA Hoffmann mit einer gründlichen und positiven

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Modern Horn Trios

Modern Horn Trios

Mit dem Adjektiv «modern» ist das so eine Sache. Nicht nur, dass sich moderne Moden irgendwann wiederholen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie man von heute aus ein weiter zurückliegendes «Modern» definiert. Denn letztlich ist dies allein eine Frage der ästhetischen Haltung des jeweiligen Rezipienten. Und da wirkt dann der Titel dieses Albums doch etwas seltsam und verunglückt. Sind Charles Koechlin und Hermann Schroeder (1904–1984) mit ihren Horntrios aus den Jahren 1920 und 1967 wirklch so «modern» wie Hans Abrahamsen, John Cage oder György Ligeti, deren Partituren trotz weitgehender zeitlicher

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Helmut Lachenmann – My Melodies

Helmut Lachenmann – My Melodies

Melodien von Helmut Lachenmann? Keine Sorge! Hier findet keine radikal-revolutionäre Abkehr von einer über Jahrzehnte entwickelten, ganz eigenen Ästhetik statt, sondern eine Vertiefung. Natürlich sind keine «Melodien» im allgemein verkürzten Verständnis zu hören, wohl aber Klänge und Klangzustände, die das Ausgangsmaterial reflektieren. Im Zentrum dieser großen und weiträumigen Partitur mit einer Spielzeit von knapp 45 Minuten stehen acht Hörner – nicht konzertant im traditionellen Sinn, sondern oft genug als Atemgeber wie in den letzten Takten. Der Weg reicht dabei vom mächtigen Unisono über eine «wilde» Kadenz bis hin zu geräuschhaften

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Cor Basse – Teunis van der Zwart

Cor Basse – Teunis van der Zwart

Ein Album mit einem regelrechten «Wow-Effekt». Schon seit langem bin ich ein Freund historischer Blasinstrumente, zumal wenn es um die adäquate Realisation dereinst zeitgenössischer Musik geht. Vor allem die Holzbläser lassen in diesem Sinne immer wieder aufhorchen und zeigen, dass bestimmte Werke mit heutigen «modernen» Instrumenten irgendwie «falsch» klingen, auf jeden Fall aber ihren inneren Drive und die klangliche Vielfalt der Obertöne verloren haben. So auch beim Horn – nur dass mir lange Zeit der erhebliche Unterschied zwischen offenen und gestopften Tönen merkwürdig drastisch erschien und mehr Fragen als Antworten

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