
Und dann fällt einem der groß angelegte, dreisätzige Orchesterzyklus Annunciation Triptych (2019–2022) der australischen Komponistin Liza Lim (*1966) in die Hände. Sie scheint genau dieses Problem zu beherrschen, wenn aus einem murmelnden Klang heraus sich die Hörner befreien – mit einer deutlichen Allusion an Wagner Rheingold, dann aber nicht stehen bleiben, sondern der Musik im weit aufgespannten Bett der Streicher eine andere Richtung geben: markant, flirrend, niemals stagnierend. Und am Ende ein sattes B-Dur. Auch die beiden folgenden Sätze zeigen deutlich tonale Bass-Strukturen, auf denen Felder aufgebaut werden. Man mag das, wie im Booklet-Essay, aus den Titeln (Sappho, Mary und Fatimah) als weibliche Spiritualität interpretieren. Mehr aber noch zählt der Wille zu einer Partitur, die mit ihrer Länge auch einen unbequemen Anspruch stellt (im dritten Satz mit einem vokalen Sopran-Solo, das auch zum Ende führt). Das Werk ist mit dem WDR Sinfonieorchester unter Cristian Măcelaru in allerbesten Händen – und diese Besetzung zeichnet wiederum auch die Komposition aus. Ob sie aber mit ihrer bedeutenden Länge auch den Weg auf das Podium finden wird?
Liza Lim. Annunciation Triptych (2019–2022)
Emily Hindrichs (Sopran), WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru
Kairos 0022003KAI (2022)

Danke für die Anregung. Für mich ist die einleitende Kritik zu diesem Werk sehr hilfreich!