2. Oktober 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Bacewicz, Penderecki / Roman Jablonski

Bacewicz, Penderecki / Roman Jablonski
Bacewicz, Penderecki / Roman Jablonski

Nach einer ersten Folge mit alter und neuer Kammermusik setzt das polnische Label DUX seine Reihe «Polish Cello» mit vorzüglichen Archiv-Aufnahmen von zwei gewichtigen Kompositionen fort – dem jeweils mit «Nr. 2» bezeichneten Konzert von Grazyna Bacewicz (1963) und Krzysztof Penderecki (1982).

Ausgewählt wurden erneut Interpretationen mit Roman Jablonski als Solisten, der inzwischen seinen 75. Geburtstag feiern konnte. Es liegt an der aktuellen Katalogpolitik, dass von seinen teilweise bedeutenden Einspielungen derzeit nichts greifbar ist – allen voran das Cellokonzert von Witold Lutosławski. Umso mehr dokumentiert das vorgelegte Album den hohen künstlerischen Rang seines Spiels, die immer wieder verblüffende Sicherheit in der Umsetzung klanglicher wie gestischer Gestalten. Zugleich rücken wieder zwei Werke ins Bewusstsein, die ein wenig in Vergessenheit geraten sind, obwohl sie für heutige Ohren geradezu beispielhaft die Zeit ihrer Entstehung reflektieren: bei Grazyna Bacewicz die schöpferische Suche nach neuen Ausdrucksmitteln zwischen der hörbaren Rezeption des späten Bartók (Schlagwerkrhythmen!), sich in der harmonischen Spannung selbst tragenden Linien und zeittypischen Verdichtungen. Sie fügen sich im zweiten Satz zu einem weiten Bogen, so wie es Bacewicz überhaupt gelungen ist, nicht bei der Fixierung einzelner Ereignisse stehen zu bleiben, sondern den Verlauf auch zu entwickeln.

Knapp 20 Jahre später schrieb Penderecki ein achtteiliges Konzert, das an der Grenze der von ihm selbst dann verfolgten Neoromantik steht und Streichercluster mit chromatischen Motiven und tonaler Bindung in Beziehung setzt. Auch in der historischen Distanz ein noch immer auf- und anregendes Spiel wechselnder Aspekte, denen vor allem eines gemeinsam ist: der nahezu durchgehend wehmütige, fast tragische Tonfall. Es dürfte kaum allzu spekulativ sein, diese Partitur auch politisch zu verstehen. Zumindest kann man sich leicht vorstellen, dass sie unter den damaligen Umständen politisch verstanden wurde, zumal bei der Uraufführung der offen kritisch denkende Mstislaw Rostropowitsch den Solopart übernommen hatte. – Mit Roman Jablonski gewinnt die Komposition gar noch an Intensität. Die Aufnahme ist nicht nur präziser und präsenter, sie klingt auch runder und drängender; sie traut sich in den gefährlichen Bereich des Subjektiven, verfällt allerdings nicht dem auskomponierten Drama, sondern verbleibt voller Spannung in gleichsam beobachtender Distanz. Ein interpretatorischer Markstein.


Polish Cello 2.

  • Grazyna Bacewicz: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 (1963)
  • Krzysztof Penderecki: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 (1982)

Roman Jablonski (Violoncello), Great Symphony Orchestra of Polish Radio und Television, Tadeusz Strugala, Jerzy Katlewicz

DUX 1605 (1996, 1984)

 

 

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Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #040 – Cellomania