
Diese Gedanken schwirren mir beim Lesen von Werkeinführung und Biographie dieses Albums im Kopf herum. Denn Klaus Ospald (*1956) widmet sich aus sicherer historischer Distanz den drängenden Dichtungen von Miguel Hernández (1910–1942) – als Kind Ziegenhirt, dann Schüler an einem Jesuitenkolleg, schließlich Dichter, kämpfender Republikaner. Unter den spanischen Faschisten starb er elendig. Aber vertragen Worte wie aus Das Kind als Zugtier einen großen sinfonischen und chorischen Apparat, der mehr kommentiert als das Auditorium mit den ausgewählten Worten wachrüttelt? Lässt sich eine solche Dichtung ästhetisieren? «Seine Jahre kann es nicht zählen, / aber es weiß, was der Schweiß / für den Ackernden ist: / eine schwere Krone aus Salz.» Mich beginnt solch eine Musik zu beunruhigen, die aus gesicherten Verhältnissen auf schwierige Etappen zurückblickt, diese für sich aufnimmt, aber kaum Antworten für die Gegenwart findet – und sich somit zirkulär bewegt.
Klaus Ospald. Más raÃz, menos criatura (aus: Entlegene Felder III) für Orchester, Klavier, und achtstimmigen Kammerchor (2014/15, rev. 2017); Quintett von den entlegenen Feldern für Streichtrio, Klarinette, Klavier, Live-Elektronik (2012/13, rev. 2014)
Singer Pur, Markus Bellheim (Klavier), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Peter Rundel, Ensemble Experimental, SWR Experimentalstudio, Peter Tilling
BRKlassik 900642 (2019)
